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Klassik

27.09.2019

Sie ist pure Musik

Ingeborg Danz und Eric Schneider verzauberten das Publikum im Kaisersaal.
Bild: Hampp-Weigand

Ingeborg Danz singt und schenkt dem Publikum reines Glück

Ein Star des klassischen Liedgesanges war im Kaisersaal in Kaisheim zu Gast: die Altistin Ingeborg Danz, am Flügel von Eric Schneider hinreißend begleitet. Ingeborg Danz singt ihre Lieder nicht nur – sie ist Lied, ist pure Musik. Der Kaisersaal war nicht übermäßig gut besucht – ein paar mehr Besucher wären schön gewesen. Aber diejenigen, die da waren, erlebten zwei Stunden beseelten, reinsten Glückes. Ingeborg Danz singt so bezwingend, so bewegend, so ungemein schön, ihr langer Atem, ihr Legato in wunderbaren Bögen sind betörend. Sie macht mit ihrem Singen die Welt vergessen, erfüllt den Saal; ihr überwältigendes Charisma beglückt. Sie singt dabei so wahr, so einfach, so klar und ungekünstelt, und lebt ihre Lieder in tiefster Wahrhaftigkeit. Vielleicht ist das ihr Geheimnis – man mag gar nicht glauben, dass um sie nicht längst ein Hype entstanden ist wie um andere, deren Liederabende das Publikum nachgerade „stürmt“.

Da steht im zauberschönen Ambiente des Kaisersaals eine Dame im eleganten grünen Kleid – und ist doch so nahbar, schlicht, bescheiden und herzlich. Ihre Stimme taucht in kellertiefes Dunkel, um bruchlos, mit bezwingender Eleganz fast drei Oktaven höher in hellen Jubel auszubrechen. Sie singt berührend John Dowlands „Time Stands Still“, das sehnsuchtsvoll-fordernde „Come Again“, und „If That a Sinner’s Sighs“ – ihr Pianist, Eric Schneider, trägt sie behutsam durch die Texte. Johannes Brahms, derzeit als Lebensfreund Clara Schumanns allent-halben zitiert, vertonte von William Shakespeare die „Ophelia-Lieder“. Das auch ist der „rote Faden“, der den englischen Klassiker Dowland und den deutschen Romantiker Brahms eint. Zeitgenosse des einen, Dichter für den anderen. Vertonungen von Gedichten von Heinrich Heine folgen – so schlicht und doch von bezwingender Schönheit, vom märchenhaften „Sommerabend“ mit der belauschten Elfe über den tröstlichen „Mondenschein“ zum wehmütigen „Es liebt sich so lieblich im Lenze“. Die „Meerfahrt“, „Es schauen die Blumen alle“ und das abgründige „Der Tod, das ist die kühle Nacht“ schlossen sich an.

Der zweite Teil des Abends war der Musik Richard Strauss’ gewidmet, der eine Fülle von Liedern für große Solisten hinterlassen hat. Auch hier sang sie aus tiefstem Herzensgrund, beseelt und beseligend. Jedem Einzelnen galt ihre Musik, ihre Geschichte; sie erzählte, tröstete, machte glücklich, ließ alle Mühsal des Tages vergessen.

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Applaus und Bravorufe forderten eine Zugabe

Ausgewählt hatten Danz und Schneider weniger bekannte Kompositionen – „Leise Lieder“ (Text: Christian Morgenstern), „Schön sind, doch kalt“ (Richard Schack), aber auch „Du meines Herzens Krönelein“ und „Ach Lieb, ich muss nun scheiden“ (Felix Dahn), das bewegende „Allerseelen“, das abgründige „Die Zeitlose“ – Die letzte Blum’, die letzte Lieb’/sind beide schön, doch tödlich – und „Die Nacht“ ( Hermann von Gilm). Mit großem Atem, bezwingend und in großer Eindringlichkeit „Ruhe meine Seele“ (Karl Henckell), dann das innig aufblühende Versprechen „Und morgen wird die Sonne wieder scheinen“ – beides Lieder, die Strauss seiner Frau Pauline de Ahna zur Hochzeit schenkte, sollten den Abend beenden.

Aber die langen, stehenden Ovationen und Bravorufe forderten Zugaben: das innig-berührende Volkslied „Da drunten im Tale“ und ein inniges Abschiednehmen mit „Guten Abend, gut Nacht“.

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