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Bäumenheim-Hamlar

21.04.2020

So trifft der Brand die Kräuter-Firma

Die Feuerwehr war in der Firma ESG Kräuter die ganze Nacht hindurch im Einsatz.
Bild: Martin Wiemann

Plus Bei der Firma ESG Kräuter in Hamlar hat es schon mehrmals gebrannt. Diese Folgen hat das neuerliche Feuer. Die Kripo ermittelt.

Beim Kräuterhersteller ESG im Bäumenheimer Ortsteil Hamlar hat ein Brand in der Nacht auf Dienstag einen Millionenschaden verursacht. In dem Betrieb geriet eine der Trocknungsanlagen in Brand. Die Flammen griffen auf die komplette Produktionslinie über. Über 130 Feuerwehrleute waren bis zum Morgen damit beschäftigt, die Flammen zu löschen. Die Kripo hat die Ermittlungen zur Ursache übernommen.

Kurz vor Schichtwechsel gegen 23 Uhr am Montagabend fiel Mitarbeitern auf, dass es aus der Anlage rauchte. Die Beschäftigten schlugen Alarm. Es rückten gut 130 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren Hamlar, Bäumenheim, Genderkingen, Eggelstetten und Donauwörth an. „Als wir ankamen, schlugen die Flammen aus der Maschine und aus dem Dach“, berichtet Christian Dommer, Kommandant der Bäumenheimer Feuerwehr, unserer Zeitung. Die Einsatzkräfte konnten nur mit Atemschutzausrüstung in die Halle vordringen. „Wir hatten 27 Atemschutzträger im Einsatz“, berichtet Dommer allein von seiner Mannschaft. Die Trocknungsanlage besteht aus Förderbändern, die komplett mit Blechen eingehaust sind. Dies stellte für die Feuerwehr ein Problem dar, so Kreisbrandinspektor Jürgen Scheerer, der den Einsatz leitete. Es hätten sich immer wieder Glutnester gebildet. An diese sei man nur schwer herangekommen. Deshalb hätten die Feuerwehrleute in die Verkleidung der Anlage mehreren Öffnungen geflext, um an die betreffenden Stellen zu gelangen. Die Löscharbeiten zogen sich nach Auskunft von Scheerer bis gegen 7.30 Uhr hin. Vor Ort waren auch die Unterstützungsgruppe Örtlicher Einsatzleiter und der Rettungsdienst. Letzterer brauchte glücklicherweise nicht einzugreifen.

Den Brand in Hamlar könnte ein technischer Defekt ausgelöst haben

Noch in der Nacht begann die Kripo mit ihren Nachforschungen. Nach aktuellem Stand gebe es keine Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung, teilte am Dienstagnachmittag das Polizeipräsidium Schwaben Nord mit. Es werde geprüft, ob ein technischer Defekt – die offenbar wahrscheinlichste Variante – oder fahrlässiges Handeln den Brand verursacht hat.

So trifft der Brand die Kräuter-Firma

Zur Höhe des Schadens ließen sich noch keine genauen Angaben machen. Es sei davon auszugehen, dass die Schadenssumme bei der Produktionsanlage bei rund 3,5 Millionen Euro liege und am Gebäude bei etwa 500000 Euro.

Bei der Firma ESG brannte es in den vergangenen Jahren mehrmals, zuletzt im September 2017. Im Sommer 2012 hatte ein Brand in einer Trocknungsanlage einen Schaden von mehreren Millionen Euro verursacht. Damit verbunden war ein 50-prozentiger Verlust der Produktionskapazität. Anschließend geriet das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten, nicht zuletzt, weil sich die Schadensregulierung hinzog.

Geschäftsführer: Bei ESG Kräuter ist schon Hochsaison

Solche Befürchtungen hat Geschäftsführer Erhard Schiele im aktuellen Fall nicht. Der Betrieb in Hamlar gehört inzwischen zur Unternehmensgruppe Fuchs. Diese übernahm 2015 die insolvente Firma und sicherte deren Fortbestand. Die damaligen 40 Festangestellten konnten ihren Job behalten.

Derzeit verfügt – so informiert Schiele – die Firma ESG über drei Trocknungsanlagen. Derzeit befinde man sich bereits in der Hochsaison. Alle drei Anlagen seien in Betrieb gewesen. Die jetzt vom Brand betroffene Linie sei über 20 Jahre problemlos gelaufen. In der Nacht auf Dienstag wurde in der Anlage Bio-Gerstengras getrocknet. Dieses wird dem Geschäftsführer zufolge normalerweise zu sogenanntem Superfood verpulvert und an die Lebensmittelindustrie geliefert.

So wird das Personal in Hamlar jetzt eingesetzt

Neben Gerstengras werde momentan auch Schnittlauch verarbeitet. Durch den Schaden sei die Produktion zwar eingeschränkt, „wir werden aber alle Lieferverpflichtungen erfüllen“, so Schiele. In dem Werk seien aktuell etwa 80 Beschäftigte tätig. Wegen des Brands müsse niemand um seinen Arbeitsplatz fürchten: Die beiden anderen Trocknungsanlagen würden personell verstärkt, außerdem stünden Aufräumarbeiten an.

Erst im Sommer 2019 hatte ESG verkündet, die Produktion ausbauen zu wollen. Im Umkreis von etwa 60 Kilometern rund um Hamlar sind rund 100 Vertragslandwirte der ESG Kräuter beheimatet.

Die Biogasanlage, die sich neben dem Werk befindet, übernahm 2015 ein Investor aus der Oberpfalz.

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