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Nördlingen/Tapfheim

11.09.2019

Müllsack in Feuer geworfen: Spraydose explodiert

In dieser Feuerschale vor dem Tapfheimer „Häusle“ explodierte eine Spraydose. Eine 15-Jährige und ein 24-Jähriger erlitten schwere Verletzungen.
Bild: Daniela Graf

Zwei Menschen werden bei einer Verpuffung in einem Jugendtreff schwer verletzt. Nun wird ein Beteiligter vor dem Amtsgericht Nördlingen verurteilt.

Das Lagerfeuer wärmt die Jugendlichen in der klirrenden Novemberkälte. Es ist gegen vier Uhr morgens, noch immer feiern die jungen Leute im und vor dem Treff „Häusle“ in Tapfheim ausgelassen. Wenige Minuten später kommt es zur Explosion. Zwei Menschen werden schwer getroffen, ihre Gesichter vom Feuer gezeichnet. Chaos bricht aus, kurz darauf rücken mehrere Kräfte des Rettungsdiensts, der Feuerwehr und der Polizei an.

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Mit Rettungshubschraubern werden die zwei Schwerverletzten in Spezialkliniken nach München beziehungsweise Nürnberg gebracht. Das war vergangenes Jahr. Nun sitzt einer von ihnen vor dem Amtsgericht Nördlingen auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 25-Jährigen vor, die Explosion im Lagerfeuer fahrlässig verursacht zu haben und damit für die Verletzungen von drei Menschen – einer wurde leicht verletzt – verantwortlich zu sein.

Großflächige Narben an den Beinen bleiben

Als Zeugin sagt eine 16-Jährige aus, die durch die Explosion ebenfalls schwer verletzt wurde. Noch immer leidet sie unter den Folgen. Die großflächigen Narben an den Beinen werden ihr für immer bleiben, auch an den Knien und im Gesicht erlitt sie schwere Verbrennungen. Drei Jahre dürfe sie deswegen nicht mehr an die Sonne, berichtet sie. An jene schicksalhafte Nacht im November 2018 erinnert sie sich noch genau.

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Sie spricht mit einem der anderen Partygäste, als folgendes passiert: Nur noch eine winzige Glut brennt, einer soll den Angeklagten mit den Worten „Schür’ mal nach!“ aufgefordert haben, neues Brennmaterial nachzulegen. Der greift nach Aussage der Zeugin zu einem gefüllten Müllsack und wirft diesen in die Glut. Darin soll sich die Insektenspraydose befunden haben, die die Verpuffung ausgelöst hat, ermittelt die Polizei später.

Während sie sich unterhält, habe es schon zu stark zu rauchen begonnen. Kurz darauf fängt der Müllsack an zu brennen. Ein kleiner Kreis sitzt zu diesem Zeitpunkt um das Lagerfeuer, die meisten der rund 20 Partygäste seien im „Häusle“ gewesen. Auch der Angeklagte nimmt wieder am Lagerfeuer Platz. Kurze Zeit später kommt es zur Explosion.

Müll wurde am Tag der Party zu Recyclinghof gebracht

Drei Wochen ist die 16-Jährige krankgeschrieben, nach dem Krankenhausaufenthalt bleibt sie noch zwei Monate in ambulanter Behandlung. Für Verteidiger Ulrich Roßkopf bleibt die Frage, warum sie nicht einfach aufgestanden sei, wenn sie die lodernden Flammen bereits bemerkt habe. Sie habe ja nicht gewusst, was passieren könne, antwortet sie und ergänzt: „Aber ich schmeiß’ doch keinen Müllsack ins Feuer, da könnte alles mögliche drin sein.“

Die anderen Zeugen geben vor Gericht an, nicht gesehen zu haben, wer den Müllsack ins Feuer geworfen hat. Woher der Beutel und die darin befindliche Insektenspraydose überhaupt kamen, war den Beteiligten ebenfalls unklar. Der damalige Vorsitzende des Jugendtreffs sagte, dass man den Müll am Tag der geplanten Party zum Recyclinghof gefahren habe. Das Insektenspray sei in einem verschlossenen Raum im „Häusle“ gestanden. Daher beantragte Verteidiger Roßkopf in seinem Plädoyer einen Freispruch.

Gericht verurteilt Angeklagten

Es gebe keine Beweise, dass der Angeklagte den Müllsack überhaupt ins Feuer geworfen hat. Und wenn doch, woher hätte er wissen sollen, dass sich darin die Spraydose befand, argumentierte Roßkopf. „Das ist ein Unfall, aber sicher nicht strafrechtlich relevant“, sagte er.

Das sahen Staatsanwaltschaft und Gericht anders. Wegen fahrlässiger Körperverletzung wurde der Angeklagte schließlich zu 60 Tagessätzen je 40 Euro verurteilt. Sie sahen keine Anhaltspunkte für einen anderen Verlauf, als den von der Zeugin beschriebenen. Strafmildernd berücksichtigte Richterin Katrin Wegele unter anderem, dass der Angeklagte bei dem Vorfall selbst schwer verletzt worden war.

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