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Stichwahl

23.03.2020

Sorré oder Bosse - Wer schafft es ins Donauwörther Rathaus?

Wer schafft es in Donauwörther Rathaus? Jürgen Sorré (links) oder Michael Bosse?
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Wer schafft es in Donauwörther Rathaus? Jürgen Sorré (links) oder Michael Bosse?
Bild: Barbara Wild

Plus Jürgen Sorré und Michael Bosse sind nur einen Schritt vom Amt des Oberbürgermeisters entfernt. Wie sie jetzt Wahlkampf machen, in welchen Punkten sie sich deutlich unterscheiden und mit welchen Argumenten sie den Sieg für sich verbuchen wollen.

In weniger als einer Woche entscheiden 15.228 Donauwörther, wer ihr neuer Oberbürgermeister wird. In der Stichwahl treten Jürgen Sorré (parteilos) für die SPD und Michael Bosse für die Freien Wähler an. Im ersten Wahlgang erhielt Sorré 41,54 Prozent, Bosse 30,97 Prozent.

Herr Sorré, Herr Bosse, wie hätten Sie dieser Tage Wahlkampf gemacht, gäbe es keine Corona-Krise?

Jürgen Sorré: Wahlkampf lebt vom persönlichem Kontakt, also wären diese Tage von Haustürwahlkampf geprägt gewesen – jeden Nachmittag das persönliche Gespräch suchen. Wahlveranstaltungen waren aber zu diesem Zeitpunkt für mich eh nicht mehr sinnvoll. Sicher hätte es Infostände gegeben oder peppige Aktionen wie das bereits umgesetzte Grillen. Aber das haben meine Helfer und ich schnell alles ad acta gelegt.

Sorré oder Bosse - Wer schafft es ins Donauwörther Rathaus?

Michael Bosse: Mit dem Wahlbus wollten wir in alle Stadtteile fahren und das persönliche Gespräch suchen. Wir hatten eine Wahlversammlung im Kino geplant und eine größere Veranstaltung im Freien. Vermutlich hätten wir auch prominente Unterstützung durch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und den Landtagsabgeordneten Fabian Mehring erhalten.

Wie sieht denn aktuell ihr Leben in der Krise aus?

Bosse: Ich gehe in die Arbeit, aber mein Versicherungsbüro ist geschlossen. Normal ist dort eine Kundenfrequenz von bis zu 100 Personen, jetzt sind wir unter uns – das ist sehr gewöhnungsbedürftig. Mein Team und ich können 80 Prozent über Telefon und E-Mail erledigen. Meine Kinder sind Zuhause, ebenso meine Frau. Aber es kann passieren, dass sie als Lehrerin für Pflegeberufe selbst auf Station muss.

Sorré: Bei mit in der Arbeit geht es drunter und drüber, denn als Abteilungsleiter in der Firmenkundenbetreuung bei der Sparkasse bin ich jetzt sehr gefordert. Der Beratungsbedarf der Arbeitgeber ist sehr hoch, wie es mit den Milliardenhilfen funktioniert. Meine Kinder sind Zuhause. Meine Frau ist Optikerin und auch teilweise in der Arbeit. Noch ist die Stimmung daheim gut, weil das Wetter passt. Ich befürchte allerdings, dass sich das ändern könnte, wenn das alles länger dauert. Aber da müssen wir alle durch. Man muss flexibel bleiben.

Wie wollen Sie die Donauwörther überhaupt noch erreichen?

Sorré: Ich war die letzten Monate sehr viel in den sozialen Netzwerken unterwegs. Am Samstag habe über Facebook nochmals einen Live-Chat angeboten, bei dem mir die Bürger Fragen stellen oder auch einfach zuhören konnten. Diese Form der Kommunikation ist im Grunde der einzige Weg mit den Bürgern in direkten Kontakt zu kommen. Fraglich ist noch, ob unser neuer Flyer überhaupt noch verteilt werden kann.

Michael Bosse: 50 Jahre, dreifacher Familienvater, Versicherungsfachmann mit eigenem Büro und in Riedlingen Zuhause. Die Freien Wähler hoffen mit ihm endlich das Rathaus erobern zu können. Bosse setzt auf politische Erfahrung und breiten Rückhalt im Stadtrat.

Bosse: Wir gehen einen ähnlichen Weg: Meine Botschaften transportiere ich über soziale Netzwerke, Interviews und Anzeigen in verschiedenen Medien – aber ansonsten ist es völlig ungewöhnlich, weil ja gar kein persönlicher Kontakt möglich ist.

Wie wollen Sie denn die Menschen, die bisher für die anderen beiden Kandidaten gestimmt haben – oder auch bisherige Nichtwähler überzeugen, jetzt für Sie zu stimmen?

Bosse: Es gibt ja noch ein riesiges Wählerpotenzial, weil über die Briefwahl sicherlich mehr Menschen erreicht und direkt zur Wahl aufgefordert werden. Die Wahlbeteiligung lag bisher bei 60,1 Prozent. In der Stadtratswahl habe ich die allermeisten Stimmen geholt und ich hoffe, dass sich dieses Vertrauen auf die OB-Wahl weitertransportiert. Meine bisherige Arbeit wurde hoch anerkannt und ich bin in den Kreistag gewählt worden. Zudem hoffe ich, dass die Bürger in meinem Wahlprogramm die größte Überschneidung mit den Kandidaten der Grünen und der CSU sehen.

Michael Bosse geht als OB-Kandidat in Donauwörth in die Stichwahl.
Video: Stephanie Anton

Sorré: Ich habe meinen Wahlkampf sehr stark auf meine Persönlichkeit ausgerichtet. Man sagt mir ja nach, dass ich Menschen für mich gewinnen kann. Und das bisherige Wahlergebnis zeigt schon, dass die Menschen darauf Wert legen. Zudem betone ich, dass sich an meiner politischen Unabhängigkeit nichts ändern wird. Ich trete in keine Partei ein und kann mit allen Fraktionen in einen offenen Dialog gehen. Es geht in der Kommunalpolitik um die Themen der Stadt und es geht darum, die unterschiedlichen Fraktionen in diesem ja bunt gemischten Stadtrat zu guten Lösungen zusammenzubringen. Da ich keine Parteilinie verfolgen muss, kann ich alles gleichberechtigt zulassen. Das ist das Angebot, das ich machen kann.

Die bisherige Arbeit im Stadtrat war allerdings schon von einem gewissen Fraktionszwang geprägt. Streng genommen hat die SPD, deren Kandidat Sie sind, drei Mandate im Stadtrat. Wie wollen Sie da Ihre politischen Ziele durchbringen?

Sorré: Wenn ich an die Diskussion und Entscheidung über das Tanzhaus denke – ich war als Zuschauer im Sitzungssaal – da hat sich gezeigt, was Fraktionszwang anrichten kann. Zudem hätte ich mir gewünscht, dass der OB mehr moderiert und leitet. Wenn ich als OB an die Linie meiner Fraktion gebunden bin und es – wie hier – zur Kampfabstimmung kommt, ist das in meinen Augen wenig sinnvoll. Ich möchte eine ganz andere Kommunikation in den Stadtrat tragen, viel besser vorbereitet zu Entscheidungen kommen und Ebenen wie den Ältestenrat mehr nutzen, um eine gemeinsame Linie und Kompromisse zu finden. Mein Vorteil ist dabei, dass ich unabhängig agieren kann.

Sie haben bewusst nicht für den Kreistag kandidiert. Was waren dafür ihre Beweggründe?

Sorré: Ich bin der Meinung, dass der OB hundert Prozent seiner Kraft, Energie und Zeit für die Stadt Donauwörth aufwenden muss. Ich rede hier allerdings nicht von der zweiten Amtszeit. Wenn in Donauwörth die größten Themen auf die Spur gebracht sind, dann ist es durchaus möglich auch die Kreisthemen mitzugestalten. Bis dahin würde ich mit dem Landrat den direkten Draht pflegen und das Netzwerk zu den ja zahlreich gewählten Donauwörther Kreisräten knüpfen. Das traue ich mir durchaus zu.

Jürgen Sorré: 44 Jahre, zweifacher Familienvater, Führungskraft bei der Sparkasse Donauwörth und in Berg Zuhause. Der Kandidat geht mit einem Vorsprung von über zehn Prozent der Wählerstimmen in die Stichwahl und hofft mit seiner Persönlichkeit und Unabhängigkeit punkten zu können.
Bild: Wild

Herr Bosse, Sie sind der Stimmenkönig im Stadtrat, haben im Gremium mit acht Mandaten Rückhalt und sind zum Kreisrat gewählt. Können Sie dadurch mehr gestalten?

Bosse: Da habe ich eine ganz andere Meinung als mein Konkurrent und die speist sich ganz klar aus meiner Erfahrung der vergangenen Jahre. Das Idealbild der demokratischen Grundentscheidungen ist nicht vorhanden, denn leider entscheidet nicht jeder im Stadtrat nur nach bestem Wissen und Gewissen. Das haben wir definitiv nicht. Ausschlaggebend ist natürlich, Mehrheiten für Ideen zu finden. Aber, wenn ich schon von vornherein viele Unterstützer auf meiner Seite habe, ist es überhaupt nur möglich zur Entscheidung zu kommen. Alles andere ist ein Wunschbild.

Warum ist für Sie das Kreistagsmandat relevant?

Bosse: Es gibt einfach Themen wie unser Spital, bei dem ich daraufhinwirken will, dass der Kreis seiner Verantwortung nachkommt. Es geht dabei auch um nichtöffentliche Ausschussarbeit. Bin ich nicht selbst dabei, werde ich – wenn überhaupt – nur zeitverzögert informiert. Gerade beim Spital und beim Thema Pflege muss der Oberbürgermeister direkt miteingreifen und als Entscheider mit am Tisch sitzen.

Wie relaistisch sind denn in ihren Augen in diesen Krisenzeiten die bisher im Fokus stehenden Projekte wie Tanzhaus, Veranstaltungshalle oder der Durchstich zu Airbus. Hat Donauwörth dafür überhaupt noch Geld?

Bosse: Natürlich ist es eine Frage, was überhaupt noch leistbar ist, denn natürlich stehen jetzt erst mal die Folgen der Corona-Krise im Vordergrund. Doch wir dürfen nicht die Planungen einstellen. Wenn die nötigen Mittel nicht für die Bewältigung der Krise gebraucht werden, müssen wir die anstehenden Projekte sofort umsetzen. Aber es ist ambivalent zu betrachten. Reagieren zu können, wenn das Geld verfügbar ist, ist ja gerade auch notwendig, um die Innenstadt und die Wirtschaft anzuschieben. Die Maßnahmen dürfen also nicht einfach aufs Abstellgleis gestellt werden.

Jürgen Sorré, OB-Kandidat in Donauwörth, berichtet über Wahlkampf während der Corona-Krise.
Video: Stephanie Anton

Sorré: In Zukunft kommt es umso mehr darauf an, wie wir wirtschaftlich und finanziell mit der Stadt vorangehen. Da kommt mir sicher meine berufliche Erfahrung zugute. Seit vielen Jahren bin ich in leitender Funktion in einem Finanzinstitut, ich habe mit Firmen zu tun, ich kenne zigfache Investitionspläne und Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Da macht mir keiner was vor. Ich habe immer in meinem Wahlkampf betont, dass wir uns strikt an Prioritäten halten müssen und klar definieren, was wir uns leisten können. Die Umsetzung mit einer bürgernahen und leistungsfähigen Verwaltung gehört auch dazu. Auch da hilft mir meine berufliche Erfahrung als Führungskraft in einem Unternehmen mit über 200 Mitarbeitern. Bosse: Darauf möchte ich erwidern, dass ich die Finanzsituation der Stadt von A bis Z kenne, weil ich seit Jahren im Rechnungsprüfungsausschuss bin. Und ich kann sofort beginnen, weil ich bereits diesen Überblick habe.

Sofort beginnen – einer von Ihnen beginnt seinen neuen Job am 1. Mai in einer Krise oder zumindest spürt er die Nachwirkungen dieser noch enorm. Wie wollen Sie das angehen?

Sorré: Die Bürger erwarten sich jetzt einen Oberbürgermeister der Sicherheit ausstrahlt. Natürlich können wir als Stadt viele Themen gar nicht lösen. Aber ich möchte vermitteln, was wir jetzt hier brauchen: Ruhe, Zusammenhalt in der Gesellschaft, Vertrauen und Sicherheit. Das gilt es nach Donauwörth rein zu tragen. Da geht es sehr stark darum, die Menschen mitzunehmen und ihnen zu vermitteln, dass wir es nur zusammen schaffen. Das ist ein ganz großes Kommunikationsthema.

Bosse: Wir sind ja Gott sei Dank aktuell finanziell hervorragend aufgestellt und wir haben die Möglichkeiten gut reagieren zu können. Unser Beitrag macht ein Viertel der Kreisumlage aus, der Kreis ist also auch von der Funktionsfähigkeit unserer Stadt abhängig und das muss klar nach vorne gebracht werden. Als Selbstständiger habe ich die Erfahrung gemacht, wie es ist vorne zu stehen, die Verantwortung zu tragen, Entscheidungen zu tragen und auch ab und zu die Prügel dafür zu ertragen. Dazu bin ich jetzt auch in der Politik bereit.

Das Interview führte Barbara Wild – in gebotenem Abstand.

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