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Mertingen

09.01.2020

Pendler nach Mertingen nutzen nur selten die Bahn

Wer seinen Arbeitsplatz in Mertingen hat, der kommt in den seltensten Fällen mit der Bahn. Das hat eine Umfrage des Wirtschaftsbeirats unter den Beschäftigten ergeben.
Foto: Stephanie Anton

Eine Umfrage unter Mitarbeitern in großen Mertinger Unternehmen offenbart Überraschendes in Sachen Nahverkehr. Was ein Experte nun rät.

Der Wirtschaftsbeirat in Mertingen will den öffentlichen Nahverkehr verbessern. Das gestaltet sich aber schwieriger als erwartet. Dies ist die Erkenntnis aus einer Umfrage unter den Mitarbeitern der drei größten Arbeitgeber in Mertingen.

446 von 3136 Arbeitnehmern haben Angaben gemacht. Das Ergebnis nennt Vorsitzender Daniel Petrasch überraschend, denn die wenigsten der Befragten setzen bisher auf den öffentlichen Nahverkehr.

„Wir wollen prüfen, wie die Anbindung von der Bahn zu den Betrieben mit einem möglichen Shuttlebus-Verkehr vom Park-and-ride-Parkplatz optimiert werden kann“, hatte Petrasch zu Beginn der Umfrage erklärt. Bürgermeister Albert Lohner führte seinerzeit aus, dass man auch überlege, wie man dafür sorgen könnte, dass die Arbeitnehmer mit dem Fahrrad oder einem Elektroroller zu ihrem Betrieb kommen könnten.

Über 16000 Kilometer am Tag

Jetzt wisse man, so Petrasch, woher die Beschäftigten in Mertingen kämen: 14 Prozent demnach aus Mertingen, zwölf Prozent aus Donauwörth, gefolgt von Oberndorf, Augsburg und Bäumenheim. Petrasch hat die Zahl der Kilometer für An- und Abreise aller Befragten hochgerechnet und kommt pro Tag auf 16135 Kilometer, das entspräche einer Fahrleistung von 3,549 Millionen Kilometer im Jahr (89 mal um die Erde). Für diese Fahrten gäben die Arbeitnehmer jährlich über eine Million Euro aus. Sie seien mehr als 3,5 Millionen Stunden im Fahrzeug unterwegs.

Das Auto ist das bevorzugte Transportmittel auf dem Weg zur Arbeit und wieder zurück, gefolgt von Fahrrad und Bahn. Sogar Mitarbeiter, die in einer Firma in Mertingen arbeiten und ihren Wohnort in München und Augsburg haben, hätten die Bahn ganz selten gewählt. „Da müssen wir ansetzen“, erklärte Bürgermeister Albert Lohner.

Mit den Betroffenen sprechen

Mit den Teilnehmern der Umfrage, die in Orten entlang der Bahnlinie ihren Wohnsitz hätten, will man nun sprechen und die Gründe dafür herausbekommen, warum die Bahn als Transportmittel so wenig genutzt werde. In die Betrachtung mit einbezogen werden soll nun auch die Firma Geda, die zwar in Bäumenheim ihren Sitz habe, aber aufgrund der Nähe zu Mertinger Betrieben bei weiteren Überlegungen eine Rolle spielen soll. Im Vorfeld soll es dort nun in den nächsten Wochen ebenfalls eine Mitarbeiterbefragung geben.

Wie geht es in Zukunft auf den Straßen in der Region zu? Verdrängen E-Autos die Dieselstinker? Wie wird sich der Nahverkehr verändern? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Frank Steinbacher vom gleichnamigen Consulting-Büro aus Neusäß. In seiner Denkwerkstatt wird mit über 20 Kollegen an Mobilitätskonzepten von morgen gefeilt. Im Wirtschaftsbeirat sensibilisierte er bei einem Vortrag zu diesen Themen.

„Das ist eine große Chance“

„Das ist eine große Chance. Vor allem auch im Zuge der Elektrifizierung. Wenn alle Plattformen elektrisch laufen, dann tut man sich leichter, die Schnittstelle attraktiver zu gestalten. Es müssen außerdem Anreizsysteme geschaffen werden“, sagte Steinbacher. Gerade im ländlichen Raum sei Mobilität ein großes Thema – und Alternativen stellten sich schwieriger dar. Aber es gibt nach Ansicht Steinbachers Möglichkeiten: Kommunen müssten umdenken und Energie für eine neue Mobilität bereitstellen. Das Potenzial sei vorhaben. Der Kommune als Energieerzeuger gehöre die Zukunft.

Steinbacher: „Im Moment importieren wir für viel Geld die Kraft für unsere Mobilität in Form von Öl, Gas und Kraftstoffen aus dem Ausland. Durch die Elektrifizierung in der Mobilität sind wir nun erstmals in der Lage, die Kraft für unsere Mobilität regional herzustellen und somit auch wertzuschöpfen. Mobilität ist ein so wertiges Gut. Durch regionale Energieerzeugung können Regionen somit auch erstmals die Mobilität und deren Kostenentwicklung aktiv gestalten und sich somit weniger abhängig vom Ausland machen.“

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