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Mering

11.01.2020

Dieser Meringer kommt ursprünglich aus dem Tal der Hundertjährigen in Pakistan

Der Meringer Aziz Ur-Rahman auf dem Weg zum Basislager des Nanga Parbat.
Bild: Aziz Ur-Rahman

Plus Aziz Ur-Rahman lebt seit 2003 in Mering. Bis heute führt er Bergsteiger und Touristen in den Norden Pakistans. Seine Heimat birgt ein besonderes Geheimnis.

„Das Tal der Hundertjährigen“ wird seine Heimat genannt – eine Gegend hoch im Himalaya, mit märchenhafter Landschaft, die lange weitab von der Welt lag. Ein Tal, in dem die Menschen sagenhaft alt werden sollen und anders aussehen als im Rest Pakistans - nämlich oft hellhäutig, blond, blauäugig. Aus eben diesem Hunza-Tal stammt Aziz Ur-Rahman. Seit 2003 aber lebt er in Mering - der Liebe wegen. Doch noch immer führt er Reisende und Bergsteiger in seine alte Heimat.

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Mering: Aziz Ur-Rahman war mit 19 Jahren auf 8611 Metern Höhe

Die Passion fürs Bergsteigen „erbte“ der mittlerweile 45-Jährige schon in seiner Jugend von einem Onkel. Der Bergführer nahm den Jungen oft während der Ferien auf Touren mit. 1992, als er 19 Jahre alt war, führte Ur-Rahman dann zum ersten Mal gemeinsam mit dem Onkel eine Gruppe ins Basislager des K2, der mit 8611 Metern der zweithöchste Berg der Welt ist. Es folgte eine weitere Tour mit dem Onkel. Ur-Rahmans Liebe für die Landschaft und die Berge wuchs immer mehr und als er die Schule abschloss, fasste er den Entschluss, Bergführer zu werden.

Das Hunza-Tal im Norden Pakistans ist die Heimat von Aziz Ur-Rahman, der seit 2003 in Mering wohnt.
Bild: Aziz Ur-Rahman

„Zu dieser Zeit war das in Pakistan eine beliebte Ausbildung“, erinnert er sich. Um sie beginnen zu können, musste er Praxiserfahrung vorweisen. 1993 und 1994 belegte er Kurse des Tourismusministeriums und erwarb ein Jahr später die Lizenz. Man brauche sehr viel medizinisches Wissen, müsse lernen, wie man Hilfe ruft, wie man sich an Gletscherspalten verhält und wie man auf dem Berg das Essen zubereitet, erläutert der 45-Jährige.

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Pakistani lebt in Mering und macht Bergtouren in seiner Heimat

Ende der 1990er Jahre absolvierte er einen Deutschkurs und kam 2000 erstmals zu einer Reisemesse nach Berlin. Drei Jahre später verschlug es ihn ganz nach Deutschland. Seine Frau hatte er zufällig kennengelernt, als er eine Reiseteilnehmerin in Mering besuchte. Jetzt ist er Vater von zwei Söhnen im Alter von acht und zwölf Jahren. Beide freuen sich schon darauf, mit dem Vater ihre erste Bergtour in Pakistan zu machen.

Er selber führt immer wieder Bergsteiger und Touristen in seine alte Heimat, kam vor einiger Zeit erst von einem vierwöchigen Aufenthalt dort zurück. Teilnehmer seiner Touren kommen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Japan, Malaysia und Indonesien. Auch Reiseteilnehmer aus Friedberg und Mering hatte er bereits.

In Pakistans Bergen ist von tiefem Frost bis 40 Grad alles möglich

Denn Pakistan ist nicht nur für geübte Bergsteiger ein Dorado, auch für Kulturinteressierte sind gerade im Süden viele sehenswerte historische Gebäude zu entdecken: Moscheen, Burgen, Klöster, Reste der alten buddhistischen Kultur sowie Malereien von Tieren auf Steinen oder in Höhlen. Es ist ein Land der Extreme, nicht nur, weil es allein acht Fünftausender gibt: Im Sommer können die Temperaturen bis zu 40 Grad erreichen, im Winter sinkt das Thermometer schnell auf minus 20 Grad.

Und: Für eine Bergtour in Pakistan sind gute Kondition und Ausrüstung erforderlich. Die Touren auf den K2 und den Nanga Parbat, die am häufigsten gebucht werden, dauern zwischen 15 und 21 Tagen. Pro Tag sind fünf bis sieben Stunden zu bewältigen: nach dem Frühstück etwa drei Stunden, nach einem leichten Mittagessen mit Suppe oder Fisch nochmals dieselbe Zeit. Immer wieder gibt es brenzelige Situationen: Als er mit einer Gruppe vom 5560 Meter hohen Gondogoro-Pass hinunterstieg, löste sich ein Stein und fiel knapp an seinem Kopf vorbei, erinnert sich Ur-Rahman.

Im Hunza-Tal werden viele Leute 100 Jahre alt

Das Hunza-Tal, benannt nach dem gleichnamigen Fluss, am berühmten Karakorum-Highway ist allein schon eine Reise wert, nicht nur wegen der grandiosen Landschaft auf über 2000 Metern Höhe. Ur-Rahman erzählt, dass wohl einst die Armee Alexander des Großen von China über Pakistan zog und die Verletzten im Hunza-Tal zurückblieben.

Deswegen sehen dort die Menschen anders aus als in den anderen Landesteilen. Außerdem haben Abgeschiedenheit, Ruhe und gesunde Ernährung zu einem besonderen Phänomen geführt: Trotz der harten Lebensbedingungen ist die Lebenserwartung hoch. Gründe seien das mineralreiche Wasser und die Aprikosen, die getrocknet oder zu dem gesunden Aprikosenkernöl verarbeitet werden. „Im Hunza-Tal werden viele Menschen über 100 Jahre alt“, erzählt Ur-Rahman.

Mering ist die neue Heimat des Pakistanis Ur-Rahman

In Deutschland arbeitet er in einer Druckerei. Die neue Heimat hat er zu schätzen gelernt. „Ich finde es gut, dass es ein Gesundheitssystem gibt, in dem man versichert sein muss. In Pakistan muss man in der Regel alle Arzt- und Krankenhauskosten selbst bezahlen“, sagt er.

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