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Landkreis Donau-Ries

20.03.2020

Welche Folgen hat der milde Winter in der Region?

Zuletzt hatten die Wälder in der Region noch Glück – im Gegensatz zu anderen Regionen gab es rund um Donauwörth gerade genug Feuchtigkeit. Jetzt hoffen die Forstwirte auf einen ausreichend regnerischen April und Mai.
Bild: Matthias Becker

Plus Kaum Schnee, kaum durchgefrorene Böden. Die Wintermonate waren beileibe keine strengen. Agrar- und Landschaftspflege-Fachleute im Kreis Donau-Ries beunruhigt das jedoch noch nicht.

Die Gesichter der Kinder waren beim Blick nach draußen in diesem Winter des Öfteren missmutig: Kein oder kaum Schnee, nix mit Schneemann, Bob und Schlitten fahren. Der Donauwörther Wetterbeobachter Werner Neudeck resümierte zuletzt, der Februar etwa sei ein „winterlicher Totalausfall“. Doch was ist so schlimm am milden Winter heuer? Oder, anders gefragt: Ist er denn überhaupt irgendwie von Nachteil für die Region?

Milde Winter sind nicht von Nachteil für die Vegetation

Manfred Faber muss die Zahlen vieler Messstellen zu Temperatur und Niederschlag immer wieder regelmäßig prüfen. Als Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Nördlingen (AELF) gehört das zu seinem Beruf schlichtweg dazu, denn die Land- und Forstwirte müssen Bescheid wissen, wie sie mit der Natur – je nach Witterung – am besten umgehen. Für den eben zu Ende gegangenen Winter an sich und dessen Auswirkungen gibt Faber bis dato Entwarnung: „Solche milden Winter sind nicht von Nachteil für die Vegetation.“ Der Winterweizen etwa würde mit all zu strengen Wintern leiden, verformte Spitzen wären das sichtbare Zeichen.

Vor gut 20 Jahren habe ein entsprechender „Kahlfrost“ im März stattgefunden in der Region. Der Name sagt hierbei alles. Heuer hingegen sei die Vegetation in unseren Breiten gar „nicht zum Stillstand gekommen“. Das finde erst bei Temperaturen von Minus 10 Grad Celsius statt. Wenn jetzt noch ein leichter Temperaturanstieg erfolgte, könnte die Vegetation so richtig starten. Doch wo ein Vorteil ist, da lauert oft auch irgendwo der Hacken: Auf vielen Feldern sind die Zwischenfrüchte noch nicht abgefroren. Ohne den Frost bräuchte es da bald ein Herbizid um die Felder wieder für die Saat vorzubereiten. Doch es überwiegen bislang die Vorteile, betont Faber.

Amtsleiter Faber: Wichtig sind die nächsten zwei, drei Monate

Die These, dass der Frost existenziell wichtig wäre, um Schädlingen im Wald den Garaus zu machen, hält Faber indessen nur bedingt für stimmig. Es habe auch andere Zeiten gegeben, so der Amtsleiter, da hätten sich Schädlingskulturen trotz vorausgehenden Frostes entwickelt.

Bei der Witterung käme es hinsichtlich der Landwirtschaft stark auf die Bedingungen der kommenden Wochen, beziehungsweise zwei bis drei Monate an. Außerordentlich schlecht für das Wachstum auf den Feldern wäre Trockenheit im April, gepaart mit zu großer Wärme. Es bräuchte vielmehr kühle und feuchte Bedingungen in den Monaten April und Mai. Bis jetzt verzeichneten die Messstellen allerdings „noch keine übermäßigen Werte“ hinsichtlich der Niederschläge.

Zu früh, um trockenen Sommer vorherzusagen

Diese bewegten sich an der Messstation Neuhof (Kaisheim) von November bis Januar unter dem langjährigen Mittel – im Februar lagen sich allerdings mit 88 Millimeter mehr als doppelt so hoch wie im langjährigen Durchschnitt. Bei den Temperaturen zeigt sich mit einem warmen Mittel von 1,9 Grad Celsius ein Unterschied von schier 3 Grad zum sonstigen Durchschnitt.

Faber will sich aber nicht den Reihen einiger Meteorologen anschließen, die jetzt schon einen viel zu warmen April und dementsprechend einen erneuten trockenen Sommer prognostizieren. Es sei viel zu früh, so Faber, um sich nun seriös zu den Werten im Sommer äußern zu können. Viel hänge jedoch in der Tat vom April und Mai ab – allein auch was das Wachstum der Blätter angehe. Sie bräuchten das Wasser aus dem Himmel, das Gespeicherte aus dem Boden reiche letzten Endes nicht. Doch für die Grundwasservorräte dürften der Winter zumindest stellenweise erträglich gewesen sein. Dadurch, dass die Böden kaum gefroren waren, konnte das Wasser einsickern. „Da hatten wir auch schon ganz andere Zeiten, wo das Wasser auf den gefrorenen Böden einfach abfloss und wir wenig davon hatten.“ Wichtig sei auch, dass es jetzt keine sogenannten „Spätfröste“ mehr gibt – dadurch könnten „mächtige Schäden entstehen“.

Bodenschäden hielten sich in der Region in Grenzen

Beim Landschaftspflegeverband Donau-Ries wäre man zuletzt froh gewesen über mehr Bodenfrost im Winter. Die Verbandsmitarbeiter hätten bei festen Böden mehr Entbuschungen und Pflegemaßnahmen an Bächen und Gräben machen können, so Nadine Kühnert, Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes mit Sitz in Harburg. Bei weichen Böden können die Maschinen einsinken, man kommt schlechter voran.

Dennoch: Die Bodenschäden hielten sich heuer in Grenzen. Und auch Kühnert hält nicht viel von Hysterie: „Periodische Schwankungen“ gebe es seit jeher, die vergangenen zehn Jahren machten da eben keine Ausnahme: „Ein milder Winter macht noch keinen Klimawandel.“ Flora und Fauna passten sich zudem den veränderten Bedingungen an. Heuer ist das bereits bei der Haselnuss und der Weide ersichtlich: Die blühen jetzt schon.

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