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Donauwörth

28.03.2015

Tag des Unkrauts: Warum Wildpflanzen auch positive Seiten haben

Die Vogelmire ist eine einjährig krautige Pflanze und enthält sehr viel Vitamin C. Man erkennt sie an den kleinen weißen Blüten.
Bild: Schneid

Der 28. März ist der Ehrentag des Unkrauts. Experten zeigen Vor- und Nachteile auf. Die Pflanzen sind auch in der Küche verwendbar.

In jedem schönen Garten ist es verhasst: lästiges Unkraut. Doch was sich so hartnäckig hält, hat eine Würdigung verdient – so wurde der 28. März zum „Tag des Unkrauts“ erklärt. Was die guten und schlechten Seiten der unliebsamen Pflanzen sind und wie man sie in der Küche verwenden kann, verraten Experten.

Hans Weidel ist Kreisfachberater für Landespflege und Gartenkultur am Landratsamt Donauwörth. Er findet das Wort Unkraut eher unpassend. „Spontanvegetation“ oder „Pflanze am falschen Standort“ findet er besser. „Kopfsalat ist im Blumenbeet unerwünscht, aber deswegen ja kein Unkraut“, sagt Weidel.

Unkraut hat positive und negative Seiten

Die Beziehung der Pflanzen zur Umwelt sei entscheidend, meint Jürgen Adler von der Arbeitsgemeinschaft Flora Nordschwaben. Löwenzahn sei im Garten ein „Unkraut“, aber auf einer Wiese keineswegs. In der Landwirtschaft unterscheide man zwischen Ungräsern und Unkräutern. Man nenne sie hier aber lieber Beikräuter, sagt Manfred Faber, Behördenleiter des Amts für Ernährung Landwirtschaft und Forsten in Nördlingen.

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Experten zufolge hat Unkraut sowohl positive als auch negative Eigenschaften – wobei letztere aber wohl öfter im Fokus stehen als die positiven. Aber Unkraut kann auch was: „Klee und Vogelmire sind zum Beispiel Anzeichen für stickstoffhaltige Böden. Heidekraut zeigt saure Böden und der Schachtelhalm kann durch seine langen Wurzeln ein Hinweis auf mögliche Wasseradern in der Tiefe sein“, erklärt Weidel.

Vielen Gärtnern ist Unkraut eine Plage

Das unerwünschte Grün stünde wie jede Pflanze in Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe zu anderen Pflanzen in ihrer Umgebung, sagt Weidel. Deshalb sei es bei vielen Gärtnern im Blumenbeet eher eine Plage. Neophyten, das sind Pflanzen, die sich in Gebieten ansiedeln, in denen sie vorher nicht heimisch waren, würden ein Problem in der Landschaft darstellen, sagt Adler. „Früher kamen sie durch die Eisenbahn zu uns, heute werden Neophyten durch die vielen Autos aus dem Ausland eingeschleppt.“

Springkraut, „Autobahnpflanzen“, die besonders auf den Mittelstreifen von Kraftfahrstraßen wachsen, oder das orientalische Zackenschötchen sind zum Beispiel solche Neuphyten. Sie verdrängen aber oft einheimische Wildkräuter, sagt Adler. Im Raum Harburg sei das orientalische Zackenschötchen extrem verbreitet, sodass Straßenränder ab dem Frühsommer nur noch in gelb erstrahlten.

Wenn das Unkraut der Nutzpflanze nicht schadet, wird es toleriert

In der Landwirtschaft gäbe es das Schadschwellenprinzip für Beikräuter und -gräser, wie Faber erklärt. Es werde überprüft, wie viel Beikraut auf einem Quadratmeter landwirtschaftlicher Nutzfläche wächst. Schadet es der Nutzpflanze, die angebaut wird, nicht oder nur gering, wird das Beikraut toleriert. Es würde sich nicht rentieren, Geld für Herbizide auszugeben. „Das ist alles eine ökonomische Frage, welche der Landwirt für sich beantworten muss. Aber, dass man Unkraut toleriert, ist durchaus nicht abwegig“, erklärt Faber.

Auf dem Acker gibt es je nach Nutzpflanze und Standort unterschiedliche Beikräuter: Bei Winterkulturen tritt oft der Fuchsschwanz auf, bei den Sommerkulturen eher Flughafer. Herbizide, die zur In-/Beikrautbekämpfung verwendet werden, hätten sich seit den 1960er-Jahren stark verändert, schildert Faber. Man benötige heute eine viel geringere Menge und bis zur Zulassung eines neuen Mittels vergingen mit unzähligen Tests zur Wasser-, Luft-, Boden- und Säugetierverträglichkeit oft zehn bis 15 Jahre.

„Unkraut“ kann man aber auch sehr gut in der Küche verwenden. „Nicht ärgern, aufessen“, sagt Anita Böswald aus Buchdorf. Sie ist Kräuterpädagogin und kennt sich mit traditioneller Kräuterkunde, die sich mit nichtkultivierten Nahrungs- und Heilpflanzen befasst, aus. Sie ist bei der Organisation „Natur Erleben – zwischen Ries und Altmühl“ und beim Kräuterhäusl des BC Blossenau tätig.

Die Vogelmire zum Beispiel ist bei vielen Heimgärtnern verhasst, aber sie enthält viel Vitamin C und Mineralstoffe. Man kann sie roh im Salat verwenden oder als Gemüse oder Suppeneinlage gekocht verwenden. Sie wächst fast das ganze Jahr über, manchmal sogar unter Schnee, so Anita Böswald.

Wildpflanzen kann man auch als Heilmittel und in der Küche verwenden

Ein weiteres Wildgemüse ist der Giersch. Er ist seit Jahrhunderten in der Volksmedizin gegen Rheumatismus und Gicht im Einsatz. Böswald erklärt, dass er zweimal mehr Vitamin C enthält als Rosenkohl und sogar zehnmal so viel wie Grünkohl. „Der Giersch ist ein richtiges super Gemüse, das auch noch umsonst ist“, meint Anita Böswald. Man kann es wie Spinat verwenden oder es mit diesem mischen. Der Giersch kann aber auch roh in Salate gegeben werden oder wie Petersilie mitgekocht oder für Füllungen verwendet werden.

Den Giersch hält man dort, wo man ihn im Garten nicht haben möchte, im Zaum, indem man immer seine Blätter abzupft, damit keine Fotosynthese betrieben werden kann. Oder man verwendet der Kräuterpädagogin zufolge Rindenmulch, um ihn möglichst ganz loszuwerden. Am besten gibt man dem Giersch aber etwas Raum in einem Topf oder separatem Beet.

Der Löwenzahn ist auch ein sehr verhasster Begleiter im Garten, jedoch kann man die jungen Blätter in Salate mischen und mit den gelben Blüten zum Beispiel Gelee kochen, rät die Kräuterpädagogin.

Der Gundermann ist ein weiteres „Unkraut“, das oft im Rasen auftritt. Er enthält viele Vitamine und wirkt appetitanregend. Er ist ein Bodendecker, den man als Würzpflanze verwenden kann, um Essig oder Gelees zu aromatisieren. Unter anderem kann man damit eine Kräuterlimonade selbst machen (siehe Infokasten).

Brennnesseln sind wichtig für Insekten und bieten dem Menschen Vitamine

Die Brennnessel ist ein oft unangenehmer Gartenbewohner, und zwar wegen ihrer Brennhaare mit dem Nesselgift. Anita Böswald hat in ihrem Garten eine Ecke, wo sich die Pflanze ausbreiten kann. „Brennnesseln sind sehr wichtig für Insekten und vor allem Raupen, die sich von ihr ernähren. Also ein klein wenig, den Tieren zu Liebe, stehen lassen “, sagt Böswald.

Die Brennnessel ist aber auch ein Entschlackungskraut mit vielen Mineralstoffen, Vitaminen und Faserstoffen. Man kann die jungen Triebe wie Spinat essen oder zu Tees verkochen. Einen Tipp hat die Kräuterpädagogin, um die lästigen Brennhaare loszuwerden: „Ernten sollte man immer mit Handschuhen. Zur Weiterverarbeitung kann man sie mit einem Nudelholz bearbeiten oder in eine Tüte packen und zum Beispiel mit einem Topf durchklopfen. Dadurch brechen die Brennhaare ab und werden unschädlich.“

Ganz schönes „Unkraut“ sind Gänseblümchen, aber auf manch perfekter Grünfläche doch unbeliebt. Die Blätter enthalten viele Vitamine und regen den Stoffwechsel an. Sie können wie Feldsalat verwendet werden und die Blüten sind sehr dekorativ in Salaten oder auf Broten.

Im Fazit meint Anita Böswald, dass man den Verlauf der Natur ausnutzen sollte. „Das Unkraut ist gratis und man weiß, wo es her kommt, nämlich biologisch aus dem eigenen Garten“, sagt sie. Vor allem Wildkräuter seien ein kulinarisches Erlebnis und regten die Verdauung an. „Bei Krankheiten muss man natürlich zum Arzt gehen. Aber viele Mittel aus der Natur können unterstützend wirken.“ Wer noch mehr über Kräuter und Wildgemüse erfahren möchte, kann eine Kräuterführung mit der Kräuterpädagogin besuchen. Mehr Informationen gibt es auf www.bc-blossenau.de unter der Sparte Kräuterhäusl oder auf www.natur-erleben-bayern.de.

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