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Betrug

07.01.2019

Beim Autoverkauf übers Ohr gehauen

Beim Privatverkauf eines Autos gibt es Fallstricke. Der Wagen sollte vor dem Verkauf stillgelegt werden. 
Bild: Jens Schierenbeck, dpa, gmsdd

Ein Mann bietet privat einen gebrauchten Kleinwagen an. Der neue Eigentümer meldet das Fahrzeug nicht um – und verursacht so einigen Ärger. Was Experten raten.

Es ist ein Autoverkauf, wie er ihn schon oft in seinem Leben abgewickelt hatte: Ein Mann aus dem Landkreis Aichach-Friedberg bot seinen gebrauchten VW Polo per Privatanzeige in einer Zeitung an. Probleme hatte er damit bislang noch nie gehabt, sagt er. Doch das sollte sich ändern. Er verkaufte seinen angemeldeten Kleinwagen inklusive Nummernschilder – das wurde ihm zum Verhängnis.

Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen: „Ich würde auch sagen: Wie kann man nur so blöd sein. Aber nachher ist man immer schlauer.“ Der Käufer, ein Mann aus Augsburg, hatte den VW Polo auch Wochen nach dem Verkauf noch nicht umgemeldet. Die Krux: In den Kaufvertrag hatte der Käufer eine falsche Adresse geschrieben und auch seine Unterschrift fehlte. „Ich hätte niemals geglaubt, dass ich einmal auf so einen billigen Betrüger hereinfalle. Aber er hat das sehr geschickt gemacht“, so der Verkäufer.

Eine wochenlange Tortur

Dann folgte für ihn eine wochenlange Tortur. Bald flatterte ein Bußgeldbescheid wegen Falschparkens ins Haus, es gab Ärger mit der Versicherung und der Zulassungsstelle. Auch die Kfz-Steuer musste er weiterhin bezahlen. Auf Anfragen reagierte der Käufer nicht. Erst Wochen später gelang es dem Verkäufer, ihn ausfindig zu machen – nach mehreren Drohungen, rechtliche Schritte einzuleiten, unterschrieb er den Kaufvertrag kommentarlos. Der Polo wurde anschließend von der Zulassungsstelle zwangsstillgelegt. Auf den Kosten bleibt der frühere Eigentümer jedoch sitzen. Kein Einzelfall, wie Polizeisprecher Peter Löffler erklärt. Allerdings seien die Beamten zumeist machtlos: „Generell mischt sich die Polizei in solche Angelegenheiten nicht ein. Ein solcher Autoverkauf ist schließlich eine rein privatrechtliche Angelegenheit.“ Er rät Verkäufern, sich schon vor der Probefahrt Ausweis und Führerschein des Käufers zeigen zu lassen. „Man sollte immer vorsichtig und nicht zu gutgläubig sein“, so Löffler. Eingreifen könnten die Beamten nur, wenn ein begründeter Verdacht auf Betrug vorliegt.

Kein Einzelfall im Landkreis Aichach-Friedberg

Etwa fünf bis acht vergleichbare Fälle gibt es im Landkreis Aichach-Friedberg jährlich, so Wolfgang Müller, Pressesprecher des Landratsamtes: „Wir raten jedem Privatverkäufer, sein Fahrzeug vor der Übergabe außer Betrieb zu setzen.“ Falls doch ein Fall wie geschildert eintritt, sollte sich der Fahrzeughalter auf jeden Fall an seine zuständige Zulassungsstelle wenden, so Müller: „Im schlimmsten Fall muss der Verkäufer über längere Zeit die Kfz-Steuer begleichen.“

Genauer gesagt, bis zur Außerbetriebsetzung des Autos – so lange ist der Halter, hier also der Verkäufer, Steuerschuldner, erklärt Dieter Roßdeutscher, Leiter des Bürgeramts Augsburg. Dort beziehungsweise bei der Zulassungsstelle der Fuggerstadt, kommen laut ihm vergleichbare Fälle sogar ein bis zwei Mal im Monat vor. Manche Verkäufer haben einen gültigen Kaufvertrag, andere nicht, so Roßdeutscher.

Laut Fahrzeug-Zulassungsverordnung kann das Amt die Zulassungsbescheinigung im Verkehrsblatt mit einer Frist von vier Wochen zur Vorlage bei ihr aufbieten. Verstreicht die Frist, wird das Fahrzeug von Amts wegen abgemeldet. Roßdeutscher: „Die Kennzeichen schreiben wir zur Fahndung aus und dem bisherigen Halter wird das Ende der Zulassung schriftlich mitgeteilt.“

Dieses Verfahren kam auch beim Fall aus dem Wittelsbacher Land zum Tragen. Die Kosten belaufen sich laut ihm auf etwa 300 Euro. Sein Auto hatte er für 500 Euro verkauft: „So viel Ärger wegen dem bisschen. Da hätte ich den Polo lieber verschenkt.“ Lesen Sie unseren Kommentar Man kann nicht vorsichtig genug sein beim Autoverkauf

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