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Dasing

29.09.2019

Arvids Rekis: Von der AEV-Legende zum Azubi in Dasing

Arvids Rekis hat einen gewaltigen Karrieresprung hinter sich: Vom Eishockey-Profi wurde er zum Azubi.
Bild: Ulrich Wagner , Christian Gall

Plus Der ehemalige Panther-Spieler Arvids Rekis will nach dem Ende seiner Profikarriere in einem normalen Beruf arbeiten. In Dasing macht er eine Ausbildung.

Der Profisportler steckt nach wie vor in Arvids Rekis. Mit selbstverständlicher Sicherheit bewegt er sich zwischen dampfenden Maschinen und Laufbändern voller Flaschen in der Fertigungshalle des Dasinger Getränkeherstellers Kunzmann umher. Wenn er über seine Kollegen spricht, benutzt er die Wörter „Mannschaft“ oder „Team“. Alte Gewohnheiten sind schwer abzulegen. Und die Gewohnheit, ein Eishockey-Profi zu sein, hat sich definitiv bei ihm eingeschliffen. 19 Jahre lang stand er als Profi auf dem Eis, 576 Spiele bestritt er in der Deutschen Eishockey-Liga. Mehr als die Hälfte seiner Profikarriere spielte er in den Farben der Augsburger Panther.

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Doch Arvids Rekis ist alt – zumindest, wenn man den Maßstab eines Profisportlers anlegt. Mit 40 Jahren beendete er als ältester Spieler der Liga im vergangenen April seine Karriere als Profi. Während manche nach diesem Schritt vielleicht einen passiveren Posten im Sport antreten oder komplett aus dem Berufsleben verschwinden, schlägt Rekis einen anderen Weg ein – er macht eine Ausbildung und arbeitet zum ersten Mal in seinem Leben außerhalb des Sports. In der Weinkellerei der Dasinger Firma Kunzmann absolviert er eine Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik.

Ex-AEV-Profi Arvids Rekis' neues Hauptaufgabe: Glühwein machen

Sein Arbeitsumfeld hat sich krass geändert – mitsamt der Temperaturen, die an seinem Arbeitsplatz herrschen. Statt eisiger Luft liegt über der Produktionshalle schwüle Wärme, darin mischt sich der Geruch von Zimt und Koriander. Bei Firma Kunzmann liegt Weihnachten in der Luft, schon seit August ist dort die Produktion auf Glühwein umgestellt. „Im Moment lerne ich die verschiedenen Arbeitsprozesse kennen“, sagt Arvids Rekis. Filtrieren, mischen, abfüllen – diese und viele weitere Schritte muss er einüben. „Ich bin glücklich, hier arbeiten zu können. Und ich habe eine tolle Mannschaft, auf die ich mich verlassen kann.“

Als Rekis zum ersten Mal die Firma Kunzmann betrat, lag ebenfalls der Duft weihnachtlicher Gewürze in der Luft. Damals kam der Junior- Pantherclub mit einigen Profispielern im Gefolge nach Dasing – darunter Arvids Rekis. Bei Kunzmann stellten sie gemeinsam einen Datschi-Punsch her, der speziell für die Panther entwickelt wurde. Rekis gefiel es in der Produktionshalle: „Ich habe mich schon davor für Lebensmittel und Technik interessiert“, erzählt er. Die ersten Beziehungen zur Firma Kunzmann waren geknüpft. Als das Ende seiner Profilaufbahn näher rückte, war es Rekis’ Frau Franziska, die erneut den Kontakt herstellte – und letztendlich kam es dazu, dass der Eishockey-Veteran zum Azubi wurde.

Rekis: "Es ist schön, morgens ohne Schmerzen aufzuwachen"

In seiner neuen Rolle findet sich Rekis bereits zurecht. Doch die Umstellung war anfangs gewaltig, wie er sagt: „35 Jahre lang habe ich nichts anderes gemacht, als Eishockey zu spielen. Eine normale Arbeit war eine neue Erfahrung.“ Was ihm ein wenig fehlt, sei die gewohnte Anstrengung aus dem Sport. „Dafür ist es schön, zur Abwechslung mal morgens ohne Schmerzen aufzuwachen“, sagt er lächelnd. Seine Profimentalität will er auch in seinem Beruf beibehalten und immer 100 Prozent geben.

Drei Jahre wird seine Ausbildung voraussichtlich dauern. Rekis hofft darauf, danach bei der Firma Kunzmann weiterarbeiten zu können. Die Zusage des Geschäftsführers Jürgen Kunzmann hat er dazu bereits. Seine Firma könne dabei nur gewinnen, sagt der Unternehmer: „Man merkt, dass man einen Profi vor sich hat. Arvids hat einen starken Willen und die Einstellung zu kämpfen.“

In seinem neuen Job fühlt sich Arvids Rekis bereits sehr wohl.
Bild: Christian Gall

Noch hat der Eishockey-Veteran aber viel zu lernen, damit er seinen Eifer auch in die Tat umsetzen kann. Rekis sei froh, dass ihm erfahrene Mitarbeiter – oder Teamkollegen, wie er es sagt – zur Seite stehen. Als Auszubildender wird er auch eine Berufsschule besuchen, seine erste Unterrichtsstunde hat er noch vor sich. Die Schule liegt in Starnberg – nicht der kürzeste Weg von seinem Wohnort Diedorf aus. Für den gebürtigen Letten ist es jedoch nie infrage gekommen, nach dem Ende seiner Profikarriere wegzuziehen: „Meine drei Kinder gehen hier zur Schule, meine Frau kommt von hier. Hier ist meine Heimat.“

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