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Donauwörth

15.07.2019

Wasserwacht schlägt Alarm: Viele Kreisbewohner können nicht richtig schwimmen

Unterstützen die Aktion: Vertreter der Wasserwacht und Politiker aus dem Kreis.
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Unterstützen die Aktion: Vertreter der Wasserwacht und Politiker aus dem Kreis.

Plus Gestern startete die Schulschwimmwoche in Bayern – eine Initiative der Wasserwacht, die damit auf eine dramatische Entwicklung aufmerksam machen will. Auch in Donauwörth wurden Missstände angesprochen .

Als Michael Dinkelmeier von der Kreis-Wasserwacht Nordschwaben dieser Tage im Freibad ist, passiert wieder einmal der Ernstfall: „Da steigt ein erwachsener Mann auf den Fünf-Meter-Turm und lässt sich von dort ins tiefe Wasser fallen. Schon als er wieder auftaucht, ist mir klar, dass etwas nicht stimmt“, schildert Dinkelmeier. „Der Mann verdreht die Augen und sackt dann ab.“ Der Wasserwachtler springt hinterher und bringt den Nichtschwimmer in Sicherheit.

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Das ist nur ein Fall von vielen, die so oder so ähnlich immer wieder passieren. „Das große Problem ist“, so bringt es Dinkelmeier auf den Punkt, „dass viele Menschen die eigenen Schwimmfähigkeiten überschätzen und Gefahren nicht erkennen.“

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Wasserwacht schlägt Alarm: Viele Kreisbewohner können nicht richtig schwimmen

Vor allem im nördlichen Kreis können viele nicht richtig schwimmen

Die Zahlen klingen einigermaßen dramatisch: 80 Prozent der unter zwölfjährigen Schüler im nördlichen Landkreis (Nördlingen, Wemding, Oettingen) und 61 Prozent der Gleichaltrigen im südlichen Landkreis (Donauwörth, Harburg, Monheim und Rain) können nicht wirklich schwimmen. Das haben Fragebögen ergeben, mit denen sich die Wasserwacht an sämtliche Schulen im Landkreis gewandt hat.

2121 der Unterlagen kamen ausgefüllt zurück. Ergänzend haben sich zusätzlich Menschen über soziale Medien an der Umfrage beteiligt. Weiteres Ergebnis daraus: Von den über 18-Jährigen im nördlichen Landkreis gelten immerhin noch 27 Prozent als Nichtschwimmer und im südlichen Kreis 21 Prozent.

Schüler aus Tapfheim und Alerheim machen das Seepferdchen

So weit ein paar nüchternen Zahlen. Ihnen standen am gestrigen Montag Viertklässler aus den Grundschulen Alerheim und Tapfheim gegenüber, die sichtlich Spaß hatten, sich in den Fluten des Donauwörther Freibads zu tummeln. Unter Anleitung ausgebildeter Schwimmtrainer der Wasserwacht absolvieren sie noch bis Mittwoch das „Seepferdchen“ oder das „Jugendschwimmabzeichen in Bronze“. Es ist die erste Schulschwimmwoche in Bayern. Diese besondere Aktion wurde gestern erstmals gestartet. Sie will einem gefährlichen Trend entgegenwirken, nämlich dem, dass der Anteil derer, die schwimmen können, abnimmt. Bayernweit beteiligen sich Mädchen und Buben noch bis Freitag an 50 Orten an der Schulschwimmwoche.

Diese Aktionstage machen öffentlich, worum 130.000 ehrenamtliche Wasserwachtsmitglieder im Freistaat kämpfen: die Notwendigkeit, dass der Schwimmsport in den Schulen einen höheren Stellenwert bekommt. „Schwimmen können ist der beste Schutz vor dem Ertrinken“, so die Wasserwacht, die aber zugleich feststellt, dass in manchen Kommunen Schwimmbäder aus Kostengründen schließen und das nächste Schwimmbad nur schwer erreichbar ist. Und an Orten, in denen Schwimmbäder fehlen, kann Schwimmunterricht nicht so leicht umgesetzt werden.

Seepferdchen soll Pflicht für Viertklässler werden

Aber auch dort, wo die Rahmenbedingungen gegeben sind, gibt es mitunter Defizite. Michael Dinkelmeier, Christoph Marx (Vorsitzender der Kreiswasserwacht Nordschwaben), Michael Haller (sein Stellvertreter), Manuel Brand (Vorsitzender Wasserwacht Donauwörth) appellieren an das Kultusministerium, dass wenigstens das Seepferdchen Pflicht für alle Viertklässler wird, ehe sie die Grundschule verlassen. Sie sehen die Schulen in der Pflicht, wenn es darum geht, den Kindern Schwimmen beizubringen.

„Wir haben 800 Schulklassen im Kreis“, stellt Michael Dinkelmeier fest. „In jedem Lehrplan ist Schwimmen ein verbindlicher Bestandteil des Sportunterrichts. Es sollte wie für Mathe und Deutsch eine Zeugnisnote für Schwimmen geben.“

Die Wasserwachts-Funktionäre appellieren aber auch an jedes politische Entscheidungsgremium, dort anzusetzen, wo immer es möglich ist. „Wir brauchen mehr Bäder“, ist etwa eine elementare Forderung.

Bestes Beispiel ist Rain, wo der Schulverband das Hallenbad unterhält: Von allen Schulkindern, die dort im Umkreis wohnen kommen 70 Prozent in den Genuss von Schwimmunterricht – das ist mit Abstand die höchste Zahl im Landkreis.

Förderung für Schwimmbäder

Die Wasserwacht hat ihre Auswertungen über den Abgeordneten Wolfgang Fackler in den bayerischen Landtag eingebracht. Von dort kommt die Botschaft, dass es jetzt zusätzliche Ersatzförderungen für Kommunen gibt, die die Voraussetzungen fürs Schulschwimmen nicht erfüllen, damit sich diese dennoch die Sanierung bestehender Schwimmbäder leisten können.

Schirmherr der Schulschwimmwoche, Wolfgang Fackler, sowie Donauwörths Oberbürgermeister Armin Neudert, Landratstellvertreter Reinhold Bittner und die Bürgermeister Christoph Schmid (Alerheim) und Karl Malz (Tapfheim) bekundeten gestern allesamt ihre Unterstützung dieses wichtigen Gedankens der Schulschwimmwoche. „Ich hoffe“, so ergänzte Bittner mit dem Almarin im Hinterkopf, „dass dadurch mancher ins Grübeln kommt, und dazu beiträgt, hie und da ein Schwimmbad, das es noch halbwegs gibt, zu erhalten ...“

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