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Friedberg

08.07.2010

Der Trommler steigt zum Ankläger auf

Der Trommler steigt zum Ankläger auf
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Der Trommler steigt zum Ankläger auf

Als Trommler der Wache hat er schon bisher beim Prolog zum Altstadtfest das große Wort geführt. Dies wird Reinhold Korper bei der achten "Friedberger Zeit" alle Festtage auch als neuer Ankläger tun.

Wer seine Rolle übernimmt, das hat die Stadtwache lange verheimlicht. Jetzt ist klar, dass mit Korper derjenige anklagt, der bislang als Trommler voranmarschiert war. Er will keine Klotz-Kopie sein. "Er war auch rein optisch eine mächtige Erscheinung", sagt Korper, der eine Nummer kleiner ausfällt. Sein Mundwerk hat es aber in sich. "In der Liebe zur Rede ähneln wir uns", sagt der Stadtwächter. Er sieht sich weniger als Chefankläger, sondern als ein Wortführer der Wache.

Offiziell gibt es den Posten eigentlich gar nicht. Weil eine regelrechte Gerichtsbarkeit fehlt, nahm die Stadtwache beim ersten Altstadtfest die Angelegenheit selber in die Hand. Es habe sich einfach so ergeben, erinnert sich Korper, der von Anfang an mit Standarte oder Trommel mitmarschiert ist. Nun rutscht er in die Klägerrolle: "Weil ich schwätzen kann und Freude daran habe, vor einer großen Menschenmenge zu stehen."

Die Aburteilungen sind für Korper ein "Schauspiel mit festen Regeln, aber ohne Drehbuch". Die Opfer trifft es nicht unvorbereitet. Doch für Spontaneität muss laut Korper weiter Platz bleiben. Gegen Geld sind die Fahrten im Schandkarren eh nicht zu haben, betont der neue Ankläger. "Wir wollen frei in der Entscheidung sein, wen wir aburteilen. Die Mischung macht's."

Der Trommler steigt zum Ankläger auf

Schadenfreude ist mit im Spiel, das gibt Korper offen zu. Unter die Gürtellinie darf es aber aus seiner Sicht nicht gehen: "Wir wollen niemanden demontieren. Jeder soll seinen Spaß haben, ob oberhalb oder unterm Wasser." Korper kann austeilen, aber auch einstecken. Doch die Stadtwache insgesamt dürfe bei möglichen Scharmützeln als Obrigkeit nicht unterliegen. "Sonst kann sie heimgehen", meint der Ankläger.

Wie seine Kameraden will Korper ein bisschen mehr teilhaben am Festgeschehen, statt wie zuletzt von Aburteilung zu Aburteilung zu hetzen. Dies lag mit daran, dass sich die Strafprozedur von anfangs 20 Minuten auf eineinhalb Stunden ausgedehnt hatte. Künftig kommen also mehr Missetäter ungeschoren davon.

Als Fußstreife zeigen sie Präsenz

Dies begründet Korper auch damit, dass anderen Gruppierungen weniger Konkurrenz gemacht werden soll: "Sie stecken genau so viel Liebe rein in ihre Aktionen wie wir." Rar werden sich die Uniformierten deswegen in der Festzone aber nicht machen. In kleineren Gruppen werden die Blauen als Fußstreifen Präsenz zeigen.

Das Fest Mit dem Einzug auf dem Marienplatz beginnt heute um 18 Uhr das Friedberger Altstadtfest. Von Andreas Schmidt

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