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Landkreis Donau-Ries

26.03.2020

Wie sich das Coronavirus auf die Landwirtschaft in der Region auswirkt

In Sallach werden noch zahlreiche Erntehelfer gesucht, die ab sofort mit anpacken, etwa auf dem Appel-Hof.
Bild: Brems

Plus Das Coronavirus hat besonders Auswirkungen auf die Ernte von speziellen Kulturen wie etwa Spargel in der Region. Im Vorteil sind aktuell die klassischen Familienbetriebe. Warum das so ist.

Karlheinz Götz ist einer derjenigen, für den auch jetzt in der Krise das Leben ziemlich „normal“ weitergeht. Götz ist Landwirt in Birkhausen, derzeit kümmert er sich gemeinsam mit der Familie um die Kartoffeln. Und doch bietet sich in der Coronakrise ein zweigeteiltes Bild der regionalen Landwirtschaft: Die einen können ackern wie seit jeher, bei den anderen droht die Ernte auf den Feldern zu verrotten. Woher kommt dieser Unterschied?

Zwei- oder sogar Dreiteilung im landwirtschaftlichen Bereich

Karlheinz Götz hat einen umfangreichen Überblick darüber, wie es den Bauern in der Region geht. Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) sieht in der Coronakrise eine deutliche Zwei-, wenn nicht gar Dreiteilung im landwirtschaftlichen Bereich: Zum einen die konventionelle, herkömmliche Landwirtschaft. Sie betreiben über 95 Prozent der Betriebe im Landkreis Donau-Ries, berichtet Götz. Dabei handele es sich meist um klassische Familienbetriebe. Sie spürten die wirtschaftlichen Veränderungen durch die Coronakrise bislang kaum, so der BBV-Mann.

Zum anderen jedoch hätten sogenannte Spezialkulturen, die viel händische Arbeit und damit zahlreiche Erntehelfer erfordern, dieser Tage enorm zu kämpfen. Im Landkreis betreffe das jene Betriebe, die Spargel und Erdbeeren anbauen. Durch den Einreisestopp für ausländische Erntehelfer drohen hier die Früchte auf dem Feld ungeerntet welk zu werden. Die „Hackkräfte“ fehlen hinten und vorne – allem voran beim Spargel, der jetzt gestochen werden soll, ist das zu spüren.

Wie sich das Coronavirus auf die Landwirtschaft in der Region auswirkt
Auf dem Hof der Familie Götz in Birkhausen (links) sortieren die Familienmitglieder wie eh und je die Kartoffeln.
Bild: Götz

Eine weitere Gruppe, die laut BBV aktuell stark zu leiden hat, sind die Biobauern, die ebenfalls stärker auf Erntehelfer setzt – eben weil auch in diesem Bereich viel Unkraut händisch bekämpft wird. Götz selbst führt einen konventionellen Betrieb, die Familie packt maßgeblich mit an – und eigentlich arbeitet man an den Kartoffeln gerade wie eh und je. „Wir können im Familienbetrieb jederzeit arbeiten“, sagt Götz und fügt hinzu: „In schweren Zeiten bewährt sich das konservativ-klassische Prinzip.“ Götz’ Sohn besucht eigentlich gerade die Landwirtschaftsschule, nun ist er zu Hause, hilft mit. Auch der Vater mit 82 Jahren fährt mit raus aufs Feld.

Preis für Schweinefleisch im Keller

Der Verbands-Obmann betont aber auch, dass die Märkte seit Beginn der Krise „durcheinander“ seien. Hier mache sich bemerkbar, dass der Preis für Schweinefleisch im Keller sei. Der Export in Nationen wie China sei „runtergegangen“, Kantinen und Restaurants geschlossen, Fast-Food-Ketten verlangten weniger Mengen. Putenbetriebe wüssten derzeit nicht, ob ihnen das Fleisch abgenommen werde.

Merklich auch die Entwicklung bei den Kartoffeln: Kleinere abgepackte Mengen bis zu zehn Kilogramm liefen gut, die großen Chargen weniger. Der Grund: „Die Menschen essen weniger Pommes. Die Stadiongastronomie fällt weg und Fast-Food-Lokale brauchen weniger. Zu Hause bereiten sich die Leute Pommes frites eben nicht in diesen Mengen zu.“ Er selbst habe gut 3000 Tonnen Kartoffeln im Lager – anderen Kollegen gehe es ähnlich. Ein genereller Lebensmittel-Engpass im Land sähe wohl anders aus. Das Resultat der fehlenden Großabnehmer: Der Kartoffelpreis ist von 16 Euro pro 100 Kilogramm auf aktuell 4,50 Euro gefallen. Der Weizenpreis habe sich indessen aber „wieder gefangen“.

Es fehlt an Erntehelfern

Zu kämpfen hat derweil Ingrid Appel auf dem gleichnamigen Hof in Sallach. Der Betrieb hat sich auf Spargel und Erdbeeren spezialisiert, ist stark auf Hunderte Erntehelfer angewiesen, die meist aus Rumänien und Polen kommen. Derzeit seien nur ein Fünftel bis ein Viertel der notwendigen Helfer vor Ort. Der Rest habe aktuell schier keine Möglichkeit, überhaupt ins Land zu kommen. Die Situation sei inzwischen „extrem dramatisch“, sagt Appel. Die vorhandenen Erntehelfer könnten gerade nur einen Bruchteil des Spargels ernten.

Doch die Zeit drängt – die Spargelernte endet am 24. Juni. Man suche, wie andere Spargel-Betriebe auch, händeringend nach Arbeitskräften. Doch die Spargelernte ist keine leichte Arbeit und sie sei kompliziert, sagt Appel. Deutsche Kräfte hätten sich in den vergangenen Jahren kaum für diese Arbeit entschieden. Ob sich das nun in der Krise ändert? Viele hoffen es.

Für den Landwirt Karlheinz Götz ergibt sich bereits jetzt eine wichtige Erkenntnis: Das Althergebrachte sei ein gewichtiger Teil der Lösung – Regionalität, die Landwirtschaft vor Ort, Direktvermarktung, Hofläden. „Jetzt sieht man, wie wichtig es ist, dass Bauern direkt im Land, vor Ort produzieren.“ Er hofft nun darauf, dass diese Erkenntnis auch in die Politik durchdringt und die heimischen Bauern nicht weiter mit neuen Verordnungen unter Druck gesetzt werden.

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar: Die regionale Produktion ist wichtiger denn je

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