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Donauwörth

16.03.2020

Nach der OB-Wahl: Enttäuschung und Hoffnung

Die erste Etappe auf dem Weg ins Rathaus ist für Jürgen Sorré (parteilos) und Michael Bosse (FW) erfolgreich verlaufen. Sie haben sich bereits Gedanken gemacht, wie es in den nächsten zwei Wochen weitergehen soll. Joachim Fackler (CSU) hingegen ist raus und muss die Enttäuschung verarbeiten.
Bild: Laura Danner

Plus Einen Tag nach der Kommunalwahl durchlaufen die Kandidaten in Donauwörth ein Wechselbad der Gefühle.

Für Joachim Fackler ist es der Tag nach dem Schock. So sehr hat er es gewollt, das Amt des Oberbürgermeisters. Siegessicher hatte er sich in der Stichwahl gesehen – umso größer war die Enttäuschung darüber nicht einmal die 20 Prozent-Hürde geschafft zu haben.

Gekämpft hatte er nicht nur darum, innerhalb seiner Partei überhaupt der Kandidat zu werden. Nach dem überraschenden Rückzug von Amtsinhaber Armin Neudert war es anfangs keineswegs klar auf Joachim Fackler zugelaufen. Doch der 32-Jährige hatte sich durchgesetzt. Von da an ließ er keinen Zweifel an seinem Siegeswillen.

Fackler holt den Sieg in nur zwei Wahlbezirken

Doch der Wähler honorierte das nicht. Gerade mal in zwei Wahlbezirken holte sich Fackler den Sieg – und das jeweils nur wenige Prozentpunkte vor Michael Bosse (FW) oder Jürgen Sorré (parteilos). Zum einen in den Donau-Lech-Werkstätten in der Zirgesheimer Straße und in einem Wahllokal in der Parkstadt. In Riedlingen (Gebrüder-Röls-Schule) holte er nicht einmal 9 Prozent der Stimmen.

Nach der OB-Wahl: Enttäuschung und Hoffnung

Am Montag nach der Wahl sitzt Joachim Fackler bereits wieder in München im Finanzministerium am Schreibtisch. „Jetzt bin ich wieder ganz normal im Dienst“, sagt Fackler. „Dabei habe ich wirklich alles gegeben.“

Aufbauende Anrufe am Montag

Woran es denn dann gelegen habe? „Vielleicht wollen die Bürger doch nicht das Gespann aus zwei Brüdern in der Politik“, sagt er selbstreflektierend. Bekanntermaßen ist Bruder Wolfgang Fackler Landtagsabgeordneter der CSU und hatte sich anfangs auch nicht für seinen kleinen Bruder als Kandidaten ausgesprochen. „Vielleicht war ich den Bürgern aber auch noch zu jung“, analysiert Fackler weiter und klingt nicht mehr ganz so niedergeschlagen wie am Sonntagabend.

Die aufbauenden Anrufe im Laufe des Montags hätten ihn aufgemuntert. „Ich freue mich jetzt über mein Stadtratsmandat und hoffe, dass es auch mit dem Kreistag klappt.“

Trostpflaster für Albert Riedelsheimer (Grüne)

Für Albert Riedelsheimer bringt der Tag nach der Wahl ein dickes Trostpflaster. Mit fast 6900 Kreuzen bei seinem Namen erhielt er nach Michael Bosse (FW) die zweitmeisten Stimmen. „Das heißt für mich, dass die Menschen meine Politik mögen. Ich verstehe das als klaren Auftrag“, sagt der Grünen-Politiker. Bestes Ergebnis holte er bei der OB-Wahl übrigens im Wahlbezirk der Musikschule. „Aber für das Amt des OBs fehlt den Menschen wohl das Vertrauen, dass ich das stemmen würde“, so seine Analyse.

Stimmenkönig bei der Stadtratwahl ist Michael Bosse. 7904 Stimmen hat er erhalten. „Das ist ein Pfund, das ich in den nächsten beiden Wochen einsetzen werde“, verrät er. Den Grund für den hohen Stimmenanteil kann er nur vermuten: „Wir haben gerade in Sachen Tanzhaus oder Durchstich zu Airbus klare Kante gezeigt.“

Dennoch fragt er sich, warum bei der OB-Wahl sich dieser Vertrauensbeweis der Wähler nicht deutlicher gespiegelt hat. Da angesichts der Corona-Krise kein persönlicher Wahlkampf möglich ist, hofft er über die sozialen Medien seine Inhalte und Argumente jetzt transportieren zu können. Übrigens holte Bosse sein bestes Ergebnis mit glatten 50 Prozent der Stimmen in Riedlingen.

Jürgen Sorré punktet durch die Donauwörther Briefwähler

Auch bei der Stimmverteilung für den parteilosen Kandidaten Jürgen Sorré, der für die SPD antritt, lohnt ein genauer Blick. Bei den Briefwählern holte er durch die Bank jeweils den größten Stimmanteil – fast immer über 40 Prozent, einmal sogar 52 Prozent. Da 46 Prozent aller Wähler per Brief abstimmten, konnte Sorré damit den sich schon abzeichneten Erfolg verfestigen. Außerhalb der Briefwahl holte Sorré einen Großteil der Stimmen in seiner Heimat Berg (52 Prozent). Der parteilose Kandidat war am Tag nach dem ersten Erfolg noch immer glücklich über den Etappensieg, ist sich aber auch bewusst: „Nach der Wahl ist vor der Wahl.“ Seit Montagfrüh plane er die weiteren Schritte für die anstehende Stichwahl. „Jetzt gilt es den ersten Sieg auch ins Ziel zu bringen“, so der 44-Jährige. Er will mit seinen Wählern über die sozialen Medien Austausch pflegen und seine Inhalte nochmals aufbereiten.

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