Newsticker

Steigende Infektionszahlen: EU-Einreiseverbot für Serbien und Montenegro
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Ein Hochsensibler berichtet in Friedberg, wie Schwäche zu Stärke wird

Friedberg

16.01.2020

Ein Hochsensibler berichtet in Friedberg, wie Schwäche zu Stärke wird

Sozialpädagogin Michaela Huber hat für den 10. Februar den emotional hochsensiblen Immanuel Brenner in die Beratungsstelle in der Herman- Löns-Straße eingeladen, um über seine Erfahrungen zu sprechen und Tipps zur Selbsthilfe zu geben.
Bild: Christine Hornischer

Plus Immanuel Brenner ist emotional hochsensibel. Bei einer neuen Veranstaltungsreihe berichtet er in Friedberg, wie er damit umzugehen gelernt hat.

Die längste Zeit seines Lebens wusste er, dass er anders ist. „Als Junge fühlte ich mich oft wie ein Außerirdischer“, sagt Immanuel Brenner. Der 30-Jährige ist emotional hochsensibel. Menschen wie er saugen jedes Detail wie ein Schwamm auf. Was andere lieben, ist ihm ein Gräuel: Überraschungen etwa oder plötzlich in neue Situationen hineingestoßen zu werden. Reize wie verschiedenste Geräusche, ein Tumult von Menschen oder starke Gefühle bringen ihn an seine Grenzen.

Hochsensibler Immanuel Brenner: "Wir sind sehr intuitiv"

Und trotzdem oder gerade deswegen sieht Immanuel Brenner seine Veranlagung als Stärke. „Die Stärken von Hochsensiblen sind vielfältig“, sagt der junge Mann. „Nicht nur, dass wir sehr intuitiv sind, wir können auch sehr gut zuhören, merken uns jedes Detail und sind sehr gut im Reflektieren.“ Das heißt, die Sozialkompetenz Hochsensibler ist beachtlich und der Gerechtigkeitssinn ist stark ausgeprägt.

Um genau diese Stärken wird es in einem Vortrag gehen, der am 10. Februar um 18 Uhr in Friedberg stattfinden wird. Sozialpädagogin Michaela Huber, die in der dort ansässigen Anlaufstelle für Belange von Menschen mit Behinderungen und von Behinderung bedrohten Menschen, ihren Angehörigen sowie allen Interessierten (EUTB) arbeitet, hat den Hochsensiblen eingeladen, über seine Erfahrungen zu sprechen und Tipps zur Selbsthilfe zu geben.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Betroffene helfen Betroffenen

Als speziellen Service bietet die EUTB nämlich Beratung von Betroffenen für Betroffene an, das sogenannte Peer Counseling. Diese Form der Beratung unterstreicht das Prinzip der EUTB: „Eine für Alle“. Hierbei spricht der Ratsuchende mit einer Person, die in einer ähnlichen Lebenssituation ist oder war. Beispielsweise wird ein Rolli-Fahrer von einem Rolli-Fahrer beraten. „Das hat vor allem den Vorteil, dass Betroffene mit einer Person auf Augenhöhe kommunizieren „, sagt Michaela Huber.

So will die Frau aus Hochdorf ab Februar 2020 eine Veranstaltungsreihe ins Leben rufen, die sich „Lebensgeschichten von Menschen, die Mut machen“ nennt. Beginnen wird Immanuel Brenner mit seinen ureigenen Erfahrungen mit Emotionaler Hochsensibilität. Er arbeitet nebenberuflich als Genesungsbegleiter für psychisch Erkrankte und in der EUTB als Peerberater, das heißt, er steht als Experte in eigener Sache vor allem Menschen mit psychischer Betroffenheit zur Seite.

In Friedberg soll es Lebensgeschichten, die Mut machen, zu hören geben

„Dieser Vortragsabend soll vor allem Mut dazu machen, seine eigenen Stärken zu nutzen“, verrät Michaela Huber. Und Brenner ergänzt: „Ganz wichtig ist es, zuallererst sich selbst kennenzulernen, sich mit all seinen Stärken und Schwächen zu akzeptieren. Und dann ist es hilfreich, auf andere zuzugehen, um zu sehen, wie sie auf einen reagieren.“ Lange war Brenner damit beschäftigt, vieles zu hinterfragen. „Als das Aha-Erlebnis kam, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Mein komplettes Weltbild hat sich gedreht. Hilfreich war für mich vor allen Dingen, Gleichgesinnte zu suchen, denen es ähnlich geht“, berichtet er

Im Vortrag wird Immanuel Brenner auf sein eigenes Leben zurückblicken. Im Alter von 23 Jahren äußerte eine Ärztin den Verdacht auf Schizophrenie. Er berichtete von seiner Wahrnehmung, dass sein Herzschlag viel zu schnell war. „Mit einer Überweisung und dem Verdacht eines psychischen Leidensdrucks wurde ich zwölf Tage in der Psychiatrie Günzburg stationär behandelt“, erzählt der 30-Jährige. Er hat, wie er sagt, „gut mitgearbeitet“, den Ärzten eine Chance gegeben und hat sich mutig und selbstbewusst beraten lassen.

Hochsensibler Immanuel Brenner filtert Gedanken jetzt stärker

„Ich war in dieser Zeit anscheinend maßlos überfordert“, resümiert Brenner heute. Der Seniorenbetreuer, der bei der Residenz Pro Seniore in Friedberg arbeitet, hat gelernt, seine Gedanken zu filtern. Er weiß jetzt, wie er mit seiner speziellen Charakterstärke umgehen muss und das will er am 10. Februar widergeben. „Außerdem konnte ich noch eine Dame von den Ulrich-Werkstätten in Aichach dafür gewinnen, uns von ihren Erfahrungen zu berichten“, freut sich Sozialpädagogin Michaela Huber.

Die Veranstaltung findet am Montag, 10. Februar, um 18 Uhr im Sozialzentrum an der Hermann-Löns-Straße 6 in Friedberg statt. Der Veranstaltungsraum ist rollstuhlgerecht zugänglich. Der Eintritt ist frei. Falls ein Gebärdendolmetscher benötigt wird, bitte bis zum 20. Januar 2020 anmelden unter michaela.huber@caritas-aichach-friedberg.de oder Fax 0821/21702459.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren