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16.06.2014

Blutsauger auf dem Vormarsch

Eine Zecke in Nahaufnahme
Bild: www.zecken.de

Dieses Jahr gibt es im Wittelsbacher Land besonders viele Zecken. Doch es gibt gute Gegenmittel für Menschen und Haustiere

Sie sind drei mal vier Millimeter groß, klettern auf Grashalme, Büsche und verbringen dort die meiste Zeit in Lauerstellung. Wenn ein Mensch oder Tier sie streift, krallen sie sich an ihm und saugen sein Blut, bis sie etwa groß werden wie ein Maiskorn. Die Rede ist von Zecken. Dieses Jahr gibt es sehr viele im Wittelsbacher Land, und sie übertragen gefährliche Krankheiten.

Der warme und trockene Winter bot beste Voraussetzungen für sie, erklärt der Friedberger Tierarzt Till Lugtenburg. Bei sehr kalten Temperaturen erfrieren die Larven und bei nassem Wetter sterben viele erwachsene Zecken an einem Pilzbefall. Zecken übertragen die Krankheiten FSME und Borreliose, diese ist auch für Haustiere gefährlich. Der Leiter des Gesundheitsamts in Aichach, Michael Hennig, sagt, dass das Wittelsbacher Land ein FSME-Risikogebiet sei. In den vergangenen Jahren haben sich hier immer wieder Wanderer und Radfahrer nach einem Zeckenbiss mit FSME infiziert. Heuer sei aber noch kein Fall bekannt. Laut Experten trägt nur 0,1 bis fünf Prozent der Zecken die FSME-Viren in sich, zehn bis 20 Prozent haben die Borreliose-Bakterien.

Ärzte im Landkreis sehen im Moment noch keine Häufung von Zeckenbissen. Der Meringer Arzt Richard Essler hat jährlich zwischen fünf und zehn Borreliosepatienten, die von Zecken infiziert wurden. Bisher sieht es für ihn nicht so aus, dass es heuer mehr werden. Sein Kissinger Kollege Franz Samweber sieht auch keinen Anstieg von Zeckenbissen bei seinen Patienten. Tierarzt Lugtenburg spürt jedoch deutlich, dass mehr Zecken da sind. Die Haustiere in seiner Praxis haben oft bis zu zwölf Blutsauger im Fell. Das ist sehr viel, normalerweise sind es höchstens vier. Zudem fragen Tierhalter vermehrt nach Mitteln gegen Zecken.

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Davon gibt es jede Menge, sowohl für Menschen wie für Haustiere. Ein Anti-Zecken-Spray oder -Creme ist hilfreich. Für Tiere gibt es spezielle Halsbänder und Tropfen, mit denen man das Fell beträufelt. Diese halten etwa 90 Prozent der Zecken ab. Menschen sollten laut den Ärzten nicht ins Unterholz und auf Wiesen mit hohem Gras gehen. Man sollte eine lange, helle Hose und ein langärmeliges, helles T-Shirt tragen, damit man die Zecken sieht und sie sich nicht an der Haut festkrallen. Und vor allem sollte man den eigenen Körper absuchen, nachdem man draußen war. Richard Essler sagt, dass man dabei auch sehr genau sein muss. Es gäbe immer wieder Patienten, die an entlegenen Körperregionen, etwa im Intimbereich von einer Zecke gebissen werden. Bei Haustieren empfiehlt es sich, sie regelmäßig mit einem Kamm zu untersuchen. Übrigens ist es sehr unwahrscheinlich, dass eine Zecke von einem Tier auf einen Menschen rüberspringt.

Gegen FSME schützt auch eine Impfung, die Krankenkasse bezahlt diese vollständig. Eine solche Impfung sei auch eine gute Gelegenheit, auch andere Impfungen nachzuholen, sagt Michael Hennig vom Gesundheitsamt. Und wenn dann doch eine Zecke zugebissen hat, dann gilt es, diese möglichst schnell zu entfernen. Je schneller man ist, desto geringer ist das Ansteckungsrisiko. Die Zecke sollte man mit einer Pinzette oder einer speziellen Zeckenzange, -schlinge oder -karte möglichst dicht an der Bissstelle greifen. Danach kann man sie rausziehen, manche empfehlen auch, die Zecke vorher drei- bis viermal gegen den Uhrzeigersinn zu drehen. Man sollte sie dabei nicht quetschen, denn dadurch sondert sie ansteckende Sekrete ab. Die Bissstelle sollte man desinfizieren und einige Wochen beobachten. Wenn sie rot wird oder anschwillt, sollte man zum Arzt gehen.

Tierarzt Lugtenburg kennt auch einen simplen Kniff, wie man Haustiere zu mehr Kooperation beim Entfernen von Zecken trainiert: Einfach die Haustiere an der entfernten Zecke schnuppern lassen. Danach komme beim nächsten Mal so mancher Hund sogar von sich aus zu Frauchen und Herrchen, wenn er eine Zecke bei sich spüre.

Diese Krankheiten drohen bei einem Zeckenbiss:

FSME ist eine Krankheit, bei der ein Virus das Gehirn angreift. Symptome sind Lähmungen, Kopfschmerzen, Nackensteife und Schwindel. FSME ist nicht heilbar, man kann aber die Symptome behandeln. Bei vielen Menschen klingen die Symptome nach einer Zeit ab, bei manchen können sie dauerhaft bleiben. Die Krankheit kann unterschiedlich schwer verlaufen, unter Umständen ist ein längerer Aufenthalt im Krankenhaus nötig. Ein schwerer Verlauf tritt am häufigsten bei Erwachsenen um die 40 auf. Gegen FSME schützt eine Impfung. Hunde und Katzen können kein FSME bekommen.

Borreliose ist eine Krankheit, die von einem Bakterium verursacht wird. Sie verläuft in drei Stadien. Zunächst errötet die Haut an der Bissstelle, danach wird die rote Stelle größer. Einige Wochen später können Schmerzen und Lähmungen, vor allem im Gesicht, auftreten. Und nach einigen Monaten kommt es zu Schwellungen an Gelenken. Man kann die Borreliose-Erreger mit Antibiotika abtöten. Hunde und Katzen sind genauso gefährdet wie Menschen.

Sonstige Krankheiten: Babesiose und Ehrlichiose werden von der Auwald-Zecke übertragen. Diese Krankheiten können sowohl bei Menschen, als auch bei Tieren auftreten. Auwald-Zecken sind in Norditalien, Österreich und Ungarn heimisch. In Deutschland sind sie äußerst selten.

Quellen: Gesundheitsamt Aichach-Friedberg, Dr. Essler, Dr. Lugtenburg, zecken.de

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