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Rain

29.07.2020

Rettungswache ist passé: Es soll ein Rettungszentrum werden

In der Schlehenstraße in Rain gibt es Grundstücke für Neubauten von Feuerwehr und Rettungswache.
Bild: Barbara Würmseher

Plus Stadtrat kippt Beschluss, den Sanitätswagen des Roten Kreuzes im Nelkenweg neu zu stationieren. Gemeinsamer Standort mit der Feuerwehr soll entstehen.

Der neu gewählte Rainer Stadtrat hat in einer Mammutsitzung am Dienstag den bereits bestehenden Beschluss zum Thema Rettungswache gekippt, den sein Vorgängergremium 2018 gefasst hatte. Mit dem damaligen rechtskräftigen Votum war geplant gewesen, einen Neubau im Nelkenweg als Stützpunkt für den in Rain stationierten Sanitätswagen zu errichten. Die bisherige Rettungswache des BRK im Gebäude der Mittelschule soll im Zuge des dortigen Abrisses 2024 verschwinden.

Intensive Diskussion

Knapp drei Jahre hatte das Prozedere gedauert – mit zahlreichen Sitzungen, großem Verwaltungsaufwand, Sondergutachten und sämtlichen Planungs- und Genehmigungsschritten –, um das Projekt Nelkenweg baureif in der Schublade liegen zu haben. Jetzt aber kommt alles ganz anders: Nach intensiver, mitunter leidenschaftlich geführter Diskussion stimmte am Dienstag eine knappe Mehrheit von 11:9 Stadträten gegen diesen Bau der Rettungswache im Nelkenweg (Gewerbegebiet neben der Firma Forthofer) und stattdessen für ein Rettungszentrum in der Schlehenstraße (gegenüber von Aktivita).

Dieses Rettungszentrum soll Rettungswache und ein ebenfalls notwendiges neues Feuerwehrgerätehaus in unmittelbarer Nachbarschaft zueinanderbringen. Zwar irgendwie getrennt – aus Sicherheitsgründen und aus Gründen der verschiedenen Trägerschaften von Stadt und BRK – aber dennoch auch zusammen.

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Möglicherweise gelingt diese Nähe unmittelbar nebeneinander auf einem gemeinsamen Grundstück, das derzeit für die Feuerwehr reserviert ist. Dieser Bauplatz wäre aber vermutlich zu klein für ein Rettungszentrum, sodass die Stadt Rain im Tausch vom nahe gelegenen „Kartoffel-Centrum Bayern“ noch Grund erwerben müsste. Gelingt dies nicht, müssten sich Rettungswache und Feuerwehr auf zwei einander gegenüberliegenden Grundstücken ansiedeln.

Das jetzige Feuerwehrhaus in Rain in der Preußenallee wird den modernen Anforderungen nicht mehr gerecht.
Bild: Barbara Würmseher

Befürworter hoffen auf Synergien

Die Befürworter des gemeinsamen Rettungszentrums versprechen sich eine Reihe von Synergien. Das Projekt sei zukunftsfähig und nachhaltig, wirtschaftlich kostengünstiger und bei einer gemeinsamen Infrastruktur effizienter, argumentieren sie etwa.

Den Gegnern allerdings war diese Idee zu sehr mit heißer Nadel gestrickt. Denn das grundsätzliche Umschwenken in Sachen Konzept passierte im Hoppla-hopp-Verfahren, und die Überlegungen dazu sind ihnen nicht genügend ausgereift: Erst am 16. Juni hatten 14 der 20 Stadträte den Antrag dazu gestellt.

Der Zeitpunkt für die Entscheidung pro Rettungszentrum ist den Gegnern zu knapp – praktisch fünf Minuten vor zwölf. Denn bereits am heutigen Donnerstag findet die entscheidende Sitzung des Rettungszweckverbands statt, der ebenfalls über den Standort entscheiden muss. Hätte der Antrag bis zum heutigen Mittwoch nicht festgestanden, könnte er morgen nicht berücksichtigt werden. Und dieser Zweckverband tagt das nächste Mal erst im Dezember.

Das hätte eine zeitliche Verzögerung bedeutet, die sich die Rainer Rettungswache bei der zu erwartenden Planungs- und Bauzeit unter Umständen nicht leisten kann. Dann nämlich bestünde die Gefahr, dass die Rettungswache in Rain beim Abbruch der Mittelschule 2024 ohne bezugsfertigen Stützpunkt dastünde. Oder aber der alte Beschluss Nelkenweg wäre doch zum Tragen gekommen, dann aber unwiderruflich, wie BRK-Kreisgeschäftsführer Arthur Lettenbauer in der Stadtratssitzung unmissverständlich klarmachte.

Es gibt ein aktuelles Gutachten, das sich mit dem Zustand des Rainer Feuerwehrhauses befasst. Den Ergebnissen der Ingenieuren zufolge, gilt es, zahlreiche Missstände zu beheben.
Bild: Würmseher

Viele Fragen sind noch offen

Überzeugt waren am Ende zwar elf Stadtratsmitglieder von der Richtigkeit der neuen Entscheidung für ein gemeinsames Rettungszentrum, neun waren es indes nicht. Ihnen sind zu viele Fragen zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht ausdiskutiert. Angefangen von der Eignung der zur Verfügung stehenden Grundstücke über die Kosten bis hin zu einer Fülle von inhaltlichen Details, die letztendlich über die Praxistauglichkeit entscheiden. Während es nämlich für die Rettungswache fertige Pläne gibt, die im günstigsten Fall ein zu eins umgesetzt werden können, nur eben nicht im Nelkenweg, sondern in der Schlehenstraße, steckt das Projekt Neubau eines Feuerwehrgerätehauses noch in einem völlig vagen Stadium. Außer einer nicht allzu konkreten Willenserklärung von Kommunalpolitikern, die teilweise gar nicht mehr amtieren, liegt hier praktisch nichts vor: kein Feuerwehrbedarfsplan, wie so oft gefordert, keine belastbaren Zahlen und Fakten. Es wurde am Dienstag ja auch gar nicht über das Feuerwehrhaus abgestimmt, sondern ausschließlich über die Rettungswache, die freilich bei einem solchen – noch sehr theoretischen – Vorhaben nicht isoliert betrachtet werden kann.

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