Vereinsleben

02.04.2016

Mit 66 Jahren...

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1950: Liesel Kastner und Toni Schneider sind das erste Prinzenpaar der Vereinsgeschichte.

... ist der Spaß am Fasching noch lange nicht vorbei. Die Gailachia Monheim feiert ihr „Schnapszahl-Jubiläum“ und erinnert sich an den Maskenlauf und Bombendrohungen

57 Prinzenpaare, einmal ein Prinz mit drei Haremsdamen, ein Prinzessinen-Duo, 13 Präsidenten und noch so viele mehr – der Fasching in Monheim hat viele Gesichter. Seit 66 Jahren gibt es die Faschingsgesellschaft Gailachia Monheim am 9. April 2016. Und natürlich wird das „Schnapszahl-Jubiläum“ – wie bei den Narren so üblich –ordentlich gefeiert. Die Faschingsvereine des Landkreises von Holzheim bis Huisheim schicken ihre Garden auf die Bühne der Stadthalle Monheim und feiern mit viel Tanz und Musik die Gailachia mit ihrem Publikum.

66 Jahre nach der Gründung am 9. April 1950 steht der Verein gut da: sechs Garden von klein bis groß, Funkenmariechen (dieses Jahr ein Zwillingspaar), Elferrat, Hofstaat, Mundschenk, Prinzenpaar und Kinderprinzenpaar. „Aus dem Narrenhaufen von einst ist längst ein wohl organisierter Verein geworden“, sagt der amtierende Präsident Josef Kotter. Den Grundstein dafür legten in den 70ern und 80ern die Präsidenten Alfred Hofer, Karl Huber und Karl Robert Keuerleber. Der Trinkspruch „Mohaia, Helau“ entstand ebenfalls unter ihrem Regiment.

Doch der Blick in die Vereinschronik verrät wirklich so einige wilde Zeiten. Von Faschingstagen, an denen beim Maskenlaufen nur die Frauen das Sagen hatten und von Kneipen zu Kneipen zogen, vom Treiben im Café Wenninger und einstigen Umzügen mit Pferdekutschen und Clownsnasen. Schon im 13. Jahrhundert feierte das leichtlebige Volk der fränkischen Nadler in Monheim ihre Fasnacht. Der erste Faschingsumzug ist laut urkundlicher Genehmigung bereits am 22. Februar 1876 durch Monheims Straßen gezogen. Dann, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, begann die Blütezeit der Narren in Monheim und die Leute kamen in das Städtchen, um dem Treiben zuzusehen. David Holzapfel war einer der großen Narren dieser Zeit.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg besann man sich recht schnell wieder auf den Fasching und 1950 wurde der Faschingsverein gegründet und erhielt seinen Namen nach dem Bächlein Gailach. Das erste Prinzenpaar waren Toni Schneider und Liesel Kastner und im Laufe der Jahre wurden nicht nur die Kostüme bunter und aufwendiger, sondern auch die Suche nach einem Prinzenpaar nicht einfacher. „Das ist immer eine heikle Sache“, verrät Präsident Kotter. „Aber wer es gemacht hat, hat die Zeit immer sehr genossen.“

In den 50ern führte Oberclown Manfred Königsdorfer mit seinem Kollegen Hubert Hoser, Andreas Fischer und Ludwig Schneider den Monheimer Fasching ins Rampenlicht. 1956 war sogar der Bayerische Rundfunk bei der Prinzeninthronisierung zugegeben, wovon man bis heute schwärmt. Doch dann folgte 1960 eine Zwangspause mangels Ehrenamtlicher, die den Verein führen wollten. Außer kleinen Umzügen und einem Kinderprinzenpaar war wenig los.

Sechs Jahre später aber erschallte dann erneut der Schlachtruf „Ein Prosit hoch, Gailachia“ und unter der Regie von Alfred Hofer wurde wieder ein Hofstaat eingesetzt. 1969 dann die erste Prunksitzung – die erste überhaupt im Landkreis. „Das ist kaum vorstellbar, wenn man bedenkt, was wir heutzutage für einen Terminplan mit Prinzenball, Kindergardetreffen, drei Prunksitzungen, Weiber- und Kinderfasching haben“, sagt Kotter. Fasching heute ist durchorganisiertes Programm mit professionellen Garde-Tänzen, aufwendigen Kostümen und großer Show. 1970 wurde die Gailachia als einziger schwäbischer Verein in den Fasnachtsverband Franken aufgenommen. Bis heute eine Besonderheit, die allein darin begründet ist, dass es noch keinen schwäbischen Verband gab.

Und dann waren da noch die Faschingsbälle mit „Bombenstimmung“. 2007, in erstem Jahr seiner Präsidentschaft, wurde der Ball von einer realen Bombendrohung unterbrochen. Wie schon 1997, hatte ein Unbekannter bei der Polizei mit einer Explosion gedroht. Kotter ließ die Stadthalle räumen – aber nicht mit Polizeigewalt, sondern charmant mittels Polonaise in die Turnhalle. Dort gab es für die Besucher einen Sekt, bis die Sache geklärt war. „Das war schon eine kitzlige Sache“, erinnert sich Kotter. Den bösen Buben erwischte man schnell. Ein Betrunkener hatte sich den miesen Scherz erlaubt.

Kotter, damals sogar von der TZ als „Faschingsretter“ gefeiert, hofft, dass das zum Jubiläum nicht passiert. Er freut sich auf den Abend mit viel Tanz. Doch er weiß auch, dass danach schon wieder die neue Saison vorbereitet werden muss. Ein Motto und ein Prinzenpaar müssen her und dann wird geprobt und trainiert.„Unser tänzerisches und sportliches Können der Garden hat sich enorm gesteigert und das Niveau wollen wir halten.“

für den Jubiläumsabend am 9. April in der Stadthalle Monheim gibt es unter der Telefonnummer 0152/28994141.

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