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DZ-Adventskalender

24.12.2020

Türchen 24: Die allererste Weihnachtsgeschichte

AZ-Grafik

Öffnen Sie das 24. Türchen in unserem digitalen Adventskalender. Das Thema 2020: Weihnachtsfilme. Zum Abschluss die allererste Weihnachtsgeschichte.

Der himmlische Chor singt, die Sterne flimmern über dem Erdenrund, feierlich erklingen Glocken. Vor dem Horizont sind die Silhouetten dreier prächtig geschmückter Reiter zu sehen – die Weisen aus dem Morgenland. Sie sind von weit hergekommen, das himmlische Kind anzubeten. Als sie den ärmlichen Stall betreten, fällt die Mutter erst einmal vor Schreck von Stuhl, dann fängt sie an zu keifen. Wer seid ihr, was wollt ihr hier, warum so spät in der Nacht? Erst als sie das Wort „Geschenke“ hört, ändert sie ihren Ton. Gold und Weihrauch? Her damit! Nur mit der Myrrhe weiß sie nichts Rechtes anzufangen. Die drei Weisen knien nieder und preisen den Neugeboren. Brian soll er heißen und es ist ihm bestimmt, dereinst am Kreuze zu sterben. Doch als die Männer die schäbige Unterkunft verlassen haben, bemerken sie ihren Irrtum. Dort drüben ist der richtige Stall, dort leuchtet himmlisches Licht, dort sehen sie Maria und Josef mit glänzenden Heiligscheinen. Schnell kehren sie zurück, reißen der verdatterten Frau die Gaben aus der Hand und legen sie dem echten Messias zu Füßen.

Auch der unechte Messias ist kein Unbekannter geblieben. Es ist der, der die Menschen vergeblich aufforderte, ihm nicht nachzufolgen, sondern selbst zu denken. Das „Leben des Brian“ von Monty Python, heute bisweilen sogar im Religionsunterricht gezeigt, war beim Kinostart im Jahr 1979 dem Vorwurf der Blasphemie ausgesetzt und wurde in mehreren Ländern zunächst verboten.

Die Bibel und der Film – keine einfache Sache

Die Bibel zu verfilmen ist aber auch wirklich eine höllisch undankbare Aufgabe. Die Texte sind alt, sperrig, ehrwürdig, heilig gar und damit nicht unbedingt für ein Drehbuch prädestiniert. Lange Zeit lieferte Hollywood schwülstige Kostümschinken ohne inhaltlichen Anspruch – so wie der Monumentalfilm „Die zehn Gebote“ von Cecil DeMille aus dem Jahr 1956 mit Charlton Heston und Yul Brynner. Er beeindruckt vor allem durch für die damalige Zeit aufwendige Special Effects. Wer sich hingegen traut, eigne Ideen zu entwickeln, so wie Martin Scorsese 1988 in „Die letzte Versuchung Christi“, der riskiert wütende Reaktionen konservativer Gläubiger. Mel Gibsons „Passion Christi“ von 2004 wiederum stieß bei liberalen Christen wegen exzessiver Gewaltdarstellung und antisemitischer Untertöne auf Ablehnung.

Die Weihnachtsgeschichte ist, anders als die Passion oder der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, ein eher unspektakulärer Plot. Vieles, was wir heute damit verbinden, steht so nicht in der Bibel. Volkstümliche Krippenspiele, die es seit dem Mittelalter gibt, berichten ausführlich, wie die geizigen Herbergswirte von Bethlehem dem heiligen, aber insolventen Paar schnöde die Tür weisen. Das ist genauso eine außerbiblische Legende wie der Stall, in dem sie schließlich Unterkunft finden und wie Ochs und Esel, die ihnen dort Gesellschaft leisten. Bei Lukas heißt es lakonisch „Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.“ Aber selbst die knappen Angaben, die die biblische Weihnachtsgeschichte bietet, sind vermutlich dort platziert worden, um Christus als den im Alten Testament angekündigten Messias auszuweisen. Moderne Theologen vermuten beispielsweise, dass Jesus gar nicht in Bethlehem, sondern in Nazareth auf die Welt kam. Die Stadt Davids musste es aber sein, denn von dort sollte er kommen, der Erlöser.

Der Engel Gabriel verkündigt den Hirten Lukas und Matthäus die frohe Botschaft.
Bild: Fred Steinbach

Ob das für den eigenen Glauben wichtig ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Weihnachtsgeschichte aber ist zur Ikone geworden. Kann sie anders gespielt werden, als so, wir sie seit unserer Kindheit kennen? Mit bösen Wirten und guten Hirten, mit Engeln und Lämmchen? Doch selbst mit all diesem schmückenden Beiwerk ist sie schnell erzählt. Wer daraus einen abendfüllenden Film machen will, braucht zusätzlichen Stoff. Häufig greifen Autoren dafür zu einer Parallelgeschichte, die sich am Ende mit der biblischen kreuzt. Das bietet die Möglichkeit, neue Figuren einzuführen, die etwas mehr Handlungsfreiheit haben als die kanonischen aus der Bibel. Selbst die respektlose Monty-Python-Truppe schreckte davor zurück, Witze über Jesus zu machen und erfand daher Brian, den Propheten wider Willen.

Die Weihnachtsgeschichte der Augsburger Puppenkiste

Die Augsburger Puppenkiste ist nicht Monty Python und wendet sich an ein jüngeres Publikum. Im Heilig-Geist-Spital wählte man Tiere als Hauptdarsteller ihrer weihnachtlichen Krippenspiele. Seit 1959 macht sich ein Eselchen auf die Suche nach dem Christkind und landet nach einigen Abenteuern schließlich in Bethlehems Stall. Dass Marias Stimme dabei so die klingt wie die der Schweinedame Wutz aus dem „Urmel“, trägt zum Charme dieser wunderbar altmodischen Schwarz-Weiß-Produktion bei. Auch in der 60minütigen Weihnachtsgeschichte von 2016 wird die Erzählung von der Verkündigung bis zur Geburt kindgerecht aus der Sicht von Esel, Ochse und Kamel erzählt. Originelle Einfälle wie die Idee, die drei weisen Sterndeuter verschiedene Dialekte sprechen zu lassen, machen die spröde Geschichte kurzweilig, ohne ins Alberne abzugleiten.

In den USA schufen die Puppenfilm-Spezialisten Arthur Rankin und Jules Bass viele populäre Weihnachtsfilme für Kinder; über Santa Claus, über Rudolph das Rentier, aber auch einige mit biblischen Anklängen sind darunter. 1968 brachten sie die Geschichte vom kleinen Trommler heraus, angelehnt an den Song „The Little Drummer Boy“ – das mit dem markanten „Rom-pom-pom-pom“. Das Stück bietet sich für eine Verfilmung an, es handelt von einem armen Jungen, der dem Christuskind ein Trommelsolo zum Geschenk macht, weil er sonst nichts zu geben hat. 1977 präsentierten Rankin/Bass Nestor, das Eselchen mit den viel zu langen Ohren. Wegen seines Aussehens wird er von den anderen Tieren verspottet, doch schließlich darf er Maria zu Bethlehems Stall tragen. Der Außenseiter wird zum Helden, ein Aufguss der ebenfalls von Rankin/Bass verfilmten Geschichte von Rudolph, dem Rentier mit der roten Nase.

Der Realfilm „Es begab sich aber zu der Zeit…“ von 2006 verzichtet auf Nebenhandlungen und versucht, die Weihnachtgeschichte in ihrem biblischen Kontext zu erzählen. Die Unterdrückung des Volkes Israel durch König Herodes und die Römer bildet den Rahmen. Die Handlung beginnt drastisch mit dem Kindermord von Bethlehem und erzählt dann in Rückblende die Geschichte von Verkündung der Geburt Johannes des Täufers bis zur Flucht nach Ägypten. Regisseurin Catherine Hardwicke bemühte sich, einerseits so nahe wie möglich am Original zu bleiben, andererseits aber auch modernen Gedanken Raum zu geben, wie etwa dem Zweifel an dem göttlichen Ursprung von Marias Schwangerschaft. Josef, sonst eher eine blasse Nebenfigur, kommt in diesem Film auch einmal zu Ehren. Das Ergebnis enttäuschte die meisten Kritiker, aber, wie gesagt, bei Bibel-Verfilmungen ist immer irgendjemand unzufrieden. Wie, bitte, spielt man denn ein heranwachsendes Mädchen, das soeben aus dem Munde eines Engels erfahren hat, dass sie vom Heiligen Geist schwanger ist?

Was wir von Ikonenmalern lernen können

Vielleicht ist professionelle Schauspielkunst nicht das beste Medium für diese geheimnisvolle Geschichte? Ist nicht ein Krippenspiel, bei dem Kinder ihre Texte unbeholfen, aber mit großem Ernst zum Besten geben, viel passender? Eine altehrwürdige Geschichte verlangt nach archaischen Darstellungsformen. So wie die Ikonen der Ostkirche. Sie bilden sakrale Szenen nicht deshalb so schablonenhaft ab, weil die Maler es nicht besser könnten, sondern weil sich das Heilige eben nicht realistisch darstellen lässt. Ähnlich ehrwürdig und körperlos wie die Ikonenmalerei ist das Schattenspiel. Lotte Reiniger (1899 – 1981), die heute fast vergessene Meisterin dieser Kunst, schuf 1956 den knapp 20minütigen Film „Der Stern von Bethlehem“. Ihre schwarzen Silhouetten bewegen sich vor einer farbigen Kulisse, die Figuren beeindrucken durch ihren Detailreichtum und ihre fließenden Bewegungen. Künstlerische Freiheiten erlaubte sich Reiniger bei den Abenteuern der drei Weisen aus dem Morgenland, die auf ihrem Weg nach Bethlehem von Teufeln angegriffen werden. (Spoiler: Sie schaffen es dennoch bis zur Krippe.)

Könnte man alle je aufgeführten Krippenspiele zusammenzählen, dürfte sich die biblische Weihnachtsgeschichte als das am häufigsten gespielte Stück der Weltgeschichte erweisen. Ohne sie gäbe es die anderen Geschichten nicht, die in diesem Adventskalender vorgestellt wurden. Nicht die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens, nicht den Slapstick mit der Familie Griswold oder den abgestürzten Weihnachtsmann in „Bad Santa“. Viele Motive, die in den vorgestellten Filmen anklingen, sind Bestandteil der biblischen Weihnachtsgeschichte – Armut, Heimatlosigkeit und Verfolgung, aber auch Familie, Hoffnung, Erlösung. Sehen heißt Glauben, sagt man. In den in diesem Adventskalender vorgestellten Filmen ist zu sehen, wie Menschen in der Weihnachtszeit geläutert werden. Doch was ist mit den Zuschauern? Werden die auch geläutert beim Anschauen der Geschichten? Verinnerlichen sie die Botschaften? Macht Weihnachten, machen Weihnachtsfilme uns zu besseren Menschen? Auszuschließen ist das nicht, aber auch wenn sie uns nur gut unterhalten, haben sie schon etwas erreicht.

In diesem Sinne – frohe Weihnachten!

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