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DZ-Adventskalender

13.12.2020

Türchen 13: Nightmare before Christmas

AZ-Grafik

Öffnen Sie das dreizehnte Türchen in unserem digitalen Adventskalender. Das Thema 2020: Weihnachtsfilme. Heute: Nightmare before Christmas.

Es ist Heiligabend und alle Kinder warten auf den Weihnachtsmann, der ihnen schon bald die Gaben unter den Baum legend wird. Ein Schlitten fliegt durch die Wolken, es poltert auf dem Dach – das muss er sein. Ein kleiner Junge wacht von dem Lärm auf und schleicht sich vorsichtig in das Weihnachtszimmer. Da, eine klapperdürre Gestalt im roten Mantel kommt durch den Kamin geklettert und nähert sich mit einem Sack voller Geschenke. Unter der roten Zipfelmütze starrt ein Totenschädel den Jungen mit leeren Augen an. Eine Konchenhand reckt sich dem vor Angst gelähmten Kleinen entgegen und tätschelt sein Gesicht. „Für dich habe ich ein besonderes Geschenk“ krächzt er, überreicht ein Päckchen und verschwindet. Dieselbe Gestalt zeigt sich in immer mehr Häusern. Die Geschenke? Schrumpfköpfe, ekelhafte Schlangen, die alles verschlingen, Spielzeug das beißt. Ein Weihnachtsfest des Schreckens. Die Kinder schreien vor Angst, die Eltern rufen die Polizei. Oben, am Himmel aber fliegt der Knochenmann in einem von Rentierskeletten gezogenen Sarg und ruft „Ho, ho, ho, fröhliche Weihnachten!“

Ganz schön schräg – und ganz schön unheimlich für einen Film, der ab sechs Jahren freigegeben ist. Ausgedacht hat sich das Musical Tim Burton, Hollywoods Spezialist für das Schrille und Makabre. Von ihm stammen Werke wie „Beetlejuice“, „Edward mit den Scherenhänden“, „Mars Attacks“ oder „Corps Bride“. Nach eigener Aussage war Burton schon als Kind fasziniert von beiden Feiertagen, Halloween und Weihnachten. Einmal soll er an einem Schaufenster vorbeigekommen sein, in dem die Grusel-Deko noch nicht ganz abgeräumt, aber der Weihnachtsschmuck teilweise schon aufgestellt war. Das soll ihn später auf die Idee für seinen Film gebracht haben. „Nightmare before Christmas“ aus dem Jahr 1993 ist jedenfalls ein echtes Burton-Inferno: skurrile, aufwändig gestaltete Horror-Kreaturen, schwarzer Humor und verstörende Interaktionen zwischen der Welt der Lebenden und der Toten.

Nightmare Before Christmas“ Animationsfilm, USA 1993, Regie: Henry Selick, nach einer Story von Tim Burton, Dauer: 73 Minuten, FSK 6

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Jack Skellington, der Herrscher der Halloween-Welt. Dort ist es düster, fahl und kalt. Skellington hat die Nase voll davon, immer nur die Leute zu erschrecken. Durch Zufall gerät er in die Weihnachtswelt, wo es warm ist und farbenfroh glitzert. Er beobachtet das Treiben der Weihnachtselfen ohne es ganz zu verstehen. Zurück im Halloween-Land grübelt er darüber nach, was wohl der Sinn dieses Festes sein könnte. Als er dann beschließt, Santa Claus zu entführen und selbst dessen Rolle zu übernehmen, machen seine Untertanen begeistert mit. Für sie ist es ein neuer Trick um Angst und Schrecken zu verbreiten. Nur Jack Skellington glaubt, er könnte tatsächlich Weihnachtsfreude zu den Menschen bringen.

Halloween und Weihnachten - kann es einen größeren Gegensatz geben?

Das Fest des Grauens und der Bosheit gegen das Feste der Liebe und des Friedens. Ein religiöser Feiertag hier, ein heidnischer dort. In Deutschland ist dieser Gegensatz besonders fühlbar, ist doch Weihnachten eine einheimische Tradition, Halloween ein Import. 1991 brachten die Scherzartikel- und Kostümverkäufer in Deutschland ihr Geschäft mit Halloween wieder in Schwung, nachdem der Fasching wegen des Golfkrieges abgesagt worden war. Allerdings ist Halloween weder völlig fremd noch durch und durch heidnisch. Zwar gilt das Fest allgemein als uralte keltische Tradition. Wissenschaftler halten das aber für eine Legende, die erst im 19. Jahrhundert im Zuge einer romantischen Kelten-Begeisterung entstanden ist. Der Name Halloween kommt von dem englischen Wort für den Vorabend von Allerheiligen, „All Hallows’ Eve“. Auch Weihnachten soll ja angeblich heidnische Wurzeln haben. – ebenfalls eine Idee romantisch gesinnter Volkskundler des 19. Jahrhunderts, die jede Festtagstradition am liebsten bis in die Steinzeit zurückverfolgen wollten. Vom Sonnwendfest der Germanen über das römische Fest der unbesiegbaren Sonne „Sol Invictus“ bis hin zu den Saturnalien seien es heidnische Feste gewesen, die die Kirche vereinnahmt und mit neuem Inhalt gefüllt habe. Noch heute ist die These, viele christliche Feste hätten heidnische Wurzeln, höchst populär. Völlig abwegig ist das sicher nicht, vermutlich haben die Menschen schon immer Rituale für alle Jahreszeiten gehabt. Auch die Saison, in der die Nächte länger werden, die Felder abgeerntet sind und die Natur in einen todähnlichen Schlaf fällt, kannte wohl ihre Sitten und Gebräuche. Allerdings wissen wir über diese Riten sehr wenig und vieles, was durch die populäre Literatur geistert, ist historisch nicht nachweisbar. Es gibt keine Belege für die Existenz der angelsächsischen Göttin Ostara, von der das Osterfest angeblich seinen Namen geerbt hat. Auch der keltische Totengott Samhain, aus dessen Kult Halloween entstanden sein soll, ist vermutlich eine Konstruktion übereifriger Altertumsforscher.

Auch als DVD: Nightmare before Christmas
Bild: Sophia Kirchmair

Obwohl Halloween aus kommerziellen Gründen in den deutschen Festtagskalender hineingedrückt worden ist, ganz unbekannt war das Geisterfest bei uns nicht. So gab und gibt es in verschiedenen Regionen den Brauch des Rübengeisterns oder Traulichts. Hierzu wurde ein Geisterkopf aus einer Zuckerrübe geschnitzt und von Haus zu Haus getragen, natürlich mit der Bitte um milde Gaben. Inzwischen verdrängt der Kürbis diese alteingesessenen Traditionen. Auch zur Weihnachtszeit treiben dunkle Gestalten wie die Perchten und Klausen ihr Unwesen und das nicht nur im Alpenland. Der Schriftsteller Nikolai Gogol schrieb im 19. Jahrhundert eine Geschichte, in der der Teufel in der Nacht vor Weihnachten in einem ukrainischen Dorf herumspukt. Seine Erzählung „Die Nacht vor Weihnachten“ wurde mehrmals verfilmt; von der DEFA deutsch synchronisiert wurde die Version von 1961 des Regisseurs Alexander Rou mit dem Schauspieler Georgi Milljar, einem Spezialisten für Spukgestalten in sowjetischen Filmen.

In der Winterzeit werden Heischbräuche gepflegt

Halloween ist also weder ganz heidnisch noch ganz fremd. Geschäftemacherei? Ja sicher aber mal ehrlich, ganz ohne Kommerz geht es auch an Weihnachten nicht. Bleibt noch die Sache mit dem Krawall. Traditionen, die mit Nötigung bis hin zur Sachbeschädigung verbunden sind, haben naturgemäß nicht nur Freunde. An Weihnachten hingegen wird nichts mit Druck und Drohungen eingefordert, es wird vielmehr mit freudigem Herzen gegeben. Ganz so eindeutig verhält es sich jedoch auch hier nicht. In vielen Regionen Europas wurden und werden in der Winterzeit sogenannte Heischebräuche gepflegt. Das ist auch in Gogols ukrainischer Weihnachtsgeschichte zu sehen. Gruppen meist jüngerer Menschen ziehen durch die Straßen, singen Lieder und sammeln Gaben ein. Die heutigen Sternsinger tun nichts anderes, nur in zivilisierter Form. In England und Amerika war solches Treiben früher oft auch mit Randale verbunden. Das ging so weit, dass Regierungen immer wieder Verbote erließen. Vermutlich wäre Jack Skellington, der Herrscher der Halloween-Welt, überrascht, wenn er wüsste, wie viel Weihnachten und sein eigenes Fest gemeinsam haben.

Sein eigener Einsatz als Weihnachtsmann endet jedoch kläglich und heilt ihn von dem Verlangen, sich weiter auf diesem Gebiet zu versuchen. Schließlich findet der Knochenmann zu Hause auch noch die Liebe. Doch das ist wieder ein anderer Feiertag – uralt und modern, mit Wurzeln bis in die Antike, amerikanisch und durch und durch kommerziell.

Morgen: Kinder werden bei einer Zugfahrt zum Nordpol von Geistern und dem Weihnachtsmann geläutert

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