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Wirtschaft

20.11.2019

Zeitarbeit als Sprungbrett in den Arbeitsmarkt

Die Zeitarbeitsfirma KMS vermittelt nicht nur Personal in Luftfahrtunternehmen und Industrie, sondern bildet auch selbst aus und weiter – wie hier in der eigenen Werkstatt in Donauwörth. Für Turgay Dincer ist das ein guter Weg, Menschen in Arbeit zu bringen.
Bild: Szilvia Iszo

Die Leiharbeitsfirma KMS verfolgt ein in Bayern einmaliges Konzept der Personalvermittlung. Aus Sicht der Geschäftsführung zeigt es, dass Zeitarbeit ein erfolgreiches Mittel für die Rückkehr in den Job sein kann.

Männer und Frauen stehen in einer Werkstatt und lernen dort von einer Fachkraft, wie man richtig bohrt und nietet, wie man mit dem Leichtbaukunststoff CFK umgeht und diesen mit Metallen verbindet. Eingesetzt werden teures Originalmaterial und -werkzeug aus der Luftfahrtindustrie. Denn für einen Einsatz in dieser Branche werden die Kursteilnehmer derzeit ausgebildet.

Vier Wochen lang dauert die Ausbildung, die mit einer Prüfung abgeschlossen wird. Angeboten wird sie aber nicht von einem Bildungsträger oder einer Ausbildungsabteilung eines Luftfahrtunternehmens, sondern von der Donauwörther Zeitarbeitsfirma KMS.

Firma setzt auf Weiterbildung und Qualifizierung

Der Personaldienstleister hat sich auf Unternehmen aus der Luftfahrt und der Industrie spezialisiert und verleiht Personal an große Unternehmen der Luftfahrtbranche aus Augsburg oder Donauwörth. Dabei setzt KMS nicht nur auf die reine Vermittlung, sondern auch auf Weiterbildung und Qualifizierung. 2007 ergänzte Geschäftsführer und Inhaber Turgay Dincer die Zeitarbeitsfirma um die Ausbildungsstätte. „Hier können wir Mitarbeitern aus anderen Branchen wie Kfz-Mechanikern oder Industriemechanikern die nötigen Kenntnisse vermitteln, um sie bei einem der Luftfahrtunternehmen einsetzen zu können“, berichtet Dincer. Ohne diese Fähigkeiten hätten sie in dieser Branche sonst keine Chance, einen Arbeitsplatz zu finden.

Zeitarbeit als Sprungbrett in den Arbeitsmarkt

Auch für ungelernte Kräfte und Helfer setzt sich Dincer ein und hat dafür in einem anderen Gebäudeteil eine Schweißerei eingerichtet. Hier können schwächere Arbeitnehmer neue Fähigkeiten erlernen. „Das steigert die Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden, und die Möglichkeit, mehr Gehalt zu bekommen“, berichtet er. Auch den Staplerschein lässt Dincer seine Mitarbeiter erwerben, wenn es für die weitere berufliche Karriere sinnvoll ist. Andere vermittelt er in Weiterbildungsmaßnahmen bei der IHK.

Rund 200.000 Euro investiert Turgay Dincer pro Jahr in die Weiterbildung und Qualifizierung der KMS-Mitarbeiter. Ein Teil der Kosten wird auch über die jeweiligen Kundenunternehmen refinanziert. Ziel ist es, den Unternehmen gute und zuverlässige Kräfte anzubieten, die im Idealfall übernommen werden. „Wenn sie nicht investieren und fördern, wird das nur schwer gelingen“, ist Dincer überzeugt. Seit 2007 hat er eigenen Angaben nach rund 900 Menschen in seinen Werkstätten für den Einsatz in der Luftfahrtbranche ausgebildet. Etwa 600 sind in feste Arbeitsverhältnisse übernommen worden. „KMS verzeichnet knapp 30 Prozent Übernahmen in Festanstellung und zeigt, dass die Zeitarbeit immer noch eine sehr gute Möglichkeit bietet, in einem Unternehmen langfristig Fuß zu fassen“, so Dincer.

Mitarbeiter werden nicht als Ware betrachtet

Das Konzept von KMS ist einmalig in Bayern, so der Geschäftsmann. So ein Angebot gebe es bei keinem anderen Personaldienstleister. Dieser Aufwand werde betreiben, weil für Dincer die Mitarbeiter keine Ware sind, sondern Menschen wie er selbst. „Wir geben jenen, die auf dem freien Arbeitsmarkt keine oder nur wenige Chancen haben, die Möglichkeit, sich bei uns zu qualifizieren und für den Einsatz im Berufsleben fit zu machen“, erzählt er.

Immer wieder hätte KMS in den zurückliegenden Jahren zudem Beschäftigte nach größeren Firmenpleiten aufgenommen und sie mit dem hauseigenen Konzept wieder in Arbeit gebracht. Deshalb ärgere es ihn auch, dass noch immer viele schlecht über die Zeitarbeit denken. Auch das Vorurteil, diese Mitarbeiter würden schlechter bezahlt, weist er vehement zurück: „Wer beispielsweise einem Einsatz in einem Luftfahrtunternehmen in der Region Donauwörth nachgeht, erhält ab dem vierten Monat die gleiche Bezahlung wie die Festangestellten, wenn er selbst Mitglied in der IG-Metall ist“, erklärt Dincer. Ohne eine IG-Metall-Mitgliedschaft erfolge die gleiche Bezahlung ab dem sechsten Monat. In nicht tarifgebundenen Unternehmen erfolge die Zahlung nach „equal pay“ ab dem neunten Monat. Dazu sei die Bezahlung der Mitarbeiter durch den angewandten Tarifvertrag in der Zeitarbeit sowieso eindeutig geregelt.

Eine Stütze für Beschäftigte

Bei größeren Unternehmen aus der Luftfahrtbranche oder der Industrie käme es zudem nicht selten vor, dass auch Mitarbeiter mit geringerer Qualifikation einen deutlich höheren Stundenlohn erhalten als branchenüblich. „Ohne uns als Zeitarbeitsfirma wären diese Beschäftigten aber nie an diesen Arbeitsplatz gekommen“, sagt Dincer. Weiter jammern will er aber nicht, sondern lieber über die positiven Dinge sprechen. KMS ist mittlerweile so erfolgreich, dass auch andere Zeitarbeitsfirmen ihre Mitarbeiter für Qualifizierungsmaßnahmen nach Donauwörth schicken.

Für die Zukunft wünscht sich der Geschäftsmann, dass sein Unternehmen – es hat mittlerweile neun Standorte – Stütze für Beschäftigte sein kann. „Unter die Haut gehen Momente, wenn Mitarbeiter die Festanstellung in einem Unternehmen ablehnen und lieber Mitarbeiter bei uns bleiben wollen. Dann wissen sie, dass sie vieles richtig machen“, sagt der Geschäftsmann strahlend. Aber natürlich sei jeder in Festanstellung übernommene Mitarbeiter ebenso eine Freude. Denn hier habe die Zeitarbeit tatsächlich als Sprungbrett funktioniert.

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