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11.07.2020

Seltenes Epitaph gerettet

Amici dell’Arte spenden für Kunstschatz

Wenn die Gruppe Amici dell’Arte um Mario Borelli sowie Karl und Susanne Schaffer auf dem Markt stehen, dann fragt ihre Stammkundschaft nach gemachten Marmeladen, Plätzchen und Pralinen. Das so gesammelte Geld floss in den vergangenen Jahren in ein Restaurierungsgroßprojekt, nämlich die Sanierung eines ganz besonderen Epitaphs aus der Zeit um 1615, das sich heute im Nördlinger Stadtmuseum befindet. Das Erinnerungsmal der Familie Gering zeigt „Jakobs Traum von der Himmelsleiter“ und hing einstmals an einer Säule in der St.-Georg-Kirche. Aufgrund dieser speziellen Art der Hängung war das Epitaph nicht flach, sondern in halbzylindrischer Form angelegt worden.

Aus der St.-Georg-Kirche in Nördlingen sind etliche solcher Kunstwerke bekannt, die sich konkav um die Kirchensäulen herum wölbten. Sie sind auf alten Darstellungen und Fotografien aus der Zeit vor der Kirchenrenovierung 1874 noch zu erkennen. Heute findet sich jedoch keines dieser Bilder mehr an seinem angestammten Platz. Der Säulenschmuck wurde während der Renovierung 1874 vollständig entfernt.

Wegen ihrer sperrigen Form war man im Umgang mit diesen Bildern nicht sehr zimperlich. Fünf Säulenbilder ebnete man unter Dampf und Druck und stellte sie dann im Museum aus. Die Übrigen lagen lange Jahre in Einzelteile zerlegt auf Dachböden, bis ihr Zustand äußerst desolat war. Der frühere Stadtarchivar Dr. Gustav Wulz übernahm einige Teile davon 1936 ins städtische Museum, darunter das nun restaurierte Epitaph des Säcklers und Lodenhändlers Hans Gering, der 1565 im Nördlinger Stadtgericht und 1566 Mitglied des Inneren Rates war.

Obwohl man sich in der Vergangenheit bereits um eine Konservierung bemüht hatte, konnten die großen Altschäden nicht beseitigt werden. Das gelang nun erst jetzt der aus Nördlingen stammenden Restauratorin Daniela Sieber, die das große Epitaph in ihrem Atelier in München akribisch festigte, kittete, reinigte und retuschierte. Für den Erhalt dieses sehr speziellen Kunstwerks flossen von den Amici dell’Arte 3000 Euro ein sowie andere Spenden. Große Unterstützung erfuhr das Projekt durch die Landesstelle für die nicht staatlichen Museen mit 5786 Euro. Den Restbetrag von knapp 2000 Euro übernahm die Stadt Nördlingen. Nun wird von Museumsleiterin Andrea Kugler der geeignete Standort im Stadtmuseum ausgewählt, damit Besucher ein bislang unbekanntes Kapitel Nördlinger Kunstgeschichte aufschlagen können. (stv)

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