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Donauwörth

18.11.2017

Ried: Wie die Mode auszieht

Susanne Rieders Modestudio schließt noch in diesem Jahr. Sie selbst hätte gerne weitergemacht. Doch die hohen Mieten, die geringe Zahl an Parkplätzen und der Online-Handel haben ihre Wirkung gezeigt.
Bild: Kluge

Nach „Hausler Woman“ schließen nun auch „Jeans Aust“ und das „Modestudio“. Die Inhaber haben viele Kritikpunkte. Vor allem die Ketten machen es den Betreibern schwer.

Donauwörth „Räumungsverkauf“ – dieses Wort prangt derzeit in vielen Schaufenstern auf der Altstadtinsel Ried. Dass kleine Geschäfte nach und nach aus den Innenstädten verschwinden, ist nicht neu. Bemerkenswert ist jedoch, dass im Ried innerhalb von einem halben Jahr drei Mode-Läden schließen. „Hausler Woman“ hatte bereits im Juni dicht gemacht, weil dort der Gebäudekomplex erneuert wird. Er soll teilweise abgerissen werden – was am Freitag geschah. Bis Jahresende schließen zudem „Jeans Aust“ und das „Modestudio“.

Dessen Inhaberin Susanne Rieder macht mehrere Gründe für das Aus verantwortlich: „Die Kommune will kleine Läden zwar behalten, baut gleichzeitig aber neue Einkaufszentren. Nur im Sommer sind viele Touristen im Ried. Ansonsten fehlt die Infrastruktur.“ Vor 23 Jahren übernahm Rieder den Laden. Mittlerweile habe sie Kunden aus einem Umkreis von 100 Kilometern. „Ich hätte gerne weitergemacht, aber von einigen sehr guten Kunden alleine kann ich nicht leben“, bedauert die Inhaberin.

Der gebürtigen Donauwörtherin sei klar, dass sich die Stadt entwickelt und wandelt, dennoch moniert sie: „Kunden wünschen sich mehr Parkplätze, für uns Inhaber sind die Mieten zu hoch. Zudem spüren wir die Auswirkungen des Internethandels. In Donauwörth muss etwas geschehen.“

Wie es danach mit dem Geschäft weitergeht, weiß Rieder noch nicht: „Ich habe ein Jahr lang versucht, das Geschäft zu verkaufen. Das Problem ist aber, dass die Bank nicht mehr in Mode investiert. Bis jetzt gibt es also keinen Nachfolger. Der Laden wird wohl leerstehen.“

Die Modeketten in der Reichsstraße sieht die Händlerin ebenso kritisch, wie die Idee, aus der zentralen Straße samstags eine Fußgängerzone zu machen. „Wir Ladenbesitzer brauchen einfach den Verkehrsfluss. Wichtiger wären daher mehr Parkplätze“, betont Rieder. Ähnliche Probleme kennt Helmut Aust vom gleichnamigen Jeans-Laden. Der 65-Jährige schließt ebenfalls zum Jahresende sein Geschäft – aus Altersgründen. Doch auch er spürt die Auswirkungen der Stadtentwicklung. „Inhaber geführte Geschäfte haben es schwer. Uns fehlen die Einkaufsmöglichkeiten der großen Ketten. Die Anzahl der Kunden und die Umsätze waren in den vergangenen Jahren natürlich rückläufig“, resümiert Aust.

1951 wurde der Laden gegründet, seit 1983 führt ihn Aust in der zweiten Generation. „Früher war das Ried eine Zone für kleine Geschäfte, aber das hat sich gewandelt“, erklärt der Inhaber. Auch dass der 65-Jährige zwischenzeitlich das Sortiment verkleinert hatte, habe keine sonderlich große Wirkung gezeigt.

Diese Entwicklung im Ried findet Markus Sommer, Vorsitzender der City-Initiative Donauwörth (CID), „bedauerlich“. Den Standort hält er allerdings nicht für die Ursache: „Das Ried ist stark frequentiert und touristisch attraktiv. Die größte Herausforderung ist sicherlich der Online-Handel. Da müssen wir unsere heimischen Unternehmen unterstützen.“ Dabei sei die Chance von Inhaber geführten Läden in kleinen Städten besser, so Sommer: „Konsumenten schätzen es, wenn sie einen persönlichen Ansprechpartner haben. Aber die Tendenz geht zu Modeketten – das ist ein Zeichen unserer Zeit.“

Wie es mit den Geschäften im Ried weitergeht, darauf habe die CID wenig Einfluss. Dennoch wolle man die Aktivitäten ausweiten, erklärt der Vorsitzende: „Beim sogenannten Reichsstraßen-Treffen laden wir Vermieter und Inhaber ein, sprechen über Ideen und Wünsche. Wir bleiben da schon am Ball.“ Dennoch stellt Sommer klar: „Natürlich müssen wir weiterhin neue Ideen für die Stadt Donauwörth entwickeln, aber wir jammern hier auf hohem Niveau. Alles in allem geht es uns in der Großen Kreisstadt sehr gut.“ "Kommentar

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