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07.07.2010

Spannende Instrumentenkunde

Das Basler Clarinettenconsort zeigt seine Instrumente (von links): Markus Springer mit dem Bassetthorn, Christian Leitherer mit dem Chalumeau und Ernst Schlader mit der Barockclarinett. Fotos (2): Pfaffendorf
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Das Basler Clarinettenconsort zeigt seine Instrumente (von links): Markus Springer mit dem Bassetthorn, Christian Leitherer mit dem Chalumeau und Ernst Schlader mit der Barockclarinett. Fotos (2): Pfaffendorf

Schloss Leitheim Seit Musiker, beginnend in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts, wieder vermehrt darauf achteten, dass Musik früherer Epochen werk- und klanggetreu aufgeführt wird, seit dieser Zeit rückte auch die Erforschung der Geschichte der Instrumente und von historischen und vergessenen Instrumenten wieder vermehrt in den Mittelpunkt des Interesses. Mit dem Basler Clarinettenconsort stellte sich auf Schloss Leitheim ein Spezialensemble für Klarinettenmusik des 18. und 19. Jahrhunderts vor, das mit seinem Themenprogramm zu Chalumeau, Barockclarinette, Bassetthorn und klassischer Clarinette in einem kurzweiligen, äußerst interessanten Kammermusikabend die Zuhörer aus Leitheim faszinierte.

Historische Wurzeln aufgezeigt

In begeisternder Weise präsentierten Christian Leitherer, Ernst Schlader und Markus Springer, allesamt Musiker, die zu den wenigen hervorragenden europäischen Spezialisten für historisches Klarinettenspiel zählen, ein Programm, das in einer Zeit von rund 150 Jahren, vom Barock bis zur Spätklassik, die Geschichte der uns heute so gut bekannten Klarinette umriss und auf unterhaltsame Weise deren historische Wurzeln aufzeigte.

Mit "Barockclarinetten", einem Menuett als "Fernmusik" im Treppenhaus des Schlosses geblasen und der "Ouverture in D" von Georg Friedrich Händel (1685 - 1759) eröffnete das Basler Clarinettenconsort dann auch effektvoll den Leitheimer Konzertabend. Man musizierte auf diesen alten Instrumenten mit erstaunlicher Virtuosität, ließ in den im Werk immer wieder aufklingenden Fanfaren die zur Namensgebung als "Clarinette" führende Klangassoziation erahnen und zeigte durch starke Abstufungen in Dynamik und Obertongestaltung die absolut wandlungsfähige Natur dieses Instruments auf, die wohl auch als der ausschlaggebende Grund zur Weiterentwicklung dieses Instruments zur modernen "Klarinette" angesehen werden darf.

Spannende Instrumentenkunde

Samtartiger Ton

Auf dieses Werk von Händel ließ das Consort eine Suite von Georg Philipp Telemann (1682 - 1767) folgen, die auf Alt-, Tenor- und Bass-Chalumeau geblasen wurde. In dieser sechssätzigen Suite demonstrierte das Consort das Chalumeau als ein Instrument mit angenehm samtartigem Ton, das zum Ausdruck der zartesten und intimsten Gefühle in der Lage ist und dem herrlichen Sommerabend auf Schloss Leitheim eine unvergleichlich pastorale Atmosphäre verlieh.

Innerhalb der Klarinettenfamilie ist das Bassetthorn der Vertreter der Tenorlage. Bassetthörner wurden erstmals um 1760 gebaut und ihr eigentümlicher, dunkler, mischfähiger, sehr zarter Ton sprach auch Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1792) an, der 25 Stücke für drei Bassetthörner (KV 439b) schrieb, die allesamt zwischen 1783 und 1788 entstanden sind und die sich in fünf Divertimenti gliedern. Das Basler Clarinettenconsort interpretierte dieses Divertimento ausdrucksstark, in perlender Virtuosität und gab damit einen wunderbaren Beleg, wie begnadete Komponisten wie Mozart die Klangschönheit und die spieltechnischen Möglichkeiten eines Instruments zu Leben erwecken verstanden.

Hatte zu Mozarts Zeit die Klarinette noch acht Grifflöcher und fünf Klappen, so war schon bald danach durch eine Mehrzahl von weiteren Klappen (9 - 11) uneingeschränktes chromatisches Spiel möglich. Das Basler Clarinettenconsort demonstrierte die dadurch entstehenden Spielmöglichkeiten mit dem "Grand Trio in F" von Jean-Jacques Boufil (1783 - 1868) mit der "klassischen Clarinette", die schon sehr viel Ähnlichkeit mit der modernen Klarinette aufweist und wie diese, zwar mit anderem Griffsystem, so doch beinahe alle Spieltechniken, wie diese, erlaubt.

Reicher Beifall der Zuhörer lohnte das methodisch und didaktisch geschickt inszenierte Kammerkonzert des Basler Consorts, das mit Blues und Jazz als Zugaben mit der klassischen Clarinette auch die Verbindung zur Musik unserer Tage begeisternd zu Stande brachte.

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