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Landkreis Donau-Ries

23.01.2020

Werden Medikamente auch in der Region bald Mangelware?

Tausende Arzneimittel lagern in der Maximilium-Apotheke Donauwörth. Dennoch herrscht auch hier ein Mangel an bestimmten Medikamenten, wie Chefin Ute Offinger bestätigt. 
Foto: Yannick Eibl

Exklusiv Immer öfter gibt es auch im Landkreis Donau-Ries bei einigen Arzneimitteln Lieferschwierigkeiten. Woran das liegt und wie Apotheken mit diesem Problem umgehen.

Der Schädel brummt, die Nase läuft und die Glieder schmerzen. Kein Problem. Schnell in die Apotheke, eine Packung Ibuprofen verlangen und schon ist Besserung in Sicht.

Von wegen. Der Mangel an einigen Medikamenten, der derzeit in Deutschland herrscht, macht auch vor dem Landkreis Donau-Ries nicht halt: „Das Besorgen der richtigen Medikamente ist ein einziger Balanceakt“, sagt Wolfgang Dittrich von der Stadtapotheke Wemding. Er steht immer öfter vor der Herausforderung, das gewünschte Medikament im Sortiment zu haben, wie er auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt. „Vor allem auch sehr gängige Arznei ist betroffen, wie das blutdrucksenkende Medikament Candesartan“, sagt Dittrich. Er spüre den Medikamentenmangel sehr deutlich.

Richtige Stärken und Mengen

Das bestätigt Tanja Lehr von der St.-Martins-Apotheke in Mertingen. So müsse man versuchen, für die Kunden immer die richtigen Stärken und Mengen der Mittel aufzutreiben – und am besten soll es auch derselbe Hersteller bleiben.

Ute Offinger von der Maximilium-Apotheke in Donauwörth nennt noch ein anderes gravierendes Problem. Oft sei es schlichtweg nicht möglich, bei langjährigen Patienten, die beispielsweise Antidepressiva oder Blutdruckmedikamente benötigen, den Hersteller zu wechseln. Eine Umstellung sei auch nur dann möglich, wenn die Krankenkasse mitspiele.

Rücksprache mit dem Arzt

Zudem müsse auch immer alles in Rücksprache mit dem jeweiligen Arzt geschehen, ergänzt Tanja Lehr: „Wenn wir auf eine andere Packungsgröße oder eine andere Stärke zurückgreifen wollen, muss immer erst der Arzt kontaktiert werden. Denn am Ende darf schließlich nur er das entscheiden.“ So müssen die Apotheker meist einen sehr langen Kommunikationsweg gehen.

Bei der Dosierung jedoch greift Ute Offinger manchmal zu einem Trick: „Wenn die gewünschte Medizin nur in einer anderen Stärke vorrätig ist, dann muss der Patient beispielsweise zwei statt einer Tablette pro Tag nehmen.“ Dies klappe aber auch nicht immer. Beim Problem dieses „Wahnsinns“, wie es Offinger ausdrückt, sind sich die Apotheker einig: Die Lieferung und die Herstellung funktionieren nicht reibungslos genug und sei laut Offinger für die Apotheker eine „kommunikative Katastrophe.“ Auch Lehr empfindet das Ganze als „großen Arbeitsaufwand“. Immerhin müssten die Pharmazeuten Kontakt mit dem Arzt und den Herstellern aufnehmen, um den Erkrankten die passende Arznei liefern zu können.

Keine Zulassung in Deutschland

Wolfgang Dittrich berichtet außerdem über Arzneimittel, die aufgrund falsch oder zu schlecht übersetzter Packungsbeilagen keine Zulassung in Deutschland erhalten. Das komme vor allem daher, dass „in Deutschland die Medikamente sehr streng kontrolliert werden, aber das ist auch wichtig“, so Dittrich.

Problem ist aber für ihn hauptsächlich, dass der Großhandel, der ihn täglich beliefert, oft die Medizin von den Produzenten nicht erhalte. „Deshalb bestellen wir auch oft direkt vom Hersteller. Aber auch das klappt nicht immer und besonders kleinere Apotheken haben hierbei Schwierigkeiten.“

Ähnlich sieht das auch Ute Offinger: „Theoretisch ist der Weg auf der Welt nie zu weit. Also ist es eigentlich egal, wo produziert wird. Das Problem ist aber, dass die Arzneiherstellung in zu wenigen Händen liegt. Wenn also eine Fabrik ausfällt, kann nicht rechtzeitig gehandelt werden.“ Tanja Lehr erklärt hierzu: „Angenommen eine Fabrik fällt aus, weil ein Rohstoff verunreinigt ist. Dann müssen die Apotheker auf einen anderen Hersteller zurückgreifen und darauf sind die einfach nicht vorbereitet.“

Europa produziert nicht

Dazu komme noch, dass nicht in Europa produziert wird. Also werde bei einem Ausfall einer Fabrik freilich erst der Bedarf des eigenen Landes gedeckt. Generell sei klar, dass die Produktionskosten in Europa einfach viel teurer seien, als beispielsweise in Indien oder China, so Lehr. Ihre Donauwörther Kollegin Ute Offinger fügt an: „In Deutschland ist eine Produktion aufgrund der hinzukommenden Auflagen nicht möglich – zumindest nicht für den Preis, der derzeit für den Endverbraucher geboten wird.“

Eine Lösung für das Problem wäre für die Apotheker in der Region, dass in Europa wieder Medikamente hergestellt werden müssen. So könnte besser auf den Arzneimarkt reagiert werden. Aber das sei Offinger zufolge nur eine langfristige Lösung. Da die Kriterien für so eine Fabrik alles andere als leicht seien, würde es Jahre dauern, bis so eine Einrichtung öffnen würde: „Die Lage muss sich auch kurzfristig verbessern.“

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