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Aichach-Friedberg

18.08.2020

Ausbildungsmarkt im Wittelsbacher Land trotzt Corona

Die Friedberger Jobbörse war in den vergangenen Jahrzehnten ein wichtiger Marktplatz für Ausbildungsbetriebe und Schulabgänger.
Bild: Sabine Roth (Archivfoto)

Plus Die Besetzung der Lehrstellen kommt coronabedingt zwar spät in Schwung, doch Schwaben und der Landkreis Aichach-Friedberg sind trotz Covid-19 stark aufgestellt.

Nicht nur der Schulbetrieb wird im September unter neuen Corona-Regelungen wieder aufgenommen, auch das Ausbildungsjahr startet in den meisten Unternehmen am 1. September unter Pandemiebedingungen: Aufgrund der Beschränkungen im Zuge der Corona-Krise war der Ausbildungsmarkt zwischenzeitlich zum Erliegen gekommen und kommt daher heuer nur langsam in Schwung.

Berufsinformationsveranstaltungen fanden meist nicht statt, und Praktika konnten nur eingeschränkt angeboten werden, wie der Friedberger Garten- und Landschaftsbauer Matthias Wick-Hartmann berichtet.

Zahlen der Arbeitsagentur, der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammer (HWK) Schwaben zeigen allerdings, dass die Lage am lokalen Ausbildungsmarkt momentan besser ist, als man unter den gegebenen Bedingungen annehmen könnte: Noch im Mai hatte fast ein Drittel der bei der IHK Schwaben gemeldeten Betriebe angegeben, ihre Beschäftigtenzahl reduzieren zu wollen, nun haben 95 Prozent der Firmen im Arbeitsagenturbezirk Augsburg, die letztes Jahr einen Ausbildungsplatz gemeldet hatten, zugesagt, auch heuer wieder ihren Ausbildungsplatz zu besetzen.

„Dass ein Großteil der Unternehmen in dieser Situation weiter ausbildet, zeigt den Stellenwert der dualen Ausbildung und macht deutlich, dass Betriebe Verantwortung für den Fachkräftenachwuchs tragen“, so Christian Munz, Leiter des Fachbereiches Ausbildung der IHK Schwaben. Bei der IHK sind trotz coronabedingter Verzögerung im Bewerbungsverfahren bisher mit 6000 Vertragsabschlüssen 85 Prozent des Vorjahresniveaus erreicht, bei der HWK Schwaben waren im Juli sogar bereits 95 Prozent der Vertragsabschlüsse des Vorjahresmonats gemeldet.

Positive Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt im Wittelsbacher Land

Im Landkreis Aichach-Friedberg scheint die Lage sich, wie Statistiken der Arbeitsagentur für den Monat Juli nahelegen, trotz Corona sogar nahezu positiv entwickelt zu haben: 812 Ausbildungsstellen – und damit 4,8 Prozent mehr als im Vorjahr – waren gemeldet, und 566 Jugendliche suchten eine Ausbildungsstelle – hier ein Zuwachs von 6,6 Prozent. Zum Vergleich: Im Kreis Augsburg gab es im Juli 4,3 Prozent weniger Bewerber als im Vorjahr und einen Rückgang der gemeldeten Ausbildungsstellen um 9,2 Prozent.

 

Dennoch versuchen in Aichach-Friedberg noch einige Bewerber und Betriebe zueinanderzufinden: Stand Juli gab es hier noch 152 unversorgte Bewerber und 338 offene Stellen – diese vor allem im kaufmännischen Bereich, beispielsweise als Kauffrau im Einzelhandel oder als Verkäufer. Auch lokale Unternehmen wie der Friedberger Polstermöbelhersteller Segmüller haben noch offengebliebene Stellen zu besetzen. Man habe sich als Planzahl die Zahl der Ausbildungsplätze des letzten Jahres vorgenommen, allerdings habe es heuer durch Corona weniger Bewerber gegeben, und es hätten bisher nicht alle Stellen besetzt werden können, erklärt Christof Gerpheide, Sprecher der Geschäftsleitung von Segmüller.

Jugendliche sollen sich nicht entmutigen lassen

Wer bisher keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, hat immer noch die Möglichkeit, sich auf dem Markt umzusehen. „Die Jugendlichen sollen sich nicht entmutigen lassen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich um einen Ausbildungsplatz zu kümmern. Wir empfehlen unsere digitalen Angebote, etwa die Stellenbörse oder unser Erkundungstool ‘Check U’. Auch im Oktober und November ist es noch möglich, eine Ausbildung zu beginnen“, appelliert die Pressesprecherin der Arbeitsagentur Augsburg, Daniela Ruhrmann. Auch in der Lehrstellenbörse der HWK oder der IHK können mögliche Bewerber noch offene Stellen finden.

 

Obwohl die diesjährigen Werte coronabedingt also insgesamt noch etwas hinter dem Niveau des Vorjahres herhinken, scheint Covid-19 dem lokalen Ausbildungsmarkt nicht ernstlich geschadet zu haben. Pressesprecher der IHK, HWK sowie der Arbeitsagentur sind sich allerdings einig, dass aus dem jetzigen Stand der Dinge nicht allzu viel zu schließen ist: Die coronabedingte sechs- bis zehnwöchige Lücke im Orientierungs- und Bewerbungsverfahren erschwere einen Vergleich der diesjährigen Zahlen mit den Daten des Vorjahres, und täglich gebe es Veränderungen in den Zahlen durch neu abgeschlossene Ausbildungsverträge.

Es tut sich noch was auf dem Ausbildungsmarkt in Aichach-Friedberg

Auch das am 31. Juli vom Bundesministerium für Forschung und Bildung bekanntgemachte Förderprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ wird wohl noch für weitere Bewegung auf dem Markt sorgen: Es soll von der Corona-Krise erheblich betroffene Betriebe durch Prämien anreizen, Ausbildungsplätze zu erhalten und neue Lehrstellen zu schaffen. Zuverlässige Aussagen über die weitere Entwicklung der Ausbildungssituation lassen sich also nicht treffen, mit Sicherheit jedoch wird sich bis zum vierten Quartal des Jahres noch einiges auf dem Markt tun.

Lesen Sie auch den Kommentar zum Thema: Unternehmen im Wittelsbacher Land zeigen Zuversicht

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