Newsticker

Söder warnt vor einer Lockerung der Corona-Regeln über Silvester
  1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Satire, Skandale und Repressionen

Literatur

21.04.2018

Satire, Skandale und Repressionen

Die Hofmarkmusik umrahmte wie immer souverän die Veranstaltung im Pfarrhof.
2 Bilder
Die Hofmarkmusik umrahmte wie immer souverän die Veranstaltung im Pfarrhof.

Dirk Heißerer wirft einen Blick auf die Satirezeitschrift Simplicissimus und erzählt, mit welchen Methoden die Blattmacher die Auflage verdoppelten

Fest eingeführt ist im Gempfinger Pfarrhof eine literarische Frühjahrsveranstaltung. Dieses Mal beleuchtete der Literaturwissenschaftler Dirk Heißerer, ein gern gesehener und immer wiederkehrender Gast der dörflichen Kulturszene, die Redakteure und die Zeichner des Satireblattes Simplicissimus.

Wie kein vergleichbares Blatt in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg hatten die Redakteure und Zeichner des Simplicissimus unter scharfer Beobachtung der Polizei und der Zensur gestanden. Dieser Tatbestand verunsicherte die Macher des Blattes jedoch keineswegs. Konnte man doch mit einem handfesten Skandal auch die Auflage steigern. So führte ein Spottgedicht Frank Wedekinds auf die Palästina-Reise des deutschen Kaisers Wilhelm II. im Jahr 1898 postwendend zu Haftbefehlen gegen den Autor, gegen den Zeichner Thomas Theodor Heine und den Verleger Albert Langen. Langen floh ins Ausland, Wedekind und Heine verbüßten schließlich ein halbes Jahr Festungshaft. Und die Auflage des Blattes verdoppelte sich von 25000 auf 52000 Stück.

Ausgehend von den ersten Jahren und Skandalen des 1896 gegründeten Blattes entfaltete Dirk Heißerer in seinem anschaulichen Vortrag ein großes Panorama der Autoren und Zeichner des Blattes. Der Münchner Literaturwissenschaftler zitierte Beiträge von Thomas Mann und Ludwig Thoma, der – obwohl bekanntermaßen frauenfeindlich und antisemitisch eingestellt – mit seiner spitzen Feder dem Blatt weitere Leser zubrachte.

Dazwischen präsentierte Heißerer den Zuhörern im Pfarrhof die köstlichen und pointierten Zeichnungen von Thomas Theodor Heine, Eduard Thöny und Olaf Gulbransson. Den Abschluss bildeten Textstellen aus den 1941 im norwegischen Exil verfassten, eher nachdenklichen Erinnerungen Heines über seine Zeit beim Simplicissimus („Ich warte auf Wunder“).

Musikalisch begleitet wurde Heißerer wie immer von der Hofmarkmusik, die gewohnt souverän mit Stücken aus ihrer neuen CD den Abend zu einem gelungenen Ereignis werden ließ.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren