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Harburg

09.12.2017

Von Napoleon bis zu alten Obstsorten

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Als der Nationalsozialismus auch in Harburg aufkam, wurde gezielt und massiv gegen die jüdische Bevölkerung Propaganda gemacht. Dies zeigt auch dieses Schild.
Bild: Foto: Sammlung Heimatgeschichtlicher Arbeitskreis

Band 14 der „Harburger Hefte“ ist fertig. Schwierige Zeiten und interessante Persönlichkeiten finden sich in diesem Stück Heimatgeschichte

Interessantes über Vorgänge und Persönlichkeiten aus mehreren Jahrhunderten steht in der neuen Ausgabe der „Harburger Hefte“, die von diesem Wochenende an erhältlich ist. Die Autoren haben Geschichten aus der Stadt und ihren Ortsteilen zusammengetragen, die von der Maurener Kirche über einen in Harburg geborenen Pfarrer mit bewegtem Leben und kriegerischen Zeiten bis hin zu den Besonderheiten der kommunalen Obstbäume in Heroldingen reichen.

Seit 1994 produziert der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis in regelmäßigen Abständen neue Ausgaben der „Harburger Hefte“, zuletzt alle zwei Jahre. Band 14 ist mit über 300 Seiten das zweitdickste Exemplar in der ganzen Serie. „Themen sind immer wieder vorhanden“, merkt Anton Fischer, Sprecher des Arbeitskreises, dazu an. Er bedankt sich bei der Stadt, dass diese wieder die Finanzierung – hier geht es um eine Summe von rund 6000 Euro – übernommen hat. Fischer würdigt zudem die Arbeit von Klaus Lembeck. Bei dem laufen jedes Mal, wenn ein neues Buch entsteht, die Fäden zusammen. Lembeck koordiniert, kümmert sich um das Layout und den Satz. So können die Kosten auch niedrig gehalten werden.

Bürgermeister Wolfgang Kilian erklärt, der Kommune falle es „relativ leicht“, das Geld für die „Harburger Hefte“ bereitzustellen. Das Projekt sei dank der ehrenamtlichen Tätigkeit des Arbeitskreises „im Prinzip kostendeckend“, die Bevölkerung freue sich über die heimatgeschichtlichen Werke und – das betont auch Anton Fischer – auch in Fachkreisen seien die Bücher anerkannt. Aus Archiven sei zu hören, „dass das eine großartige Sache ist“.

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Klaus Lembeck verweist auf die Kontinuität bei den „Harburger Heften“: „Das schaffen oft selbst größere Kommunen nicht.“ Auffällig bei Band 14 ist, dass die Stadtteile eine große Rolle spielen.

Mit der Zeit der Napoleonischen Kriege (1792 bis 1815), die auch die Region nicht verschonten, beschäftigt sich Richard Hlawon. Im Jahr 1800 beispielsweise standen die Franzosen mit ihren Geschützen schon in Ebermergen und drohten, die Harburg, auf die sich die österreichische Besatzung zurückgezogen hatte, in Brand zu schießen. Bevor Schlimmeres geschah, kapitulierten die Österreicher – und die Stadt blieb verschont. Aus Dank feierten die Harburger das Bockfest. Dieses gibt es auch heute noch. 1805 zog Napoleon persönlich von Nördlingen über Harburg nach Donauwörth und erwähnte in einem Brief an seine Generäle auch die steinerne Brücke in der Burgstadt. Hlawon geht in seinem Beitrag auf einige Gedenkstätten in der Region ein, die an die Napoleonischen Kriege erinnern. Dazu gehört auch eine Erinnerungstafel an gefallene Mündlinger in der dortigen Kirche.

Die Schulgeschichte in Großsorheim beleuchtet Jürgen Mündel. Er besitzt eine umfangreiche Dokumentation, die drei Lehrer auf Geheiß der Obrigkeit von 1926 bis 1963 führten. Dadurch sind viele Informationen über Schulbetrieb, Stand der Schüler, Gebäude und Lehrertätigkeiten detailliert erhalten. Die weiteren Recherchen der Lehrer beginnen bereits im Jahr 1766. Die Schule in Großsorheim bestand bis 1968. Mündel bekam aus Privatbesitz auch viele Fotos, die das Schulleben im Dorf zeigen. Bemerkenswert: Das Heft, in dem die Lehrer alles Wissenswerte aufschrieben, wurde vor Jahren quasi im letzten Moment aus dem Müll gerettet.

Die Geschichte der Kirche St. Walburga in Mauren ist das Thema von Heinrich Wolfinger. Der konnte bei seinen Recherchen auf die Original-Baupläne aus dem Jahr 1604 zurückgreifen, die im Archiv auf der Harburg lagern. Demnach entstand die Kirche nach den Plänen des damals bekannten italienischen Baumeisters Hans Alberthaler. Das Besondere an der Maurener Kirche ist laut Wolfinger, dass ihr Erscheinungsbild innen und außen über die Jahrhunderte nur wenig verändert wurde. 1747 wurde – weil der Platz für die Gläubigen nicht mehr reichte – eine größere Empore eingebaut, die mit Bildern der Evangelisten geschmückt sind. Ungewöhnlich sei, dass zwischen 1895 und 1984 an der Kirche nichts verändert wurde, ehe eine große Renovierung erfolgte, bei der „alles Alte erhalten blieb“.

Fitz Leimer steuert zwei Kapitel zu Band 14 bei. Zum einen befasst er sich mit Elkan Wassermann. Der lebte von 1721 bis 1814 und schaffte den Aufstieg aus ärmlichen Verhältnissen zu einem der reichsten Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Harburg. Ein Grund dafür: Er bekam im Fürstentum Oettingen-Wallerstein die (alleinige) Lizenz zum Salzhandel. Wassermann belieferte als sogenannter Salzfaktor in dieser Zeit die sieben Lager im Fürstentum. Leimer schildert aber auch Probleme, die Wassermann wegen seines Glaubens mit der christlichen Bevölkerung hatte.

Das Kapitel „Harburg zwischen den Kriegen“ stammt ebenfalls von Fritz Leimer. Er schildert das Leben der Harburger nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg. Die wirtschaftliche Lage sei miserabel gewesen. Leimer berichtet vom Niedergang der jüdischen Gemeinde und vom Aufkommen des Nationalsozialismus. Viele seiner Informationen hat der Ronheimer von zehn Zeitzeugen, mit denen er bereits in den 1990er-Jahren sprach.

Das Leben von Stefan Daniel Hubel, der 1766 in Harburg geboren wurde, war durchaus bewegt. Darüber schreibt in dem neuen Buch Alfred Hausmann. Er ist ein Nachfahre des evangelischen Pfarrers, der zunächst in Holzkirchen im Ries wirkte, dann in Ungnade fiel, weil er eine Magd schwängert, und in Osteuropa (Bukowina, Ost-Galizien) landete. Dort betreute Hubel über 50 Jahre lang deutsche Gemeinden.

Ralf Hermann Melber hat sich ebenfalls mit zwei – völlig unterschiedlichen – Themen befasst. Er porträtiert den aus Heroldingen stammenden Christoph Gugel (geboren 1466). Harburg-Archivar Gerhard Beck habe aber eine Quelle gefunden, die Gugel als Sohn des Ortes ausweist. Er war als Kanzler die „rechte Hand“ des Oettinger Grafen – und erlebte damit die Reformation in Oettingen. Harburg und Neuburg mit. Melber fand nach eigenen Angaben auch ein paar „lustige Anekdoten“ über Gugel. Der habe seinem Landesherrn beispielsweise gesundheitliche Ratschläge gegeben. Melber ist überzeugt, dass Christoph Gugel Stoff für weitere Geschichten liefern kann: „Man müsste noch viel tiefer forschen.“

Bis in die jetzige Zeit reicht der zweite Beitrag von Ralf Hermann Melber. Er berichtet über den städtischen Streuobstbestand in Heroldingen. Dort besitzt die Kommune an die 200 Obstbäume, die über Hand- und Spanndienste gepflegt werden. In Heroldingen seien historische Sorten erhalten geblieben. Die Früchte seien bis in Berlin auf Nährstoffe untersucht worden. Die jährliche Obstversteigerung im Ort stoße auf reges Interesse.

Zu den Autoren, die regelmäßig für die „Harburger Hefte“ tätig sind, gehört auch Karl Martin Graß. Dieses Mal beleuchtet er auf gut 60 Seiten die politische Geschichte Harburgs von 1945 bis 1966. Graß geht auf die Situation nach dem Krieg ein, erläutert die Entnazifizierung und listet die Ergebnisse der Stadtratswahlen auf. Hier einige Punkte: Erster Bürgermeister nach dem Krieg war Metzgermeister Friedrich Buser. 1946 hatten zunächst nur CSU und SPD eine Liste. Dann kamen die Freien Wähler auf, die CSU verschwand zwischenzeitlich. Kurios: Zwei Mal trat eine „Wählergruppe Märker“ an.

Das mittelalterliche Nibelungenlied hat es Erich Bäcker angetan. Der sieht sich in seiner Annahme bestätigt, dass die Forschung in der Deutung des Epos „nach wie vor falsch liegt“. Demnach habe der Nibelungenzug nicht im heutigen Großmehring bei Ingolstadt über die Donau gesetzt, sondern bei Donauwörth. Der „schöne Brunnen“, der in dem Lied erwähnt wird, befindet sich Bäcker zufolge in Brünsee.

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