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Niederschönenfeld

15.10.2016

Öko ist ihre Lebenseinstellung

Sie sind mit Leib und Seele Biobauern (von rechts): Josef, Cäcilia und Johannes Hell, die seit 25 Jahren einen Ökologischen Hof in Niederschönenfeld betreifen.
Bild: Jürgen Ziegelmeir

Vor 25 Jahren haben Josef und Cäcilia Hell als eine der ersten im Landkreis mit ökologischer Landwirtschaft begonnen. Am heutigen Welternährungstag erzählen sie, warum

Zur falschen Zeit erreichte ihn der Anruf. Im Moment habe er viel Arbeit auf dem Feld, weil doch Kartoffelernte sei. In dieser Hinsicht unterscheide er sich nicht von konventionellen Landwirten. Freilich könne er viel über seinen Biohof erzählen. Erst recht im Hinblick auf den Welternährungstag am heutigen 16. Oktober. Schließlich betreibe er seinen Ökohof in Niederschönenfeld schon seit 25 Jahren. Und dieses Jubiläum ist für den 63-jährigen Josef Hell etwas Besonderes. Deshalb schildert er ein paar Tage später seine Geschichte. Bei einem Biobier sagt schmunzelnd: „Öffne deinen Kühlschrank und ich sage dir welcher Landwirt du bist.“

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Längst hat sich der Biohof der Familie Hell im Dorf etabliert. Er basiert auf vier Säulen, die seine Existenz sichern: Angusrinder, die auf heimischen Weiden grasen, Kartoffeln, Gewürzkräuter und Getreide, wie zum Beispiel Dinkel. Laut der EU-Ökoverordnung kontrolliert jedes Jahr eine Aufsicht die Abläufe seines Betriebs von der Aussaat bis zum Verkauf der Ware. Um die strengen Auflagen zu erfüllen hat sich Hell komplett der Natur verschrieben. „Wir verwenden keine Chemie, denn Pestizide bringen den Kreislauf von Fauna und Flora durcheinander“, betont er. Um einen Biohof erfolgreich zu führen und konkurrenzfähig zu sein, ist nicht nur immenses Fachwissen nötig, sondern vor allem Gefühl. Mit seiner Leidenschaft hat er auch seinen Sohn Johannes infiziert.

„Ich bin mit Leib und Seele Biobauer“, bestätigt dieser. Die Qualifikation hat er sich nicht nur an der Fachschule für ökologischen Landbau mit abschließender Meisterausbildung erworben. Schon als Bub war Johannes mit seinem Vater draußen und vom einzigartigen Geruch der Felder angetan. Faszinierend findet er die Tatsache, dass in einer Handvoll gesunder Ackererde mehr Kleinstlebewesen wohnen als Menschen auf der Erde. Durch diese Erfahrungen reifte der 28-Jährige zum Experten. Es gibt nur wenige Fragen, die er nicht beantworten kann.

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„Ohne Ökologie keine Ökonomie“, erklärt Johannes. So bestimmt er den Anteil der Pflanzen, die Stickstoff aus der Luft sammeln, der die Grundlage für jedes Wachstum bedeutet. Dem Gewächs einen optimalen Boden zu bieten, erfordert viel Wissen, weil die Hells ja keine Chemie einsetzen dürfen. Wie das geht, erklärt Johannes so: „Ich habe gelernt, das Unkraut zu verstehen.“

Es kommt schon mal vor, dass ein herkömmlicher Landwirt die Hells fragt, wie sie es denn schaffen, die Kulturen in diesem Zustand zu führen und das letztlich nur mit einer besonderen Fruchtfolge, Rindermist und mechanischer Unkrautbekämpfung. Vater und Sohn sehen dieses Kompliment als Anerkennung für ihre Arbeit. Vor 25 Jahren war das aber völlig anders.

Für Josef war es ein besonderer Moment, als er am 3. Oktober 1991 die erste ungebeizte Wintergerste aussäte. Auf seinem Weg begleiteten ihn aber auch viele Vorurteile. Die Menschen in seiner Umgebung waren skeptisch. Sogar sein Vater glaubte nicht recht an den Erfolg. Wenn er sonntags beim Schafkopf saß, konfrontierten ihn die Kameraden mit allen möglichen Vermutungen, welche Gefahren aus diesem Abenteuer resultieren könnten. „Auch wir wussten damals nicht, was auf uns zukommt“, bekräftigt der Vater von vier Kindern. Was sein Vorhaben zusätzlich erschwerte, war die laufende Flurbereinigung. Außerdem musste sich Josef erst in neuen Strukturen zurechtfinden und ein Netzwerk schaffen, um die Vermarktung anzukurbeln. Aber mit Hilfe seiner Frau Cäcilia (61), die auch mit der Natur sehr verbunden ist, schaffte er es. Heute steht der Biohof der Familie Hell längst auf einem stabilen Fundament.

„Immer mehr junge Familien holen sich bei uns frisches Rindfleisch aus Weidetierhaltung, für den Sonntagsbraten“, sagt Josef. Inzwischen haben sich sogar bodenbrütende Vögel auf der Weide niedergelassen. Interessant sei, dass die Rinder die Nester nicht kaputttrampeln. Die Ideologie der Familie Hell hat ihnen nicht nur eine Existenz verschafft, sondern sie auch weitgehend zu Selbstversorgern gemacht. Als wolle er diese Aussage untermauern, deutet Josef auf seinen Kühlschrank und fragt den Gast, ob er noch ein Bier möchte, oder Wurst und Fleisch – „alles aus biologischem Erzeugung.“

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