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Landkreis Donau-Ries

12.05.2020

Wie Schulen den Unterricht in Zeiten von Corona bewältigen

In der Staatlichen Realschule Rain weisen Infotafeln auf die gebotenen Sicherheitsmaßnahmen hin.
Bild: Barbara Würmseher

Plus Die ersten Schüler sind zurück im Unterricht. Doch der sieht in diesen Tagen alles andere aus als normal.

Glücklich sind die Jugendlichen, die endlich wieder zur Schule gehen dürfen. Sie genießen es, nach wochenlangem Fernunterricht Freunde und Lehrer wiederzusehen und auch sonst ein Stück weit Alltag zurückzugewinnen. Doch die Schulhäuser füllen sich nur nach und nach mit Leben. Zuerst durften am 27. April die Abschlussjahrgänge aller Schulen zum Unterricht zurückkehren. Seit diesem Montag nun auch weitere Klassen. Hier ein kleiner Einblick, wie es gerade läuft.

Lehrer und Schüler ziehen an einem Strang

Realschule Rain: Realschuldirektor Gerhard Härpfer strahlt vor allem eines aus: die Entschlossenheit, den Corona bedingten Widrigkeiten die Stirn zu bieten. Und dafür ziehen Lehrer wie Schüler an einem Strang, wie er sagt. Er lobt die Disziplin aller, sich an die notwendigen Regeln zu halten. Plakate und ein digitales Info-board weisen im Schulhaus darauf hin, wie Rücksichtnahme und Sicherheit klappen.

Die gestaffelte Rückkehr in den Schulalltag bedeutet für Härpfer und sein Kollegium vor allem einen enormen logistischen Aufwand. „Wir müssen jede Woche neue Unterrichts- und Aufsichtspläne ausarbeiten“, sagt der Schulleiter. Jede Klasse wird derzeit halbiert, sodass nie mehr als elf bis 14 Kinder zusammensitzen. Das bringt nicht nur Abstand mit sich, sondern auch ein wirklich intensives Arbeiten, wie Härpfer positiv betont. „Ich bekomme sehr gute Resonanzen.“ Seit zweieinhalb Wochen arbeiten die Schüler der fünf zehnten Klassen so auf ihre Prüfungen hin. Seit Montag nun werden auch die Neuntklässler nach diesem Prinzip unterrichtet.

Klassenräume reichen nach Pfingsten nicht mehr aus

Einziger Wermutstropfen: Wenn nun die fünften und sechsten Klassen dazukommen, nach Pfingsten dann schließlich die siebten und achten, dann reichen die Klassenräume nicht mehr aus. Dann wären 42 statt der vorhandenen 30 notwendig. Deshalb ist es jedes Mal wieder eine zeitintensive Herausforderung, den zeitlich reduzierten und gestaffelten Unterricht so zu planen, dass alle zu ihrem Recht kommen. Vom 1. bis 9. Juli dauern die Prüfungen zur Mittleren Reife, danach entzerrt sich die Situation ein wenig.

Auch beim Einsatz der Lehrkräfte ist ein Umdenken nötig: Da vor allem die Kernfächer im Blickpunkt stehen, haben die einen Pädagogen über Gebühr viel zu leisten – sowohl im Präsenzunterricht als auch nach wie vor beim digitalen Home-schooling – die anderen wiederum weniger. „Wir werden auch da umschichten müssen“, sagt Härpfer.

Die Pausen funktionieren gut: Vier Bereiche stehen zur Verfügung, die gestaffelt benutzt werden. So trifft keine der halbierten Klassen mit anderen Schülern zusammen.

Abstandsregeln: Ermahnungen sind am Gymnasium Donauwörth immer wieder nötig

Gymnasium Donauwörth: Aktuell besuchen 265 von eigentlich 1050 Schülern den Unterricht. Seit drei Wochen bereiten sich 139 Abiturienten auf die Prüfungen ab dem 20. Mai vor, am Montag kamen 126 Elftklässler dazu. „Anfangs waren die Schüler unsicher, was auf sie zukommt. Jetzt müssen wir immer wieder ermahnen, dass Abstand gehalten wird“, berichtet Direktor Karl Auinger. Der Organisationsaufwand ist enorm: Genutzt werden die größten Räume für maximalen Abstand, statt langer Pausen gibt es zweimal zehn Minuten und nach jeder Stunde fünf Minuten Kurzpause mit Durchlüften. Auf dem Weg zum nächsten Klassenzimmer herrscht Maskenpflicht und wo es geht, wird der Ablauf so geregelt, dass sich möglichst wenig Schüler auf einmal begegnen oder Gruppen bilden können.

Über 60-jährige Lehrer wollen unterrichten

Ab 18. Mai kommen dann die Fünft- und Sechsklässler wieder zurück, und gleichzeitig beginnt das „rollierende System“ – jeweils die Hälfte der Klasse wird für eine Woche im Gymnasium unterrichtet, die andere Hälfte zu Hause. Dann wird gewechselt. Sportunterricht und freiwillige Fächer sind gestrichen: „Ich habe bereits einen ganzen Ordner voll mit amtlichen Verordnungen, was alles zu beachten ist“, erzählt Auinger von dem stetigen Neuorganisieren angesichts immer neuer Gegebenheiten. Doch so schnell, wie Medien berichten und daraufhin Eltern anrufen, kann das Kulturministerium gar nicht arbeiten. „Ich muss oft vertrösten, bis ich selbst die offiziellen Richtlinien kenne.“

Bei den Lehrer muss Karl Auinger auf niemanden verzichten. „Es gibt nur eine Handvoll der 90 Stammlehrer, die über 60 Jahre alt sind, aber die wollen unterrichten – auch, wenn sie zur Risikogruppe gehören“, so der Schulleiter. Er selbst gehört übrigens auch dazu. „Aber ich bin hier immer anzutreffen“, macht er klar. Die Abiturprüfungen werden übrigens erstmals in der Dreifachturnhalle stattfinden. Dort wurden bereits 139 Tische aufgestellt.

FOS/BOS: Unterrichtet werden nur die Prüfungsfächer

Hans-Leipelt-Schule: Auf der staatlichen Fach- und Berufsoberschule in Donauwörth nehmen aktuell 339 Schüler der zwölften und 13. Klasse am Unterricht im Schulgebäude teil. Unterrichtet werden nur die Prüfungsfächer. Die elften Klassen sowie die Vorklassen können erst ab dem 25. Juni wieder an die Schule. „Unsere räumliche Situation lässt es nicht zu, alle Klassenzimmer sind belegt“, sagt die Schulleiterin Doris Barth-Rieder. Zusätzlich mangelt es an Lehren, da nahezu alle im Unterricht der Abschlussklassen eingesetzt sind. Momentan arbeiten die Lehrkräfte in einem Vier-Schichten-Modell mit Beginn um 8.10, 8.55 Uhr, 11.30 und 12.15 Uhr. Aufgeteilt wurden die Klassen in eine Größe von etwa acht bis zehn Schülern. Die Pausen finden in den Klassenräumen statt, um den Kontakt und mögliche Gruppenbildungen zu vermeiden. Der Toilettengang und der Aufenthalt im Schulgebäude sind nur mit Maske gestattet. Im Unterricht selbst darf die Maske aber abgenommen werden. Drei Lehrkräfte fallen aus.

Eine Person kann wegen Vorerkrankungen nicht in die Schule. Eine Kollegin geht bald in den Mutterschutz, für die andere schwangere Lehrerin übernimmt ein Kollege den Präsenzunterricht. Sie kontrolliert aber weiterhin die Schulaufgaben und steht im engen Kontakt zu allen. „Die meisten sind glücklich, wieder in die Schule kommen zu dürfen“, so die Schulleiterin.

Schwangere Lehrerinnen werden vertreten

Grund- und Mittelschulen: Schulamtsdirektor Michael Stocker beschreibt die aktuelle Situation so: Es werden 1160 Grundschüler im Landkreis in den vierten Klassen unterrichtet. Bei den Hygienevorschriften hält man sich an die Maßgaben des Kultusministeriums.

Lehrkräfte aus der Risikogruppe mit Attest sind es gegenwärtig fünf. Dazu kommen sieben schwangere Lehrerinnen, von denen drei durch eine mobile Reserve vertreten werden. Die übrigen Vertretungen regeln die Schulleitungen autonom mit Lehrkräften, deren Schüler keine Präsenzpflicht haben (zweite und dritte Klassen), beziehungsweise mit Fachlehrkräften und Teilzeitlehrkräften ohne Klassenführung.

Seit Montag sind die vierten Klassen zeitlich eingeschränkt zurück in den Grundschulen. Ab Montag, 18. Mai, kommen schrittweise die Erstklässler zurück, an den Mittelschulen die Fünftklässler. Nach den Pfingstferien schließlich soll der Präsenzunterricht auch für alle übrigen Klassen wieder stattfinden.

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