1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Rögling auf der Suche nach einem Gemeinderat

Kommunalpolitik

18.01.2019

Rögling auf der Suche nach einem Gemeinderat

In der Gemeinde Rögling findet Bürgermeisterin Maria Mittl keinen Nachrücker im Gemeinderat.

Plus In Rögling hat die Bürgermeisterin ein ungewöhnliches Problem: Nach dem Rücktritt eines Ratsmitglieds ist kein Nachrücker zu finden.

Man stelle sich vor: In einer Kommune gibt es einen Bürger, der nie in seinem Leben für den Stadt- oder Gemeinderat kandidiert hat, aber unvermittelt doch dieses Amt antreten kann. Das könnte demnächst in Rögling passieren. Dort hat Bürgermeisterin Maria Mittl mit einem Problem zu kämpfen, das im Landkreis Donau-Ries einmalig sein dürfte: Sie findet, legt man die Liste der Kandidaten von 2014 zugrunde – keinen Nachrücker für das zurückgetretene Ratsmitglied Konrad Fieger.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Der gab im Dezember sein Amt ab. Seitdem sitzen neben der Bürgermeisterin nur noch sieben Räte mit am Tisch. Der freie Sitz wird normalerweise mit dem Kandidaten besetzt, der bei der Wahl 2014 auf der jeweiligen Liste die meisten Stimmen von denjenigen hatte, die es nicht in das Gremium schafften. Möchte oder kann diese Person nicht nachrücken, wird die mit den nächst meisten Stimmen gefragt. So gelingt es in aller Regel innerhalb weniger Wochen – oft schon bis zur nächsten Sitzung –, einen Nachfolger zu vereidigen.

Rögling ist eine kleine Gemeinde mit 650 Einwohnern

In Rögling schaut es etwas anders aus. Dort gab es bei den Wahlen zum Gemeinderat über Jahrzehnte zwei Listen: die Bürgergemeinschaft und die Arbeitereinigkeit. 2014 endete diese Tradition. Auf eine Initiative aus dem Gemeinderat hin wurden die beiden Gruppierungen zu einer gemeinsamen Liste mit dem Namen „Bürgergemeinschaft/Arbeitereinigkeit“ zusammengeführt. Damit sollte – so erklärte die Bürgermeisterin damals unserer Zeitung – „ein Zeichen gesetzt werden, dass es bei der Gemeinderatswahl nicht um Konkurrenzdenken unterschiedlicher Listen geht“.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ein wesentlicher Grund für die „Fusion“ war freilich auch das Problem, dass sich immer schwerer Kandidaten finden ließen. Rögling sei mit seinen rund 650 Einwohnern eine kleine Gemeinde mit vielen Vereinen, merkte Mittl an. Viele Bewohner seien bereits ehrenamtlich aktiv. Zudem habe Rögling keinen Ortsteil, sodass stets die Interessen eines Dorfs zu vertreten seien.

Nur zehn Röglinger haben sich vor fünf Jahren auf die Liste gesetzt

Bei der Nominierungsversammlung vor fünf Jahren ließen sich dann lediglich zehn Röglinger auf die Liste setzen. Acht von ihnen gehörten ab Mai 2014 dem Gemeinderat an. Die Zahl der Sitze ist durch die Bayerische Gemeindeordnung geregelt. In allen Kommunen unter 1000 Einwohner besteht der Gemeinderat stets aus acht Personen plus Bürgermeister. Bis zum Dezember 2018 blieb das Gremium in Rögling beisammen, dann hörte Fieger vorzeitig auf. Die Bürgermeisterin machte sich auf die Suche nach einem Nachrücker. Aber: Die beiden weiteren Kandidaten von 2014, also Nummer 9 und 10 in der Rangliste der Stimmen, winkten ab.

Dies bedeutet aber nicht das Ende der Bemühungen. Weil es 2014 nur die eine Liste mit den zehn Kandidaten gab, waren auf den Stimmzettel auch Leerzeilen gedruckt. Darauf konnten die Wähler weitere Namen schreiben und hinter diese ein Kreuzchen machen. Diese Personen samt Stimmzahl wurden auch – sofern es sich um Bürger des Orts handelte und sie volljährig waren – offiziell registriert.

Bürgermeisterin Mittl: „Ich bis schon zuversichtlich, dass da jemand dabei ist“

Nach Auskunft von Maria Mittl waren es insgesamt 26 Röglinger, die auf diese Weise Stimmen erhielten. Bei sechs dieser Personen lag das Ergebnis zwischen 10 und 20 Stimmen. Weitere 20 dieser Bürger bekamen weniger als zehn Stimmen. Bemerkenswert: Auch diese Leute können den rechtlichen Vorgaben zufolge den freien Sitz im Gemeinderat übernehmen. Deshalb hat sich Maria Mittl daran gemacht, diese „Kandidaten“ der Zahl der Stimmen nach zu kontaktieren. Die Person, welche die meisten Sonderstimmen bekommen hatte, sagte jedoch ab. „Für den Verzicht braucht es keine Begründung“, erläutert die Bürgermeisterin. Die kann durchaus verstehen, dass die Betroffenen knapp fünf Jahre nach der Wahl mehr als überrascht sind, plötzlich die Möglichkeit zu haben, in der Kommunalpolitik mitzumischen. Sollten auch die 25 weiteren Röglinger, die auf den Stimmzetteln zusätzlich vermerkt wurden, verzichten, bliebe der Gemeinderat die restliche Legislaturperiode bis 2020 reduziert, so Mittl, die sich im Landratsamt informiert hat: „Wenn keiner zusagt, können wir notfalls auch mit sieben Gemeinderäten weitermachen.“

Die Bürgermeisterin möchte freilich die Hoffnung nicht aufgeben, doch noch ein Ratsmitglied rekrutieren zu können: „Ich bis schon zuversichtlich, dass da jemand dabei ist.“ Vielleicht finde einer Interesse, auf diesem Weg in die Kommunalpolitik einzusteigen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Respekt für alle Röglinger Kandidaten!

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren