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Rögling

22.02.2019

Mit vier Stimmen in den Gemeinderat

Ohne jemals kandidiert zu haben, ist Martin Templer nun Mitglied des Gemeinderats in Rögling. Er rückte nach, weil vier Bürger seinen Namen zusätzlich auf den Wahlzettel schrieben.
Bild: Wolfgang Widemann

Martin Templer hat nie für den Gemeinderat in Rögling kandidiert. Warum er ihm jetzt trotzdem angehört

Mit dem Gedanken, einmal Gemeinderat zu sein, hat sich Martin Templer schon einmal beschäftigt. Vor der Wahl 2014 wurde er gefragt, ob er sich als Kandidat aufstellen lassen würde. Der Röglinger sagte nach Rücksprache mit seiner Familie ab. Gut fünf Jahre später bekam Templer nun Besuch von Bürgermeisterin Maria Mittl. Die fragte ihn, ob er für die restliche Amtszeit bis 2020 dem Gremium angehören möchte. Ein Gemeinderat, ohne jemals kandidiert zu haben – geht das? In Rögling schon: Dort gab es 2014 erstmals nur eine Liste. Auf der standen für die acht zu vergebenden Sitze zehn Personen. Zudem befanden sich auf dem Wahlzettel noch einige leere Zeilen. In diese konnten die Röglinger nach dem Gemeinde- und Landkreiswahlgesetz – weil nur ein Wahlvorschlag (Liste) vorlag – handschriftlich die Namen weiterer Personen notieren und damit diese wählen.

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Konrad Fieger erklärte seinen Rücktritt

In Rögling nutzte eine ganze Reihe der Wähler diese Möglichkeit. Neben den zehn offiziellen Bewerbern wurden am Ende 32 weitere Namen im Ergebnis vermerkt. Was Martin Templer nicht wusste: Er war einer davon.

Über den Jahreswechsel 2018/19 trat dann in Rögling eine in der Region höchst ungewöhnliche Situation ein: Konrad Fieger erklärte im November seinen Rücktritt als Gemeinderat. Die beiden potenziellen Nachrücker – Nummer 9 und 10 der der Rangliste der Stimmen von 2014 – sagten ab (wir berichteten). Deshalb zog Maria Mittl die handschriftlich notierten Namen auf den Wahlzetteln heran, denn: Auch diese Leute können den rechtlichen Vorgaben zufolge den freigewordenen Sitz im Gemeinderat übernehmen. Die Bürgermeisterin machte sich daran, diese „Kandidaten“ der Zahl der Stimmen nach zu kontaktieren. Eine der Personen, welche die meisten Sonderstimmen bekommen hatte, nämlich vier, sagte jedoch ab.

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Dann war Martin Templer an der Reihe. Ihn hatten ebenfalls vier Röglinger auf die Zusatzzeilen des Wahlzettels geschrieben. Der Bauingenieur und verheiratete Vater dreier Kinder erbat sich Bedenkzeit. Schließlich hat er bereits einiges um die Ohren. Zum 1. Januar 2017 übernahm er von seinem Vater Hubert – der gehörte 18 Jahre dem Gemeinderat an – die Geschäftsführung der Baufirma, welche die Familie mit zwölf Angestellten betreibt. Um sich auf diese verantwortungsvolle Aufgabe konzentrieren zu können, gab Martin Templer eigens sein Amt im Vorstand der SpVgg Rögling auf.

Kurzer Zeitraum erleichterte ihm die Entscheidung

Überhaupt die Vereine: Davon gibt es in der Kommune, die nur gut 650 Bewohner zählt, gleich zehn. „Viele Leute sind da bereits gebunden“, weiß Templer. Für eine Kandidatur für den Gemeinderat könnten sich da viele Bürger nicht erwärmen.

Trotz der persönlichen Verpflichtungen sagte der Bauunternehmer der Bürgermeisterin aber zu. „Irgendeiner muss es machen“, merkt Templer dazu an. Was ihm die Entscheidung erleichterte: „Es handelt sich um einen überschaubaren Zeitraum.“ Bis zum Ende der Amtsperiode 2020 seien es voraussichtlich nur acht Sitzungen: „Da kann ich mir anschauen, wie das läuft und dann entscheiden, ob ich weitermache.“ Templer glaubt, dass er sich mit seinem Fachwissen als Kommunalpolitiker ganz gut einbringen kann. So stehe beispielsweise die Sanierung des Kindergartens an. Dazu fassten die Räte in der Sitzung, in welcher der unverhoffte Nachrücker vereidigt wurde, auch gleich einige Beschlüsse.

Übrigens: Hätte sich Martin Templer nicht bereit erklärt, das Amt zu übernehmen, hätte die Bürgermeisterin bei 29 weiteren Röglingern anklopfen können: ein weiterer hatte vier Stimmen bekommen, drei hatten jeweils drei Stimmen, sieben jeweils zwei Stimmen und 19 jeweils eine Stimme.

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