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Rain

17.10.2020

Obdachlosen in Rain: Die Stadt will handeln

Die Stadt Rain  muss sich um ihre Obdachlosen-Unterkünfte kümmern.
Bild: Bild: Soeren Stache/dpa

Plus Der Haupt- und Finanzausschuss machte sich ein Bild von der aktuellen Situation. Eine Unterkunft für Wohnungslose ist in schlimmem Zustand. Außerdem werden in den kommenden Wochen steigende Zahlen Betroffener befürchtet

Die Stadt Rain will das Thema Obdachlosigkeit gezielt und grundsätzlich angehen. Die Situation vor Ort lässt Handlungsbedarf erkennen, wie Bürgermeister Karl Rehm den Haupt- und Finanzausschuss am Donnerstag informierte.

In einem bedenklichen Zustand befinde sich nämlich die größte von vier städtischen Unterkünften. Die dort marode Bausubstanz und der dringende Sanierungsbedarf machen die Lage allein schon prekär. Vier von insgesamt 14 Obdachlosen in Rain leben dort.

Die größte Unterkunft muss komplett saniert werden

Das Gebäude müsste kernsaniert werden, schilderte Kämmerer Alfred Marb dem Hauptausschuss. Elektrische Leitungen, Heizung und mehr müssten völlig neu gemacht werden. Zudem gab es dort, wie die Stadt Rain auf Anfrage bestätigt, in immer wieder mal Schwierigkeiten mit Ratten. Das sei aber derzeit kein akutes Problem. Da das Anwesen unter Denkmalschutz steht, dürfte eine Instandsetzung ein größerer finanzieller Akt werden.

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Die Obdachlosen-Situation in Rain könnte sich sich zudem durch steigende Zahlen Betroffener verschärfen: In den kommenden vier bis sechs Wochen rechnet die Stadt schlimmstenfalls mit Zwangsräumungen von Wohnungen, deren Mieter im Zahlungsrückstand sind. Zehn weitere Bürger sind somit aktuell von Wohnungslosigkeit bedroht. Von einer dreiköpfigen Familie konnte dieses Schicksal jüngst noch abgewendet werden, wie Wolfgang Neuber vom Liegenschaftsamt den Hauptausschuss informierte.

Einer von 1000 ist obdachlos

Diese Problematik ist landkreisweit größer als bislang angenommen und wird – so hat die Caritas festgestellt – offenbar von manchen Kommunen zu stark ausgeblendet. Laut Caritas-Mitarbeiterin Gabriele Wawrok, die sich um Obdachlose kümmert, ist rein statistisch einer von 1000 Einwohnern im Donau-Ries-Kreis ohne Wohnung. Dabei müsse man, so ihr Kollege, Kreis-Caritas-Geschäftsführer Branko Schäpers, zwischen zwei Gruppen unterscheiden.

Da gebe es einmal die „klassischen Obdachlosen“, für die die Situation passt, so wie sie ist. Zum anderen seien da diejenigen, die durch besondere Umstände in die soziale Not rutschen. „Oft handelt es sich um Menschen, die in Altersarmut geraten, um Menschen mit Pflegebedarf oder um alleinerziehende Mütter“, benennt Gabriele Wawrok bedrohte Personengruppen.

Modellprojekt „Wohnungslosenhilfe“

Schäpers und Wawrok sind seit 1. Oktober zuständig für das Modellprojekt „Wohnungslosenhilfe“ der Caritas. Ihre Fachstelle hat zum Ziel, dass Menschen bei einer bevorstehenden Zwangsräumung ihre Wohnung nicht verlieren und dass der Umzug in eine Notunterkunft oder sogar Obdachlosigkeit vermieden werden können.

Die Stadt Rain überlegt nun, wie man in geeigneter Weise auf die Obdachlosen-Problematik reagiert. Falls eine Sanierung des größten Obdachlosenheims in Frage kommt und falls weitere Wohnungslose von der Stadt untergebracht werden müssen, käme eine Containerlösung unter Umständen in Frage. Als kurzfristige Variante gibt es da laut Wolfgang Neuber entweder Wohncontainer mit eigenen Sanitäts- und Küchenbereichen in Frage, oder solche mit gemeinschaftlichen Wasch- und Kochmöglichkeiten.

„Kein Ghetto schaffen“

„Die könnten bis zu zwei Jahre genutzt werden“, sagte Neuber. In der Zwischenzeit müsse man eine neue Lösung finden: entweder Sanierung des derzeit größten Obdachlosenheims, oder ein Neubau, oder dauerhafte Container, die nachhaltiger ausgestattet sind, als die provisorischen Container.

Einig waren sich die Ausschussmitglieder, dass man generell auf dezentrale Lösungen setzt. „Mit einem großen Gebäude schaffen Sie ein Ghetto“, gab Branko Schäpfers zu bedenken. Dieser Meinung schlossen sich alle an. Man wolle die Obdachlosen weder stigmatisieren, noch die Konflikte riskieren, die sich in einer größeren Einrichtung mitunter ergeben.

Wohnungen für Obdachlose auf dem privaten Markt zu finden, sei nahezu unrealistisch, stellten die Ausschussmitglieder fest. Schon „normal arbeitende“ Bürger hätten derzeit oft – mangels passender Angebote – keine Chance, ein Objekt zu finden. Der Rainer Stadtrat wird sich demnächst mit diesem Thema befassen und Entscheidungen zum weiteren Vorgehen treffen.

Info Wer Hilfe braucht oder ehrenamtlich in der Obdachlosenhilfe der Caritas Donau-Ries mitarbeiten will, kann sich bei Gabriele Wawrok melden: Telefon 0906/70920724 oder via E-Mail (fachstelle@caritas-donau-ries.de).

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