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Mering

21.12.2020

20 Jahre Andechser in Mering: Ein Kaufhaus wird zum Wirtshaus

Gemütlich einkehren beim Andechser - vor 20 Jahren wurde ehemalige Kaufhaus Mayer zum Wirtshaus.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archivfoto)

Plus Auch die Corona-Pandemie kann den Meringer Andechser nicht unterkriegen. Mit 27 Jahren wagte damals Christian Baumüller den Schritt in die Selbstständigkeit.

Der Weg vom Kaufhaus zum Wirtshaus war nicht so einfach. Mittlerweile gibt es aber nicht mehr viele, die noch beim Kaufhaus Mayer eingekauft haben. Stattdessen ist das traditionsreiche Gebäude seit 20 Jahren fest mit dem Namen Andechser verbunden. "Darauf sind wir sehr stolz", sagt Christian Baumüller, der Wirt und gleichzeitig der Küchenchef ist. Seine Mutter Marietta ergänzt: "Es ist leicht, ein Wirtshaus zu eröffnen. Aber eines 20 Jahre lang zu erhalten und zu einem Traditionslokal zu machen, ist sehr viel schwerer."

Das Gebäude mit der historischen Fassade zählt zu den ältesten Häusern in Mering: Dort eröffnete Leonard Mayer bereits 1913 sein Kaufhaus. Nach der Geschäftsaufgabe zum Ende des vergangenen Jahrhunderts wurde das Kaufhaus von der Marktgemeinde erworben, um dort ein Rathaus einzurichten. Dies ließ sich aber nicht realisieren und so kauften der mittlerweile verstorbene Architekt Eugen Beck und Sepp Krätz gemeinsam das Haus. Sie hatten die Vision, einen "Andechser" in Mering einzurichten. Als Vorbild nahmen sie sich den Andechser am Dom in München.

Fernsehstar für einen Tag wurde Christian Baumüller, als ein Team des Senders Kabel 1 ins Meringer zum Andechser.
Bild: Peter Stöbich (Archivfoto)

Mit dem damals 27-jährigen Christian Baumüller, gelernter Hotelfachmann und ausgebildeter Koch, fanden sie den idealen Geschäftsführer und Mitgesellschafter. "Ich wechselte vom Sternehotel Strandhörn auf Sylt über Kitzbühl nach Mering", erinnert sich Christian Baumüller.

Marietta Baumüller sorgt mit ihrer Kreativität für den besonderen Charme im Andechser.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archivfoto)

Seine Mutter Marietta unterstützte die Pläne tatkräftig. Sie sorgt mit ihrer Gastfreundlichkeit und Kreativität für den ganz besonderen Charme im Andechser. "Christian zaubert in seiner Küche, ich bin für Dekoration und die liebevollen Details zuständig", sagt sie. Jetzt triumphiert die gemütlich bayerische Wirtshausatmosphäre über ehemals kommerzielle Kauflust eines Warenhauses. Marietta Baumüller verrät aus ihrer 20-jährigen Erfahrung: "Die Gäste sollen sich hier erholen, deswegen machen wir nur das, was auch uns guttun würde". Ihr oberstes Gebot den Gästen gegenüber besteht aus einem Lachen. "Denn ein Lächeln, das man aussendet, kehrt immer zurück."

Sehr gern erinnert sie sich an eine Begebenheit in Bad Füssing. "Als ich da mit meinem Mann Urlaub machte und wir von Leuten gefragt wurden, woher wir kämen, antwortete ich: 'Aus Mering, aber das werden Sie nicht kennen.'" Die Antwort überraschte sie dann doch: "Ach, das ist da, wo der Andechser ist." Marietta Baumüller denkt sehr gerne an dieses Erlebnis zurück, zeigt es doch, wie bekannt der Andechser inzwischen ist.

Sandstrand und Open Air mit Söllner in Mering

Dass er auch ungewöhnliche Wege geht, bewies Christian Baumüller im Sommer 2015, als er den Marktplatz in einen großen Sandstrand verwandelte. Die Besucher machten es sich auf den Liegestühlen gemütlich, genossen abends Cocktails und chillten bei Livekonzerten oder DJ-Musik. Bereits 2011 hatte Baumüller die Bewirtung des ersten großen Festivals am Badanger übernommen. Damals organsierte der Verein Paarkult das Open Air mit Hans Söllner.

Christian Baumüller (links) und Daniel Albinger (im Bild am Brunnen) verwandelten den Meringer Marktplatz zum „Paradise Beach“.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archivfoto)

Während der Corona-Pandemie ist Vielseitigkeit gefordert

Dass von einem Wirt Vielseitigkeit und Kreativität nicht nur in der Küche verlangt wird, wird vor allem jetzt während der Corona-Pandemie deutlich. In der Küche wurde kräftig renoviert und alles auf Vordermann gebracht. Wie viele seiner Kollegen, setzt auch Baumüller auf das To-go-Geschäft. Um die Menschen in und um Mering trotz der widrigen Umstände auf Weihnachten einzustimmen und die Tradition der Weihnachtsgans oder einer leckeren Ente auch hochzuhalten, hat sich der kreative Gastronom etwas ganz Besonderes einfallen lassen. In einer Weihnachtshütte vor dem Andechser kann man sogenannte Weihnachts-Gourmetboxen kaufen. Die Menüs kann man entweder fertig oder aber vorgekocht erwerben, sodass man sie zu Hause nur noch 60 Minuten in den Ofen schieben muss. Nur das Vorbestellen sollte man nicht vergessen.

Christian Baumüller will mit seiner Weihnachtshütte vor dem Andechser weihnachtliches Flair in Mering verbreiten. Auch für die Tradition der Weihnachtsgans hat er einen kreativen Ausweg gefunden.
Bild: Christine Hornischer

Wunderbar passen auch hübsch verpackte Geschenke dazu, die Susann Pawlik in der Weihnachtshütte anbietet: In diesem Jahr taten sich sechs Meringer Geschäftsfrauen zusammen und packten kleine Weihnachtsboxen. "Ein paar dieser Geschenke sind noch übrig und die verkaufen wir hier", sagt Susann Pawlik. Ein Teil des Erlöses geht an bedürftige Familien in Mering.

Auch nach Weihnachten kommt die Hütte zum Zuge. Christian Baumüller will dann den Meringern Currywurst, Bratwurst und Burger anbieten. "Und wenn das Wetter mitmacht, werden wir sogar den Grill rausholen", sagt er.

Und sobald es wieder möglich ist, wollen die Baumüllers auch das 20-jährige Bestehen mit ihren Gästen feiern, denn ursprünglich hätte es ein großes Fest zusammen mit einer Messfeier in der benachbarten Sankt-Michael-Kirche gegeben. "Aber das holen wir nach", verspricht Christian Baumüller. (mit sev)

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