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Donauwörth

25.03.2019

Nach Neudert-Verzicht: CSU sucht einen OB-Kandidaten

Armin Neudert (rechts) tritt nicht mehr als OB-Kandidat in Donauwörth an. Das stellt CSU-Ortsvorsitzenden Wolfgang Fackler vor eine große Aufgabe: Ein möglicher Nachfolger muss gefunden werden.
Bild: Helmut Bissinger

Plus Nachdem Oberbürgermeister Neudert erklärt hatte, dass er keine weitere Amtszeit im Donauwörther Rathaus anstrebt, sucht seine Partei einen möglichen Nachfolger.

Es muss ein Moment der Stille gewesen sein, als Oberbürgermeister Armin Neudert am Sonntagabend bei der Vorstandssitzung seines CSU-Ortsverbandes zu Ende gesprochen hatte. Und er hat wohl in viele überraschte Gesichter geblickt.

Denn die Wenigsten seiner Parteikollegen haben damit gerechnet, was der 54-Jährige ihnen gerade erläutert hatte: Er wird bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr als Oberbürgermeister der Stadt Donauwörth kandidieren. Nach drei Amtsperioden und dann 18 Jahren als Rathauschef zieht er sich zurück.

Schriftliche Stellungnahme

Seine Gründe dafür erklärt Neudert in einer persönlichen, schriftlichen Stellungnahme am Montag der Öffentlichkeit. Er habe abgewägt, ob er für weitere sechs Jahre die gesundheitliche Konstitution und Energie besitze, das Amt nach seinem Anspruch und der Verantwortung des Amtes entsprechend auszufüllen. „Die Jahre des Einsatzes und die mit Terminen an in der Regel jedem Tag der Woche sind spürbar“, schreibt er. Am Ende stand für ihn der Entschluss „nach gründlicher und reiflicher Überlegung“ fest: „Ich werde mich kein weiteres Mal um das Amt bewerben.“

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Damit stellt der Oberbürgermeister seine Partei vor eine große Aufgabe. Denn nachdem der erste Schock einmal verdaut werden will, stellt sich zwangsläufig die Frage, wen die Christsozialen in Donauwörth dann ins Rennen um das im Landkreis strategisch wichtige Bürgermeisteramt in der Großen Kreisstadt schicken. Der Kandidat der Freien Wähler, Michael Bosse, hat sich längst in Position gebracht.

Die Jungen sind im Fokus

„Die Sache muss sich jetzt erst einmal setzen“, sagt Wolfgang Fackler, Landtagsabgeordneter für die CSU, aber auch deren Ortsvorsitzender in Donauwörth und Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. Die fieberhafte Suche nach einem Kandidaten hat begonnen. Natürlich schielt man auf die Jungen im Team des Vorstandes: die stellvertretenden Ortsvorsitzenden Stefan Loh und Jonathan Schädle, aber auch Joachim Fackler, der sich aktuell bei der Europawahl bewirbt, wird als möglicher Kandidat gehandelt.

Für Wolfgang Fackler, der offen zugibt, dass sich die Partei nicht allzulange Zeit lassen kann, ist das alles aber noch Spekulation. Zumal sich die möglichen Kandidaten erst einmal selber Gedanken machen müssen, ob sie sich für eine Teilnahme um das Rennen auf den Chefsessel im Rathaus stark genug fühlen. „Wir werden einen frischen Kandidaten bringen“, sagt Fackler überzeugt. Bereits am Wochenende werde sich der CSU-Vorstand des Donauwörther Ortsverbandes zusammensetzen und das Thema beraten. Am Ende muss ein Kandidat dann auch von den 172 Mitgliedern bestätigt werden.

Fackler zeigt Verständnis

Fackler zeigte unterdessen Verständnis für die Entscheidung Neuderts. „Es ist nachvollziehbar und man muss auch sehen, dass es für jeden auch ein Leben außerhalb der Politik gibt“, sagt der Abgeordnete, der als zweifacher Familienvater dieses Thema durchaus kennt.

Doch er sieht auch einen gesellschaftlichen Wandel als Grund dafür, dass sich auch andere Oberbürgermeister wie Kurt Gribl in Augsburg und Ulrich Maly in Nürnberg aus ihren Ämtern verabschieden. „Ich sage nur Alarmismus, Sofortismus und Negativismus – die Tendenz sofort alarmiert zu sein, sofort eine Reaktion erhalten zu wollen und alles sehr negativ zu sehen“, erklärt Fackler. Zudem müsse man als Politiker heutzutage mental sehr stark sein, um all das auszuhalten, was einem in den sozialen Medien widerfährt.

Neudert kam 2002 ins Amt

Neudert war erstmals am 17. März 2002 bei einer Stichwahl gegen Alfred Stöckl zum Oberbürgermeister in Donauwörth gewählt worden. Der damals 37-Jährige war mit dem Motto „Näher am Menschen“ für die CSU und die EBD angetreten und hatte gegen den Tapfheimer SPD-Politiker Stöckl knapp 58 Prozent geholt.

2008 wurde Neudert ohne Gegenkandidaten mit 91 Prozent wiedergewählt, 2014 setzte er sich gegen Thomas Krepkowski von den Grünen mit knapp 72 Prozent durch. „Unter seiner Führung wurden viele wichtige Entscheidungen auf den Weg gebracht und umgesetzt“, würdigte Wolfgang Fackler die Leistung seines Weggefährten.

Wirtschaftskraft als Schlüssel zum Erfolg

Neudert, der stets die wirtschaftliche Kraft Donauwörth als Schlüssel des politischen Gestaltens sah, konnte in Donauwörth den Standort von Airbus Helicopters stärken und das sogenannte Systemhaus ermöglichen. Während seiner Amtszeit entstand das neue Vhs-Gebäude, das Forum für Bildung und Energie im Spindeltal, das ehemalige Hotel Krebs wurde saniert und zum Ärztezentrum umgebaut. Zuletzt begleitete Neudert intensiv den Prozess um die Auflösung der Alfred-Delp-Kaserne und die Umnutzung dieses riesigen Areal auf dem Schellen berg in ein Wohngebiet. Wenn dort die ersten Bewohner einziehen, wird allerdings ein anderer Mann im Rathaus sitzen.

Bis März 2020 verspricht Neudert, der sich über die schriftliche Mitteilung hinaus nicht weiter äußern wollte, vollen Einsatz für seine Stadt. Er schreibt: „Bis zum Ende der jetzigen Amtszeit werde ich die jetzt vor uns liegenden Aufgaben mit ganzer Kraft erfüllen.“ Beobachter beschreiben ihn in den vergangenen Tagen in „gelöster Stimmung“ erlebt zu haben – jetzt wo er diese grundlegende Entscheidung getroffen hat. „Nach 18 Jahren möchte ich einen Generationenwechsel einleiten. Es ist gut, jung anzufangen“.

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar Oberbürgermeisterwahl: Eiskalte Dusche für die CSU sowie den Artikel Wahl: Oberbürgermeister Neudert tritt nicht mehr an

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