Newsticker

Maskenpflicht gilt in Deutschland weiterhin - auch im Einzelhandel
  1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Wenn Corona den Urlaub jäh beendet - Reisende berichten

Tapfheim

30.03.2020

Wenn Corona den Urlaub jäh beendet - Reisende berichten

Beim Grenzübergang Sambia-Botswana – wie später auch bei der Einreise nach Südafrika – wurde den Urlaubern die Temperatur gemessen. Dennoch waren die Folgen des Coronavirus für die Tapfheimer zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar.
Bild: Eigen

Plus Ein Paar aus Tapfheim bekommt in Afrika lange von den Folgen nicht viel mit. Dann aber werden die sie zunehmend besorgt und haben nur noch ein Ziel: nach Hause.

Etwa 80000 Deutsche sitzen derzeit, in Folge der Corona-Pandemie, noch im Ausland fest. Die Bundesregierung versucht seit Wochen, gestrandete Personen aus unterschiedlichen Reiseregionen in die Heimat zurückzuholen. Bei Reisenden aus der Region ist dies offenbar in den allermeisten Fällen geglückt, wie Nachfragen bei Reisebüros aus dem Landkreis ergeben haben. Die Rückholaktionen waren und sind mitunter aber äußerst kompliziert.

Christian Sigel, einer der Inhaber des Reisebüros Sigel und Fischer in Donauwörth, erläutert: „Mit großem Aufwand haben wir es geschafft, in den vergangenen Tagen die letzten Urlauber nach Hause zu fliegen. Es war schwierig, mit allen betroffenen Kunden im Urlaub Kontakt aufzunehmen. Zudem mussten alle Flüge entweder umgebucht werden, was mitunter nicht möglich war, oder neue One-Way-Flüge schnellstmöglich reserviert werden.“

Ähnliches schildert Claudia Detter, Eigentümerin des Reisebüros „Reisen für Alle“ in Rain: „Unsere Kunden sitzen nicht mehr im Ausland fest. Wir haben allen Reisenden angeboten, sie nach Hause zu holen und Maßnahmen einzuleiten, um ihnen zu helfen.“ Hauptreiseziele regionaler Urlauber seien Bali, Südafrika, Dubai, Ägypten, die USA, die Seychellen und die Kanaren gewesen, berichtet die Expertin aus Rain.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ohne Internet gibt es auch kaum Informationen

Tatsächlich betroffen von den Problemen vor Ort sind freilich die Reisenden selbst. Judith Eigen und Markus Stenzenberger aus Tapfheim, die ihre Afrikatour krisenbedingt vorzeitig beendet haben, schildern ihren Fall: „Als wir in Südafrika beschlossen haben, heimzufliegen, sind wir sofort an den Check-in-Schalter der Fluggesellschaft British Airways gefahren. Dort haben wir ebenso wenig wie über das Internet oder Telefon eine Airline erreicht. Letztendlich hat sich das Reisebüro jedoch erstaunlich schnell um die Rückreise gekümmert.“

Das Paar berichtet, dass in Sambia und Botswana, den ersten Stationen ihrer Rundreise, das Coronavirus noch kein Thema gewesen sei. „Dort waren wir uns des enormen Ausmaßes noch nicht bewusst. Vor allem in Botswana waren wir ja auch ohne Internet und Medienkontakt unterwegs“, so Eigen.

Die Stimmung in Südafrika wurde zunehmend schlechter

Erst in Südafrika hätten die beiden die rasante Ausbreitung des Coronavirus besorgt in den Medien verfolgt und sich schließlich an ihren Reiseveranstalter gewandt. „Das Reisebüro war Tag und Nacht erreichbar, das war uns eine enorme Hilfe. Der Veranstalter hat uns vor Augen geführt, dass es nur zwei Optionen gebe: sofort heimfliegen oder das Ganze in Afrika aussitzen“, schildert Eigen.

So unbeschwert wie auf diesem Bild, entstanden am Kap der Guten Hoffnung, war der Urlaub für Judith Eigen und Markus Stenzenberger im Anschluss nicht mehr lange. Von Südafrika aus ging es vorzeitig zurück in die nordschwäbische Heimat.
Bild: Eigen

Die Stimmung in Südafrika habe sich während ihres Aufenthaltes stark gewandelt: „Der Präsident hat Schulen und Museen schließen lassen, Veranstaltungen abgesagt und es gab ein Ausschankverbot ab 18 Uhr. Zudem war die feindselige Haltung der ärmeren Einheimischen stark spürbar.“

Diese Bevölkerungsschicht sehe Eigen zufolge offenbar die Reisetätigkeit der wohlhabenden weißen Bewohner als Hauptursache der Ausbreitung des Coronavirus an, wobei sie aber diejenigen seien, die armutsbedingt eher an den Folgen sterben würden. Die sich immer weiter zuspitzende Situation, das Verfolgen von Medienberichten und die Bitte mehrerer nahestehender Personen seien letztlich die Gründe für die verfrühte Rückkehr des Paares gewesen.

Nicht alle Urlauber haben so viel Glück

Rückblickend zeigen sich die Tapfheimer dann aber doch erfreut darüber, wie die Rückreise organisiert worden ist: „Wir haben am Montag vor zwei Wochen beschlossen, zurückzufliegen und am Donnerstag sind wir bereits in Deutschland gelandet“. Vielen, vielen anderen Urlaubern aus Deutschland war das Glück freilich nicht so hold. Sie warten an den verschiedensten Orten der Erde noch immer mit Ungewissheit, wann und wie es für sie wieder nach Hause geht.

Mit Blick auf das Coronavirus zeigt sich Judith Eigen aber generell optimistisch: „Wenn wir alle zusammenhalten und uns an die Regeln halten, bin ich mir sicher, dass wir das gemeinsam schaffen werden.“

Lesen Sie hierzu auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren