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Schlosserie

05.08.2016

Von Generation zu Generation

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5 Bilder
Das feudale klassizistische Schloss grüßt zur Straße hin mit den Wappen der Familien von Stauffenberg und Zobel von Giebelstadt, die ins Giebeldreieck über dem Hauptportal eingemeißelt sind.

 Die Geschichte von Schloss Amerdingen ist alt – noch älter ist die der Grafen. Heute ist Camilla zu Sayn Wittenstein Berleburg die Schlossherrin

Die Ruhe in der verträumten Gemeinde Amerdingen – eingebettet ins malerische Kesseltal – ist an diesem Sommernachmittag fast greifbar. Nahezu menschenleer liegt die Dorfmitte da und kaum ein Auto stört die Stille. Man ist geneigt, zwischen dem Gefühl von Einsamkeit und dem Eindruck wunderbarer ländlicher Idylle zu schwanken.

Direkt im Zentrum sticht die Pfarrkirche St. Vitus ins Auge, dann schweift der Blick zur Seite und fängt ein feudales Schloss mit klassizistischer Fassade ein. Sandsteinfarben liegt es da, hinter schmiedeeisernen Torflügeln, eine verschnörkelte Balustrade und ein Giebeldreieck mit verschlungenen Wappen im Mittelpunkt. Es ist die sicherlich schönste architektonische Zierde Amerdingens.

„Stauffenbergstraße“ – so verkündet ein Schild die Adresse und verweist damit direkt auf die Bewohner, die im Schloss seit der frühen Neuzeit residieren. Generationen der Amerdinger Linie der gräflichen Familie Schenk von Stauffenberg, dieses schwäbischen Uradelsgeschlechts, hatten und haben seit dem Jahr 1566 auf diesem Areal ihren Sitz. Im Giebeldreieck über dem Hauptportal findet sich ein weiterer Hinweis auf sie. Dort ist das Wappen derer von Stauffenberg eingemeißelt – zusammen mit dem der Familie Zobel von Giebelstadt, eines schwäbisch-fränkischen Zweigs der Verwandtschaft.

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Und doch endet mit der heutigen Generation der Schlossbewohner wohl der Name Stauffenberg. Denn die jetzige Schlossherrin, Prinzessin Camilla, stammt zwar aus der Familie Stauffenberg, trägt aber seit ihrer Heirat 2012 mit Carl-Albrecht zu Sayn Wittgenstein Berleburg dessen Namen. Sie übernahm das Anwesen und den Forstbetrieb aus den Händen ihres Großvaters, Alfred Schenk Graf von Stauffenberg. Und nach ihr wird es vielleicht Söhnchen Salentin oder dessen Geschwisterchen sein, das sich demnächst ankündigt.

Einladend liegt der Schlosshof da, mit dem dreigeschossigen walmgedeckten Haupthaus im Mittelpunkt, das von zwei niedrigeren Flügelbauten flankiert wird. Und ebenso einladend öffnet auch Prinzessin Wittgenstein das Portal zu Empfangshalle und Treppenhaus. Meist sind es private Besucher, denen sie Gastgeberin ist. Schließlich wird das Schloss fast ausschließlich privat genutzt. Prinzessin Wittgenstein kennt es seit den Tagen ihrer Kindheit und sieht nun den eigenen Nachwuchs dort groß werden. Das private Speisezimmer, das Wohnzimmer, ein Salon mit stilechtem Mobiliar, liegen im Erdgeschoss. Dort hält sich die Familie gerne auf.

Noch repräsentativer wird es im ersten Obergeschoss, in der Beletage, deren zentraler Raum der Große Saal ist. „Rechts und links davon haben sich die Trakte des Schlossherren und der Schlossherrin erstreckt“, schildert Prinzessin Wittgenstein. Musikzimmer, Johann-Franz-Salon, Schreibsalon und das ehemalige Schlafzimmer der Schlossherrin befinden sich in diesen Flügeln. Verbunden durch doppelflügelige Türen bilden der Große Saal und die Salons eine imposante Raumflucht, wie sie in barocker Architektur beliebt waren.

Französische Tapeten aus dem 18. Jahrhundert, opulente Stuck-Ornamente und Malerei geben dem gesamten ersten Stock seine prachtvolle Innenarchitektur. Einmal jährlich erleben Klassikfreunde zu den Rosetti-Festtagen dort ein Kammerkonzert. Und auch bei Hochzeiten hat die Öffentlichkeit mitunter Gelegenheit, sich dort aufzuhalten. „Wir bieten hin und wieder diese Räume für Trauungen an“, sagt Prinzessin Camilla Wittgenstein. Zusammen mit der nahegelegenen Kirche und einem Hotel Garni ergibt sich so eine stimmige Ergänzung.

Atemberaubend ist allerdings nicht nur die Ausstattung. Auch der Blick in den Schlosspark eröffnet eine wunderbare Aussicht. „Dort hinten liegt unser Monopteros, in dem man früher oft Tee getrunken hat“, weist Prinzessin Wittgenstein auf einen kleinen Säulentempel am Ende des Parks. „Die acht Säulen sind so ausgerichtet, dass man von hier aus nur vier sieht“, erzählt sie. Der Park ist im Stil eines englischen Landschaftsgarten gehalten.

Irgendwo dort hinten in der Ecke des Monopteros muss einst der Vorgängerbau des heutigen Schlosses gestanden haben. Ortsadel hat es in Amerdingen seit dem 13. Jahrhundert gegeben. Er lebte damals in einem Rittergut, das 1566 an den Schenken Hans von Stauffenberg überging und heute verschwunden ist. Der jetzige Schlossbau entstand von 1784 bis 1788 und zwar nach den Plänen des fränkischen Baumeisters Ignaz Michael Neumann, eines Sohns des großen Balthasar Neumann. Da Ignaz Michael Neumann 1785 starb, wurde die Ausführung dem fürstbischöflich bambergischen Werkmeister Lorenz Fink übertragen. „Von der ursprünglichen Planung Neumanns weiß man erst seit Kurzem“, freut sich Camilla zu Wittgenstein über diese neue Erkenntnis.

Erst seit Anfang dieses Jahres sind die Prinzessin und ihr Ehemann Prinz Carl-Albrecht mit Söhnchen Salentin in Amerdingen heimisch. Sie hatte in Oxford Psychologie studiert, war danach ins Bankenfach gewechselt und hatte ihren Master of Science in Management gemacht. Gleich nach ihrer Hochzeit 2012 ging sie dann zusammen mit ihrem Mann aus beruflichen Gründen nach Afrika. „Wir haben vier Jahre in der Kenianischen Hauptstadt Nairobi gelebt“, erzählt die Prinzessin. „Das war ein spannendes Abenteuer. Man erweitert seinen Horizont.“

Doch auch das Erbe ihres Großvaters dürfte ein Abenteuer sein – wenngleich sicher eines ganz anderer Art. Denn in Amerdingen, an der Stätte ihrer Ahnen, wird Camilla zu Sayn Wittgenstein Berleburg von diesem Erbe gefordert, das 2007 auf sie übergegangen ist. „Wir haben Forst- und Landwirtschaft, ein Gästehaus und Events, die es zu organisieren gilt.“ Gleichzeitig ist es Herausforderung, die Bausubstanz des Schlosses in Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt zu bewahren. Der Fortbestand des Erbes für künftige Generationen sind der Prinzessin Anliegen und Ansporn. „Mich um das Anwesen zu kümmern, ist eine wichtige Aufgabe. Eine Aufgabe, die mir auch sehr viel Spaß macht, wenn ich sehe, wie das Schloss erhalten wird und wie es sich weiter entwickelt ...“

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