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Dillingen

14.07.2020

Werden im Landkreis Dillingen zu viele Feldwege geteert?

Ein Feldweg.
Bild: Siegfried P. Rupprecht (Symbol)

Plus Bund Naturschutz kritisiert Staatsregierung. Bei der Klimakonferenz der Grünen im Internet stellt Killerpilz Jo Halbig eine Gretchenfrage.

„Ich frage mich, warum Klimaforscher nicht mit genauso offenen Ohren gehört werden wie Virologen.“ In Zeiten einer Pandemie liegt diese Frage nahe. Bei der digitalen Klimakonferenz der Grünen kam sie allerdings nicht von den Experten der Grünen, sondern von einem „Otto Normalverbraucher“. Wobei man Jo Halbig kaum als einen solchen klassifizieren sollte. Denn dem Bandleader der Killerpilze kann man einen nicht unerheblichen Promifaktor kaum absprechen. Und so war er sicherlich auch eine Art „Lockvogel“ für viele Fans der KP-Family, die Halbig mal auf dieser eher politischen Bühne sehen wollten.

Schwerpunkt liegt in der Klimaforschung

Eine Klima-Konferenz im Netz hat zudem den großen Vorteil, dass man dazu lediglich auf der Informations-Autobahn anreisen muss. Das schont Umwelt und Klima. Allerdings bergen selbst digitale Konferenzen, Webinare (Web-Seminare), Videokonferenzen die Gefahr, dass die virtuelle Autobahn plötzlich auf einem digitalen Feldweg endet. So erging es Wolfgang Buermann. Der Lehrstuhlinhaber für physikalische Geografie mit Schwerpunkt Klimaforschung an der Uni Augsburg blieb nach einiger Zeit irgendwo zwischen seinem Homeoffice und dem Bildschirm der Teilnehmer in einem Datenloch auf dem Info-Highway stecken. Zum Glück hatte er zu diesem Zeitpunkt schon vieles über sein Forschungsgebiet erzählt.

Was Dillingens Grünen-Vorsitzende Terpoorten sagt

Die frappierendste Aussage: Momentan sei man in einer Phase der Begrünung der Erde, da Co2 in der Atmosphäre als Dünger für Pflanzenwachstum diene. Die Fotosynthese werde effektiver und der Düngeeffekt global gesehen sehr stark. Und da mehr Co2 aus der Atmosphäre gezogen werde, verlangsame dies den Klimawandel. Doch sofort warnte Buermann, ob dies nicht ein „Bärendienst“ sei. Er sieht die Gefahr, dass der „Klimastress“ durch Wetterextreme zunehme und die Produktivität dann wieder negativ beeinflusst werde. Die entscheidende Frage: Wie kann man Co2 aus der Atmosphäre wieder in die Biosphäre bringen, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Aufforstung wäre eine Möglichkeit, hier seien allerdings große Länder wie Russland, China, die USA oder Brasilien gefragt.


So sah man sie auf dem Bildschirm bei der Klima-Konferenz der Grünen im Internet: Heidi Terpoorten, Eva Lettenbauer, Jo Halbig und Prof. Wolfgang Buermann.
Bild: Hans Gusbeth


Ebenfalls auf Feldwege begab sich Heidi Terpoorten. Allerdings auf reale heimische Feldwege. Sie kritisierte, dass im Landkreis Dillingen das landwirtschaftliche Kernwegenetz, das ganz Bayern durchziehe, um 60 Kilometer geteerte Wege erweitert werden solle. „Das findet im Verborgenen statt“, schimpft die Vorsitzende des Bund Naturschutz im Kreis und verweist auf Planungen etwa im Bereich Ober- und Unterfinnigen sowie Mörslingen. Der Bund Naturschutz sei dazu nicht einmal gehört worden. Terpoorten forderte grundsätzlich eine zukunftsgerechtere Form der Verkehrsgestaltung und der Mobilität.

Was Eva Lettenbauer dazu sagt

Auch Eva Lettenbauer kritisierte den Flächenfraß in Bayern. Die Grünen-Landtagsabgeordnete und Landesvorsitzende verwies darauf, dass im Freistaat pro Tag 11,7 Hektar versiegelt würden, in Baden-Württemberg seien es dagegen weniger als die Hälfte. Der Freistaat sei damit „trauriger Spitzenreiter“. Bundesweit seien fünf Hektar Gesetz, doch die schwarz-orange Regierung habe dies lediglich als „freiwilliges Ziel“ beschlossen. Lettenbauer moderierte die Klima-Konferenz im Netz. Sie musste dabei gleichzeitig eine überquellende Themenvielfalt wie auch die zahlreichen Zuhörerfragen dazu bändigen und verteilen. Das Spektrum war enorm, von Aufforstung bis Fleischpreise, von Burnout bei Landwirten bis Fridays for Future, von Rufbussen bis erneuerbaren Energien. Und: Es war in 90 Minuten nicht auch nur annähernd zu bewältigen.

Auch ein "Killerpilz" diskutiert mit

Musiker Halbig schlug sich indes recht wacker, auch wenn er immer wieder behauptete, von allen Teilnehmern die wenigste Ahnung vom Thema zu haben. Allerdings seien ihm Nachhaltigkeit, Umweltschutz und ein bewusster Umgang mit „unseren Ressourcen“ sehr wichtig. Halbig brachte – ganz Profi – seine Kompetenz in Sachen Kommunikation (studierter Kommunikationswissenschaftler) mit ein. Das Bürgerbegehren „Rettet die Bienen“ sei durch die richtige Kommunikation, den richtigen, weil einfachen Slogan und die gebündelte Vorgehensweise so erfolgreich geworden. Von der Politik erwartet Halbig auch beim Klimaschutz mehr „Lenkwirkung“, um auch den Klimaschutz mehr im Bewusstsein der Menschen zu verankern. Hier zog er wieder eine Parallele zur Corona-Pandemie: „Allein die Maskenpflicht hat doch eine Signalwirkung. Sie schärft die Sinne dafür, dass da etwas ist.“ Warum sollte es beim Thema Klima und Umwelt anders sein.

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