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Erzählungen

06.11.2019

Teuflisch-heitere Geschichten

Ulrike Mommendey mit dem Klangbaum, den sie zur Geschichte „Die Harfen des Himmels“ erklingen ließ.
Foto: Hammerl

Ulrike Mommendey spricht zu abendlicher Stunde im Kräuterhäusl bei Blossenau

Stockfinster ist es am Kräuterhäusl bei Blossenau – genau die richtige Stimmung für einen teuflisch-heiteren Geschichtenabend. Den läutet Erzählerin Ulrike Mommendey mit einem kleinen Ritual ein und lädt ihr gutes Dutzend Zuhörer ein, ihr in den „Zaubergarten des Augenblicks“ zu folgen, wo nur der Moment zählt.

Mit dem feinen Klang der Sansula holt Ulrike Mommendey Geschichten ins Kräuterhäusl; und auch wenn es keiner gesehen hat, so ist doch die erste Geschichte aus den Funken der Feuerschale direkt auf die Zunge der Erzählerin gesprungen. Behauptet Mommendey jedenfalls: „Die Geschichte wartet nun darauf, erzählt zu werden“. Erklären werde sie, „warum der Teufel so böse ist“. Weit zurück in eine ferne Vergangenheit geht es, als Schöpfer und Teufel noch gute Freunde waren und gemeinsam durch die Dunkelheit schwebten, bis der Teufel auf die Idee kam, einen Sonnenaufgang machen zu wollen. Das dabei entstandene Häufchen glühende Kohle belächelte der Schöpfer und begann seinerseits den Schöpfungsprozess. Was auch immer entstand, der Teufel wollte es zunichtemachen. So deckte er Gottes Werk mit Schnee zu, doch als der schmolz, entstanden Seen und Meere. Im Schöpfungswettbewerb schuf der Teufel Fledermäuse und Katzen, Gott dagegen die Hunde. Je weiter sie kamen, umso unzufriedener wurde der Teufel und zog sich schmollend in die Unterwelt zurück.

„Seitdem überlegt er dort, wie er Unfrieden auf die Erde bringen könnte“, leitet Mommendey zu den nächsten Geschichten über. Einmal macht sich der Herr der Unterwelt auf die Suche nach einem Menschen, dem er einen freien Wunsch versprechen kann. Zunächst vergeblich, eine alte Frau wünscht den Teufel dorthin zurück, wo er hergekommen ist, ein alter Mann erweist sich als unbeirrbar zufrieden. Erst ein junger Mann, den der Teufel reinlegen kann, verschafft ihm die erhoffte Befriedigung. Wunderschön die Geschichte von der schönen jungen Frau, die aufgrund ihrer Schönheit viele Verehrer hat, sich aber nach der wahren Liebe sehnt. Als sie den Teufel zurückweist, nimmt er ihr die Schönheit. Plötzlich hässlich geworden, findet sie die große Liebe bei einem ebenso hässlichen Mann. Und der Teufel weicht aufjaulend zurück.

Keinen Platz in der Unterwelt hat die duftende Rose, die der empfindsame Unterteufel vor seinem Herrn zu verstecken sucht. Was natürlich zum Scheitern verurteilt sei. Wie er dennoch einen kleinen Sieg erringt, erzählt die Geschichte „Die Rose und der Unterteufel“.

Heiter die Erzählung „Die Harfen des Himmels“, die von den vergeblichen Versuchen der zänkischen Zwillinge Blasius und Basilius berichtet, für den Teufel eine Harfe aus dem Himmel zu stehlen. Noch kurioser wird es, wenn ein Taschendieb im breitesten Slang und ein hochnäsiger Buchautor, dessen größtes Verbrechen zu Lebzeiten war, hochgestochen-unverständliche Bücher zu schreiben, vor dem Teufel streiten, wer schuld am gemeinsam erlittenen Tod ist. Fast schon salomonisch mutet da das Urteil des Herrn der Unterwelt an, der in Mommendeys Geschichten nicht selten an Goethes Mephisto aus „Faust“ erinnert, der sich als „Teil von jener Kraft“ beschreibt, „die stets das Böse will und doch das Gute schafft“.

Wie viel Mephisto trägt ein jeder Mensch in sich? Die Frage stellt sich unweigerlich beim Nachdenken über Geschichten, die menschliche Eitelkeiten, Gier, Unzufriedenheit und Zerstörungswut spiegeln, dabei aber stets die Botschaft in sich tragen, dass am Ende das Gute siegt. Ein berührender Abend für alle Sinne mit engagierter, fast szenischer und gekonnt klanglich unterlegter Erzählkunst, flackerndem Feuer und teuflischem, dennoch alkoholfreiem Getränk in der Pause.

Dass alle Zuhörer „ein Herz voller Geschichten heimtragen“, nach einem „magischen Abend an einem magischen Ort“, wünscht Eva Münsinger, die den Geschichtenabend „Teuflische Geschichten aus der Unterwelt“ für das Natur- und Umweltbildungszentrum Blossenau organisiert hat.

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