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Handball

29.01.2019

„Die WM ist ein Segen für unseren Sport!“

Raus mit Applaus – trotz der unglücklichen Niederlage im Spiel um Platz drei gegen Frankreich hat die deutsche Handball-Nationalmannschaft die Massen begeistert. Nun gilt es, die neu entfachte Euphorie am Leben zu erhalten.
Bild: Ludvig Thuman/dpa

Verantwortliche der Handball-Vereine aus dem Landkreis sind von der WM begeistert. Warum sie dennoch nicht mit einem großen Boom rechnen.

Volle Hallen, eine fantastische Stimmung, ein Publikum, das mitgeht bis zur letzten Sekunde und Fernseh-Einschaltquoten, die selbst „König Fußball“ vor Neid erblassen ließen: Das war die Handball-Weltmeisterschaft 2019 in Deutschland und Dänemark, die letztlich im Mitgastgeber Dänemark einen verdienten Weltmeister hervorbrachte.

Klar, dass dieses Spektakel, das dem „Wintermärchen 2007“, als Deutschland letztmals Weltmeister wurde in nichts nachstand, auch seine Spuren im Landkreis hinterlassen hat. Die Spiele in München wurden von den Vereinen besucht, und auch dort ging in einer ausverkauften Halle die Post ab, obwohl das deutsche Team dort keinen Auftritt hatte. „Die Halle war voll, die Stimmung klasse“, meinte beispielsweise Kissings Trainerin Anita Steiner, die am letzten Vorrundenspieltag unter anderem die Partie Spanien gegen Kroatien verfolgte.

Das Fernsehen war eminent wichtig

Die WM sei in jedem Fall eine riesige Werbung für den Handball gewesen. „Vor allem, weil das öffentlich-rechtliche Fernsehen richtig eingesteigen ist – mit Vorberichten, kompletten Übertragungen und Ausschnitten in den Nachrichten“, so Steiner. Die Medienpräsenz sei einer WM angemessen gewesen, erklärte Anita Steiner weiter. Einen Boom werde es aber wohl nur geben, wenn das Fernsehen Spiele aus der Bundesliga oder der Champions League übertragen würde. „Die laufen halt nur im Bezahlfernsehen und so fürchte ich, dass das Interesse wieder nach unten wegdriften wird“, sagte sie. In Kissing sei man noch gut aufgestellt und sie würde eher auf dem Land als in der Stadt mit Zulauf in den Vereinen rechnen. Zum Abschneiden der Deutschen meinte die Trainerin, ihr habe ein wenig das Tempo gefehlt. „Wenn man sieht, wie die Dänen abgehen, dann fehlt uns da noch einiges“, so die Trainerin. Und nach dem unglücklichen 25:26 gegen Frankreich meinte sie lachend: „Ich werde meinen Jungs nie wieder einen Vorwurf machen, wenn ich sehe, dass sich selbst die Größen solche Fehler leisten.“

Durchweg positiv fiel das Fazit von Friedbergs Abteilungsleiter Dirk Kreutzburg aus – auch wenn es am Ende nicht für eine Medaille gereicht hat. „Es war wieder – wie in mehreren Spielen – eine unglückliche Situation kurz vor Schluss. Schade, eine Medaille hätte alles noch mehr gepusht“, meinte er. Kreutzburg war vor allem von der Euphorie angetan, die in den Hallen herrschte. „Das könnte anhalten, aber nun ist auch der Verband gefordert. Wir müssen wieder stärker an die Basis, beispielsweise in die Schulen gehen“, so der TSV-handball-Boss. An einen großen Boom glaubt er nicht, dazu „hätte das Team Weltmeister werden müssen.“ „Doch gegen Dänemark hätten wir keine Chance gehabt, ich habe selten einen verdienteren Weltmeister gesehen“, sagte Kreutzburg. In Friedberg stehe der Handball gut da, auch „wenn Zulauf natürlich wünschenswert wäre“, wie Kreutzburg ausführte.

Schiedsrichter in der Kritik

Höchst angetan von der WM war auch Karl-Heinz Steiner, der Abteilunsgleiter der Kissinger Handballer. „Die WM ist ein Segen für unsere Sportart“, sagte er am Rande eines Spiels seiner KSC–Handballerinnen. Dass aus der Medaille nichts geworden ist, das habe sich das Team selber zuzuschreiben. „Die haben dreimal in den letzten Sekunden den Ball weggeschmissen und Gegentore kassiert – aus diesen Fehlern müssen sie lernen“, meinte er. Was ihm nicht gefallen hat, war die Schiedsrichterleistung im Spiel gegen Frankreich, die beiden Portugiesen hätten „keine Linie gehabt“, so Steiner. Der Kissinger Handball-Boss hofft, dass die Euphorie anhält und er sieht auch schon positive Ansätze beim BHV (Bayerischer Handball-Verband). „Die haben uns angeschrieben und mitgeteilt, dass wir Flyer haben können, mit denen wir an die Schulen gehen können – und das werden wir auch machen“, sagte Steiner. Allerdings glaubt der Kissinger nicht, dass die kleinen Vereine von der WM profitieren werden. „Ich kann mit nicht vorstellen, dass der Boom bei uns in der Region ankommt“, sagte er.

Als extrem positiv beurteilt auch Merings Handball-Abteilungsleiter Daniel Schmidl diese WM. „Es war nicht damit zu rechnen, dass wir so gut abschneiden. Die Art und Weise, wie sich das Team auf und neben dem Platz gezeigt hat, war vorbildlich“, so der Meringer. Schade fand er, dass man die Medaillenchance gegen Frankreich am Ende so leichtfertig weggeworfen hatte. „Eine Verlängerung wäre schon noch toll gewesen“, meinte er. Glaubt er nun an einen Boom? „Der BHV will einiges unternehmen, aber auch wir als Verein sind gefordert. Wenn wir nicht aktiv werden und dranbleiben, dann fürchte ich, dass das bald wieder verebbt“, Schmid, der in Dänemark auch den verdienten Weltmeister sah.

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