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27.06.2017

Vogelschützer protestieren gegen neue Flächen für Windkraft

Windkraft ist nach wie vor ein „heißes Eisen“.
Bild: Wenzel (Symbolbild)

Der neue Entwurf des Regionalplans macht theoretisch weitere Anlagen in der Region möglich. Doch es gibt Kritik an den möglichen Standorten.

An sich habe er nichts gegen Windkraft, betont Reimut Kayser. Jedoch müssten die Anlagen dort gebaut werden, wo es sinnvoll ist. „So viel Windräder wie nötig, nicht wie möglich“, ist deshalb seine Devise. Kayser engagiert sich seit über einem halben Jahrhundert im Bund Naturschutz. Seit mehr als 40 Jahren ist er auch im Landesbund für Vogelschutz (LBV) aktiv, im Kreisverband Dillingen ist er der Vorsitzende. Er ist Spezialist für Greifvögel, Eulen, andere Großvögel. Auch im Landkreis Donau-Ries kennt er sich bestens aus. Im Auftrag der LBV-Bezirksgeschäftsstelle hat Kayser für die Landkreise Dillingen und Donau-Ries kürzlich fachliche Stellungnahmen zum überarbeiteten Regionalplan bezüglich Landschafts- und Arten-, aber auch Denkmalschutz abgegeben. Im Regionalplan sind für die Region einige neue Gebiete vorgesehen, in denen einmal Windrädern gebaut werden könnten – allerdings wird daraus nichts, wenn es nach Reimut Kayser geht.

Amerdingen An der Grenze zu Baden-Württemberg und Finningen ist im neuen Regionalplan ein sogenanntes Vorbehaltsgebiet für Windkraft (rund elf Hektar) eingezeichnet. Das heißt laut Regionalem Planungsverband (RPV), dass hier der Windenergienutzung „bei der Abwägung mit mit konkurrierenden raumbedeutsamen Nutzungsansprüchen besonderes Gewicht beizumessen“ ist. Für Kayser hätte diese Fläche aber erst gar nicht Einzug finden dürfen in den Regionalplan. Der Grund ist, dass zum EU-Vogelschutzgebiet „Riesalb mit Kesseltal“ nicht die 1200 Meter Mindestabstand eingehalten werden, die im Bayerischen Windenergieerlass aus dem Jahr 2016 festgeschrieben sind. „Das hätte man auch selbst in dem Erlass nachlesen können, dann hätte man gemerkt, dass das überhaupt nicht geht“, kritisiert Kasyer den RPV. Im Umkreis von 5000 Metern um das Vorbehaltsgebiet gebe es beispielsweise 13 Rotmilan-Reviere, bei 1500 Metern seien es immer noch zwei. „Das ist ein Unding“, sagt der Vogelschützer.

Auch hier zu geringer Abstand zum Vogelschutzgebiet

Harburg/Donauwörth Westlich des Donauwörther Stadtteils Wörnitzstein ist ein Vorranggebiet für Windkraft (35 Hektar) geplant. Diesem steht laut Kayser ebenfalls das europäische Vogelschutzgebiet entgegen, dessen Grenze praktisch an der Straße zwischen Oppertshofen und Mauren verläuft. „Auch hier beträgt der Abstand maximal einen Kilometer.“ Des Weiteren könnte hier auch ein besonderes Bauwerk, konkret die Harburg, eine Rolle spielen. Darauf weist der RPV selbst in seinem Entwurf hin. Die Harburg, der der Verband wörtlich eine „über Bayern hinausreichende Bedeutung“ beimisst, liegt etwa sechs Kilometer von dem Vorranggebiet entfernt. „Eine Windkraftanlage nahe der Harburg würde zu einer massiven Beeinträchtigung des Baudenkmals führen“, heißt es im Entwurf des RPV. 

Daiting/Marxheim Auf den 66 Hektar an der südöstlichen Gemeindegrenze von Daiting, im Daitinger Forst, könnten irgendwann einmal Windräder drehen – so die Ansicht des RPV. Dieser bezeichnet die Vorbehaltsfläche selbst aber nur als „eingeschränkt geeignet“. Grund dafür sind Brutplätze des Schwarzmilans, die sich in etwas mehr als zwei Kilometer entfernt liegen. Kayser betont, dass es südlich des ausgewiesenen Gebiet zudem ein Rotmilan-Revier gebe, dass es innerhalb des laut Windenergieerlass kritischen Radius von 1500 Metern liegt. Auch in diesem Fall könnte sich ein Baudenkmal als K.o-Kriterium erweisen: Schloss Leitheim. Der RPV gesteht ein, dass Windräder zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Schlosses und „dessen weithin landschaftsprägender Wirkung“ führen würden. Kayser drückt es noch drastischer aus: „Ich fände es an Verbrechen an unserer bayerischen Heimatlandschaft, wenn man zu einem so landschaftsprägenden Denkmal ein großtechnisches Industriemonster hinstellt.“

Münster Im Waldgebiet Brand ist eine 37 Hektar große Vorrangfläche geplant. Der RPV sieht diese als grundsätzlich möglich für Windräder an, aber nicht als unproblematisch. Denn im Umkreis komme „überall der Rotmilan als Brutvogel vor“. Kayser zufolge befindet sich beim Rainer Stadtteil Wallerdorf sogar ein Dichtezentrum des Rotmilans.

Monheim Die Vorrangfläche (28 Hektar) bei Wittesheim – im Monheimer Ortsteil steht schon seit 2002 ein Windrad – war bereits in der vorherigen Version des Regionalplans aus dem Jahr 2007 vermerkt und soll nun weiter bestehen bleiben. Allerdings gibt es in der Gegend Baumfalken, im weiteren Umkreis brüten auch der Schwarzmilan und der Uhu. Das schreibt der Planungsverband in seinem Entwurf. Allerdings fehle dort der Hinweis, dass schon ein Uhu an der bestehenden Windkraftanlage getötet wurde, moniert Kayser. Dies sei durch die zentrale Fundkartei der staatlichen Vogelschutzwarte in Buckow (Brandenburg) belegt. Weitere Anlagen würden das Tötungsrisiko vervielfachen.

Kaisheim Auch zwischen Sulzdorf und Bergstetten gibt es schon eine Vorrangfläche (15 Hektar). Der Artenschutz ist hier offenbar nicht sonderlich problematisch, allerdings liegt das Klostergut Bergstetten nicht einmal einen Kilometer entfernt. Windräder würden auch die Wirkung dieses landschaftsprägenden Baudenkmals beeinträchtigen. Das sieht auch der RPV so.

Kayser: Alle Standorte streichen

Kaysers Fazit in seiner Stellungnahme an den Verband lautet deshalb: All diese Standorte müssen wieder aus dem Plan gestrichen werden. Hinzu komme, dass die Region ohnehin ein windschwaches Gebiet sei. Windräder könnten sich dort nur durch die erhöhte Einspeisevergütung rechnen. Da auch diese aber nicht für einen wirtschaftlichen Betrieb ausreiche, seien immer höhere Anlagen die Folge. Dadurch erhöhe sich das Tötungsrisiko für Vogel „gewaltig“. Kayser sieht im Erneuerbare-Energien-Gesetz eine „falsche Weichenstellung“, mit der Energie-Ineffizienz unterstützt werde. „Hier wird ein Anreiz gerschaffen, an windschwachen Orten Windkraftanlagen zu bauen. Das hat nicht gerade einen positiven Effekt für die Energiewende.“

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