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Integration in Friedberg

25.04.2015

Asylhelfern bleibt keine Zeit zum Verschnaufen

Zwischendurch tut Abwechslung gut in der Asylunterkunft. Da kam es recht, dass SPD-Fraktionsvorsitzender im Landtag Markus Rinderspacher (links) und SPD-Kreisvorsitzender Bernd Bante ein Spielchen wagten.
Bild: Andreas Schmidt

Es werden noch mehr Flüchtlinge im Landkreis erwartet. Die Ehrenamtlichen sind schon jetzt stark gefordert.

Aichach-Friedberg Idyll und Grauen sind hier nahe beinander: Der Blick aus dem Fenster des früheren Autefa-Firmengebäudes zeigt das Postkartenmotiv von der Friedberger Stadtmauer. Gleichzeitig ist der Krieg in Syrien in einem Zimmer in der Friedberger Asylunterkunft an der Röntgenstraße ganz gegenwärtig. Auf seinem Bett sitzt ein 23-jähriger Syrer, der in seiner Heimat bei einem Granateneinschlag schwer verletzt worden ist.

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Dramatisch ist auch die Geschichte, die sein syrischer Zimmerkamerad von der Flucht über das Mittelmeer erzählt. Auf dem Handy sind Bilder von einem völlig überfüllten Boot zu sehen. Der syrische Student kann nicht schwimmen. Er wollte sich weigern einzusteigen. Schlepper haben ihn dazu gezwungen.

Die Berichte der Asylbewerber gehen den SPD-Politikern Markus Rinderspacher, SPD-Fraktionschef im Landtag, und der Landtagsabgeordneten Simone Strohmayr nahe. Einen Nachmittag und einen Abend lang machen sie sich in Friedberg ein Bild zum Thema Integration und Asyl – bei der türkisch-islamischen Union, Asylunterkünften und einem Abend mit vielen Asylhelfern.

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Die Herausforderungen für die Ehrenamtlichen werden noch größer werden. Derzeit sind es 780 Asylbewerber im Landkreis. Bis zum Jahresende könnten es deutlich über 1000 sein – und damit etwa doppelt so viele wie noch zu Jahresbeginn. Dabei geraten Ehrenamtliche wie Hauptamtliche teilweise schon an ihre Grenzen oder darüber hinaus.

„Es verschleißt zunehmend, weil man ständig auf der Matte steht“, sagte Anne Glas aus Dasing. Sie macht sich Sorgen, dass Engagement somit wegbröselt. Wobei die Betreuung der Asylbewerber ohne die Ehrenamtlichen nicht funktionieren würde. Dies betonte auch die Leiterin der Ausländerbehörde im Landkreis, Simone Losinger.

Doch auch Landespolitiker Rinderspacher kann den Helfern keine Verschnaufpause versprechen: „Es werden nicht weniger werden, die aus Not bei uns anklopfen.“ Es sei kein Fehler, dafür rechtzeitig Strukturen zu schaffen. Erste Gemeinden im Landkreis haben begonnen, Koordinatorenstellen für die Asylarbeit zu schaffen. Wobei sie dafür eigentlich nicht zuständig sind. Wie es weitergeht, kann niemand prophezeien. Kissings Bürgermeister Manfred Wolf bekam keine Antwort auf seine Frage: „Wo stehen wir in fünf Jahren?“

Und jahrelang müssen sich viele Asylbewerber gedulden, bis sie erfahren, ob sie bleiben dürfen. Teilweise warten sie seit drei Jahren auf ihre Anhörung. „Unzählige Menschen hängen in der Warteschleife“, sagte eine Meringer Helferin. Dasings Bürgermeister Erich Nagl forderte: „Entweder das Verfahren geht wesentlich schneller, oder man fängt an, die Asylbewerber von Beginn an zu integrieren.“

Erschwert wird Letzteres in Bayern seit Kurzem durch ein Beschäftigungsverbot für Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern wie dem Senegal (wir berichteten). Mehrere Helfer kritisierten dies, und Rinderspacher schloss sich an: „Es darf keine Asylbewerber erster und zweiter Klasse geben.“

Aus Friedberg nahmen die SPD-Politiker einen positiven Eindruck mit von der Betreuung und von den Unterkünften der Asylbewerber. „Doch so ist es nicht überall“, weiß Simone Strohmayr aus dem bayernweiten Vergleich. Die frühere Firma Autefa wurde sogar Vorzeigeunterkunft genannt. Die Sorgen der dort untergebrachten Syrer und Senegalesen sind dadurch allerdings nicht kleiner. "Kommentar Seite 1

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