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Kreis Aichach-Friedberg

07.10.2019

Dasing will 87.000 Euro für neue Straße von Heinrich (86) und Martha Stöckl (83)

Der 86-jährige Heinrich Stöckl wohnt sein Leben lang in der Waldstraße im Dasinger Ortsteil Lindl. Jetzt bittet die Gemeinde ihn und seine Frau Martha für die Sanierung der Straße zur Kasse.
Bild: Tom Trilges

Plus Die Fahrbahn der Waldstraße im Ortsteil Lindl war vor allem für Firmen nicht mehr ausreichend. Für die Sanierung soll ein Rentnerehepaar nun viel Geld zahlen.

Ratlos sitzen Heinrich und Martha Stöckl in ihrem Wintergarten. „Wir haben keine finanziellen Sorgen, aber so viel Geld besitzen wir beim besten Willen nicht“, sagt die 83-Jährige. 87.000 Euro fordere die Gemeinde Dasing für die laufende Erneuerung der Waldstraße von dem Ehepaar – 70.000 von ihm und 17.000 von seiner Frau. Die Nachbarn sind ebenfalls betroffen.

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Als Heinrich Stöckls Eltern das Haus in der Waldstraße 12 vor fast 100 Jahren errichteten, gab es dort nur einen Feldweg – auch Firmen siedelten sich erst Jahrzehnte später an. „In den 1960er Jahren hat die Gemeinde dann hier geteert“, erzählt der 86-jährige Heinrich Stöckl, der sein ganzes Leben in der Waldstraße gewohnt hat. Einen nennenswerten Anteil an den Kosten habe er damals nicht tragen müssen. Lange hielt der Asphalt, doch in den vergangenen Jahren kamen Diskussionen über eine Sanierung auf. Seit März dieses Jahres geht es voran: Noch heuer werden die Arbeiten an der rund 800 Meter langen Waldstraße abgeschlossen; die Gemeinde hat schon zum Festakt geladen.

Betroffenes Ehepaar kann diese Summe nicht stemmen

„Viele gratulieren mir zu dem Neubau“, berichtet Stöckl. „Wenn ich denen dann die Geschichte erzähle, schauen sie mich verwundert an.“ Zu der gehört der Eigenanteil von fast 90.000 Euro, den die Stöckls leisten sollen, wie sie sagen. Darüber habe Bürgermeister Erich Nagl Anwohner und Firmen im Juli informiert, sagt der 86-Jährige.

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Heinrich Stöckl als Aufzugsmonteur und seine Frau Martha als Mitarbeiterin in der Personalabteilung beim Unternehmen Bauer Aufzug (heute KONE) verdienten stets ordentliches Geld. Eine solche Summe kann das Ehepaar nach eigenen Angaben aber nicht stemmen. „Einige unserer Nachbarn sicher auch nicht“, meint Heinrich Stöckl. Zudem nutzen aus seiner Sicht vor allem Firmen die Straße: „In der Zeit, in der wir zwei Mal dort fahren, fahren die 200-mal da entlang.“

Anwohner in Lindl gehen juristisch gegen die Geldforderung vor

Gemeinsam gehen die Anwohner juristisch gegen die Forderungen vor. „Wir wurden gefragt, ob wir uns anschließen. Wir haben das gemacht, weil wir uns allein gelassen fühlen“, sagt Heinrich Stöckl. Bei den anderen Hausbesitzern geht es ihm zufolge um Beträge zwischen 30.000 und 95.000 Euro. Die fünf ansässigen Firmen zahlen für ihre Teile der Straße selbst. Ein Waldbesitzer weigert sich aber wohl ebenfalls, sich an den Kosten zu beteiligen.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Teerarbeiten in der Waldstraße. Sobald diese beginnen, dürfte der Bescheid über die Kostenbeteiligung im Briefkasten landen. Der 86-jährige Stöckl zeigt sich kompromissbereit: „Über einen kleineren Betrag hätten wir nicht gemeckert. Aber ich befürchte, dass die Summe sogar noch steigen könnte.“ Müssen die Stöckls wirklich so tief in die Tasche greifen?

Gemeinde Dasing bestätigt: Anwohner müssen für die Straße zahlen

„Als Einzelsumme nein“, sagt der Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft Dasing, Stephan Kreppold. Er wolle keine Zahlen nennen, aber einen so hohen Einzelbetrag beim Ehepaar Stöckl gebe es nicht. Die zusammengesetzte Summe aus 70.000 Euro für ihn und 17.000 Euro für sie könnte dagegen stimmen. Grundsätzlich bestätigt Kreppold nämlich, dass die Anwohner für die Straßensanierung zahlen müssen, teils im hohen fünfstelligen Bereich: „Insgesamt werden rund 470.000 Euro auf sie umgelegt.“ Die Gesamtkosten der Maßnahme betragen 1,4 Millionen Euro. Es gehe bei den Beteiligungen nicht um die 2018 abgeschafften Straßenausbaubeiträge. „Offiziell ist das eine Ersterschließung, denn Lindl gehörte zuvor zum Außenbereich“, sagt der Verwaltungschef. Der Gemeinderat habe das Gebiet in einen Innenbereich umgewandelt, damit dort Baurecht sowie Bestandsschutz für vorhandene Gebäude herrscht.

Muss die Gemeinde die Beiträge erheben? „Eigentlich schon. Wir sind verpflichtet, wirtschaftlich zu agieren“, sagt Kreppold. Das Projekt sei seit Jahren in der Diskussion und treffe die Anwohner nicht plötzlich. „Denkbar sind Härtefalle mit Stundungen, wenn Leute die Summen nicht haben.“ Er verstehe den Ärger. Die ansässigen Unternehmen müssten aber einen noch höheren Anteil übernehmen als Privatpersonen. Zudem würden die Kosten nicht weiter steigen. „Wir planen so, dass es eher günstiger kommt. Deswegen ziehen wir zunächst nur 60 Prozent der Summen ein“, sagt Kreppold.

Hier lesen Sie, wie die Geschichte weitergeht: Trotz Protest: Anwohner müssen bis zu 95.000 Euro für Straße zahlen

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Gemeinde Dasing muss auf die Anwohner zugehen

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07.10.2019

Desweiteren geht mit der Umwandlung von einem Außenbereich zum Innenbereich mit Baurecht und Bebauungsplan ja auch eine erhebliche Wertsteigerung des Grundstücks einher welche wiederum den Eigentümern bzw. deren Erben zugute kommt. Auf gut Deutsch ist das Grundstück damit auf einen Schlag wahrscheinlich mehr als das dreifache Wert... da kann man 90.000 EUR auch verkraften.

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07.10.2019

"Er wolle keine Zahlen nennen, aber einen so hohen Einzelbetrag beim Ehepaar Stöckl gebe es nicht. Die zusammengesetzte Summe aus 70.000 Euro für ihn und 17.000 Euro für sie könnte dagegen stimmen."
Was jetzt ??
"So hohen Einzelbetrag beim Ehepaar Stöckl gebe es nicht" !!!
70.000 Euro für ihn und 17.000 Euro für sie könnte dagegen stimmen ???
So was geht eigentlich gar nicht, man raubt den Leuten die Existenz im Alter !!!
Über Jahre hin weg verschweigen und dann sowas ???
Wann kam die Ersterschließung und warum wurden die Bürger nicht informiert ???

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07.10.2019

Hart für die Betroffenen, klar aber andere mussten Ihre Erschließugsbeiträge halt schon beim Hausbau zahlen...

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