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Friedberg

03.10.2019

Ein König aus Nigeria besucht Friedberg

Igw Peter Anugwu ist der erste Afrikaner, der sich in das Goldene Buch von Friedberg eingetragen hat. Pater Markus Hau und Bürgermeister Roland Eichmann schauen ihm dabei über die Schulter.
Bild: Tom Trilges

Plus Igw Peter Anugwu ist König eines Gebietes in Nigeria. Ihn verbindet eine Freundschaft zu den Pallottinern. 2020 wollen Friedberger sein Königreich besuchen.

Selbst der sonst recht selbstsichere Bürgermeister Roland Eichmann war an diesem Abend ganz schön nervös: "Ich kenne das Prozedere bei Ministern und den adligen Wittelsbachern, aber einen König habe ich noch nie empfangen." Doch nicht nur der Gastgeber zeigte seine Ehrfurcht vor Igw Peter Anugwu, dem Herrscher von Mbaukwu.

Zahlreiche Friedberger waren zum Schloss gekommen, um ihm die Hand zu schütteln und ein paar Worte zu wechseln. Doch wie "verirrte" sich ein afrikanischer König hierher?

Ob klein oder groß: In Friedberg begrüßten die Menschen den König von Mbaukwu beinahe ehrfürchtig. Der gab sich volksnah und bescheiden.
Bild: Tom Trilges

Pater Markus Hau, Missionssekretär der Pallottiner, kann es erklären: "Pater Peter Hillen ist vor über zehn Jahren nach Nigeria gegangen und kam eines Tages auch nach Mbaukwu. Bei einem Empfang in seinem Palast hat sich der König sehr interessiert an unserer Arbeit gezeigt." Es entwickelte sich eine enge Partnerschaft.

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Heute gibt es in dem Gebiet fast 20 Priester der Pallottiner. Pater Hillen hat mit Unterstützung von Igw Peter Anugwu dafür gesorgt, dass in dem von großer Armut geprägten Gebiet 30 neue Brunnen entstehen.

Derzeit befindet sich ein Jugendzentrum in Bau, in dem 6000 junge Menschen miteinander lernen und leben werden.

Der König besucht das Wittelsbacher Schloss in Friedberg

Am Dienstagabend nun besuchte der König das Wittelsbacher Schloss. Als erster Afrikaner überhaupt trug er sich ins Goldene Buch der Stadt ein. "Das hier ist ein traditionsreiches Gebäude für Herzöge, aber einen König zu begrüßen, ist uns eine ganz besondere Freude", sagte Eichmann.

Igw Anugwu erwiderte: "Mir wird eine Ehre zuteil, die ich nie vergessen werde." Er werde hart dafür arbeiten, die Ideen der Pallottiner in Mbaukwu noch stärker zum Leben zu erwecken. "Sie haben meine größte Unterstützung." Pater Hillen, der die Pallottiner in Nigeria bekannt machte, gehört unterdessen gar zu den Ministern seines Kabinetts.

Die Zustände in der Heimat des Herrschers (Nigeria ist eine präsdiale Bundesrepublik) kann man sich in Deutschland kaum vorstellen: Unter 18 Jahren liegt das Durchschnittsalter, das mittlere Einkommen pro Tag beträgt zwei bis drei Euro. "Das Land hat neben der Armut einen lange währenden religiösen Konflikt zwischen Christen und Muslimen und den Terror von Gruppen wie Boko Haram zu erleiden", erklärt Pater Hau.

"Nigeria ist aber viel mehr als das. Wir wollen unseren Beitrag leisten, den Jugendlichen eine Perspektive zu eröffnen. Schlüssel zu einer Befriedung kann nur Bildung sein." Hau hält den König für einen "wahnsinnig wachen und aktiven Gesprächspartner, der etwas Gutes hinterlassen möchte."

Galant wie stets: Stadtrat Roland Fuchs.
Bild: Tom Trilges

Eichmann plädierte dafür, verstärkt in solche Regionen zu blicken und sich ihnen zu öffnen: "Die Königreiche dort bestehen seit hunderten, teils seit über tausend Jahren. Ich habe Igw Anugwu als bodenständigen, sympathischen Mann kennen gelernt. Seine Worte haben mir imponiert." Zwar gelobte der Nigerianer, Friedberg erneut zu besuchen. Gleichzeitig lud er aber die Friedberger ein, in sein Königreich zu kommen. Was wie eine reine Höflichkeitsbekundung anmutete, könnte schon im kommenden Jahr Wirklichkeit werden.

Pater Haus aus Friedberg ist oft in Nigeria

"Erst heute habe ich von Daniel Götz vom Verkehrsverein erfahren, dass es da bereits konkrete Bestrebungen gibt", verriet Pater Hau. "Ich würde das natürlich sehr begrüßen." Der frühere Stadtpfarrer ist als MIssionssekretär der Pallottiner selber zwei bis drei Mal jährlich in Nigeria. "In dieser Zeit gehe ich jeden Tag zum König, um die ihm Ehre zu erweisen. So gehört es sich in Mbaukwu."

Der 74-jährige Herrscher erfüllt nicht nur seine Aufgaben als Oberhaupt, sondern bekleidet auch verschiedene Posten in der Wirtschaft. Unter anderem agiert er als Vorstandsmitglied des Bauunternehmens Julius Berger. Oft bereist er Europa – nach Friedberg begleitete den Vater von sechs Kindern auch seine Frau, eine Ärztin, sowie Sohn Ifeanyi.

Der König mag die deutsche Gründlichkeit

"Am meisten bewundert er die deutsche Gründlichkeit", erzählte Pater Hau und musste lachen. So, wie sich der König anderen Kulturen öffne, wolle man das von Seiten der Pallottiner auch tun: "Wir verstehen uns gewissermaßen als Brücke in die Welt."

Lesen Sie auch den Kommentar: Besuch aus einer fremden Welt

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