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04.06.2016

Wider den Flächenfraß im Landkreis Donau-Ries

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Hausbau geht auf zwei Wegen: entweder als Neubau auf oftmals neu erschlossener Fläche, oder im Bestand. Oftmals wird Variante eins gewählt – das jedoch hat Auswirkungen in Bayern. Täglich „verschwinden“ in Bayern 18 Hektar unbebaute Fläche.
Bild: Thomas Hilgendorf

Das Leerstands-Management des Landratsamtes kann erste Zahlen vorweisen. Und die zeigen Erstaunliches in Sachen Baulücken: Es gäbe durchaus noch Bauplätze

Donauwörth Täglich „verschwinden“ in Bayern Flächen unter Beton und Asphalt. Sie werden verbaut – als freie Gebiete, als Anbauflächen oder als noch unberührte Orte der Schöpfung stehen sie dann nicht mehr zur Verfügung. Dabei handelt es sich keineswegs um vorgartengroße Wiesen, sondern um Areale in der Größenordnung von immerhin 18 Hektar. Pro Tag. Zum Vergleich: Das weitläufige Gelände der Donauwörther Delp-Kaserne ist insgesamt 30 Hektar groß. Gleichzeitig gibt es aber in den bereits bebauten Wohn- und Gewerbegebieten der Städte und Dörfer mitunter große Baulücken und Leerstände. Eine vom Landratsamt Donau-Ries beauftragte Studie brachte jüngst Erstaunliches zum Vorschein.

Landrat Stefan Rößle fand deutliche Worte bei der Vorstellung der Erhebung des privaten Büros Baader Konzept vor zahlreichen Bürgermeistern der Kreiskommunen im Landratsamt: „18 Hektar werden jeden Tag im Freistaat verbaut. Sie stehen dann weder als natürliche noch als landwirtschaftliche Flächen zur Verfügung.“ Dieser „Flächenfraß“ sei in diesem Zusammenhang kein aufgebauschtes Skandalwort, sondern Realität.

Daher sei ein neuer Auftrag für Bayerns Regionen und Kommunen entstanden: „Innerörtliche Bereiche müssen stärker genutzt werden.“ Es könne nicht sein, dass auf der grünen Wiese immer mehr Neubaugebiete entstünden, während parallel dazu – vor allem in den Dörfern – die Kernorte verwaisten. Weiterhin verliehen gerade die traditionellen Ortskerne den Kommunen wertvolle Identität.

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Die Abteilung im Landratsamt mit dem etwas umständlichen Namen „Konversionsmanagement“ um Expertin Barabara Wunder nahm sich vor einigen Monaten des Auftrags an, in den fünf Modellkommunen Monheim, Oettingen, Nördlingen, Wemding und Fünfstetten sämtliche Leerstände und Baulücken sowie drohende Leerstände aufzulisten und eine Verkaufsbereitschaft der Eigentümer abzufragen.

Landrat Rößle machte bei der Präsentation der Bilanz hierzu keinen Hehl daraus, dass in den Kommunen anfangs „auch Skepsis zu erkennen war“. Der Grund: In der Vergangenheit brachten die von einigen Kommunen in Eigenregie durchgeführten Erhebungen eher enttäuschende Resultate. In Donauwörth etwa, das diesmal nicht zu den Modellkommunen gehörte, war der Rücklauf der Eigentümerbefragung vor einigen Jahren mehr als spärlich (wir berichteten).

Diesmal holte man die Experten von Baader Konzept aus Gunzenhausen mit an Bord. Das Ergebnis lässt sich durchaus sehen, obwohl bis zu jener Bilanz zu Beginn dieser Woche aus Wemding noch keine Zahlen vorlagen: Insgesamt handelt es sich demnach um 223,4 Hektar Land – es geht dabei um Leerstände, Baulücken, geringfügig bebaute Grundstücke, leere Hofstellen oder drohende Leerstände.

Theoretisch wäre in diesen innerörtlichen Gebieten eine Bebauung beziehungsweise eine Wiederbesiedlung („Revitalisierung“) möglich. Allein in Monheim wurden 227 Baulücken gelistet, in Nördlingen immerhin 184 und in Oettingen 37. Fünfstetten, freilich bedeutend kleiner, weist immerhin noch 24 solcher (theoretisch) bebaubarer Lücken auf.

Das Attraktive an einer Revitalisierung entweder bestehender Gebäude, gleich ob das Wohnhäuser, Bauernhöfe oder Gewerbebauten sind, sei, wie die Planerin Sabine Müller-Herbers ausführte: „Es besteht bereits Baurecht.“ Örtliche Flächennutzungspläne müssten dort nicht angepasst werden.

Derweil gingen unter den Experten und Zuhörern die Meinungen auseinander, ob ein Neubau immer teurer sei als ein Umbau bestehender Gebäude.

Die bürokratischen Anforderungen zu Letztgenanntem seien in drastischer Weise gestiegen, beispielsweise was die energetische Bauweise betreffe, wie Landrat Rößle eingestand. Trotzdem sei es an den Kommunen wie auch an jenen Privaten, die bauen wollen, Verantwortung in Sachen Nachhaltigkeit zu übernehmen, sagte Expertin Müller-Herbers: „Man muss zuerst das gut nutzen, was man hat.“ Indessen stellte Konversionsmanagerin Wunder den Rücklauf der Eigentümer als „erfreulich“ dar – er lag in den fünf Kommunen jeweils zwischen 54 (Monheim) und 65 Prozent (Oettingen). Insgesamt 236 Eigentümer meldeten sich beim Landratsamt und informierten über Baulücken, drohende und tatsächliche Leerstände.

Die Krux: Nur 50 Besitzer insgesamt würden derzeit verkaufen. Doch laut Müller-Herbers sei dies noch nicht das Ende der Fahnenstange – man müsse dranbleiben, ein „Flächenmanagement“ im Landkreis müsse sich erst einmal etablieren. Seit gestern können alle Kommunen Leerstände und Baulücken in das Internetportal „donauries.de“ einstellen, wo sich Käufer die Immobilien ansehen können.

Alle Kommunen dürften in das Projekt einsteigen, das, so Konversionsmanagerin Wunder, nicht abgeschlossen sei, sondern gerade erst begonnen wurde. Man macht sich durchaus Hoffnung im Landratsamt: Laut Müller-Herbers haben Erfahrungen aus Baden-Württemberg gezeigt, dass etwa 25 Prozent der Eigentümer von Leerständen und Baulücken auf Dauer doch verkaufsbereit sind.

Immobilien aus den einzelnen Kommunen sollen künftig auf dem neuen Portal donauries.de im Internet zu sehen sein.

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