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Mering

05.01.2019

Ein Refugium, um zu sich selbst zu finden

In der Abgeschiedenheit der Anbetungskapelle kann man wunderbar in sich hineinhören.
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In der Abgeschiedenheit der Anbetungskapelle kann man wunderbar in sich hineinhören.
Bild: Heike John

In der Anbetungskapelle im Meringer Kirchenbogen können Besucher Kraft schöpfen. Was den Ort besonders macht.

Groß raus kam die Meringer Anbetungskapelle am dritten Adventssonntag bei der Liveübertragung des Gottesdienstes in der Pfarrkirche St. Michael im ZDF. Ein Kameraschwenk während der Kommunionausteilung gewährte den Gläubigen am heimischen Fernseher einen Blick in das frisch renovierte Kleinod im Gebäudeensemble des Meringer Kirchenbogens.

Normalerweise bleibt die große Öffentlichkeit aber außen vor. Denn diese Kapelle im ehemaligen Mesnerhaus ist ein Ort der inneren Einkehr. „Hierher sind unsere Gemeindemitglieder zur Anbetung des Allerheiligsten eingeladen. Die Zeit der Anbetung steht unter keinem religiösen Leistungsdruck. Wichtiger als das Reden ist das innere Hören“, erklärt Pfarrer Thomas Schwartz. Im Pfarrbrief beschreibt Merings katholischer Seelsorger das folgendermaßen: „Die Anbetung Gottes hilft dem Menschen, seine Beziehung zu sich selbst und zu seiner Umgebung in Ordnung zu bringen. Wer Gott alle Ehre gibt, kann sich von einer allzu starken Selbstbezogenheit befreien und seine Umklammerung von Menschen oder Dingen lösen. Es gibt keine ,verlorene‘ Zeit während der Anbetung. Es geht nicht um den Erwerb von Wissen, um die Erledigung eines Programms; nicht darum bestimmte Gebete zu verrichten, sondern um ein Verweilen beim Herrn.“

In der Früh zieht er sich eine Stunde zurück

Wenn man den Raum mit dem wunderbaren Kreuzgratgewölbe betritt, dann kann es gut sein, dass schon der ein oder andere „Hörer“ in einer Kirchenbank verweilt. Michael Horn beispielsweise, der erst seit wenigen Wochen in Mering wohnt. „Ich bin Rentner und habe Zeit, täglich hierherzukommen“, sagt der 71-Jährige. Gleich in der Früh, wenn er seine Großnichten in die Schule gebracht hat, zieht er sich für eine Stunde in das kleine Refugium neben der Pfarrkirche zurück. Mit einer doppelten Kniebeuge betritt er den Raum. „Das gehört sich an Orten, wo das Allerheiligste ausgesetzt ist“, erklärt der gläubige Christ. „Hier kann ich abschalten und die Hektik des Alltags draußen lassen.“

Während seiner beruflichen Zeit war Michael Horn für Baumaßnahmen in der Diözese zuständig. Die Umgestaltung des lange als Abstellraum genutzten Kleinods in der ehemaligen Mesnerwohnung war jedoch weit nach seiner Zeit.

Viel mit dem Umbau zu tun hatte jedoch Leonhard Erhard, der als Mitglied der Kirchenverwaltung für die kirchlichen Objekte zuständig ist. „2015 wurde die Renovierung in Angriff genommen“, gibt er Auskunft. „Der Bau stammt wie der Torbogen daneben noch aus dem 17. Jahrhundert und meiner Erinnerung nach wurde er noch bis in die 50er- oder 60er-Jahre als Mesnerdienstwohnung genutzt.“ Hier übte schon der 1682 geborene Bildhauer Joseph Luidl das Amt des Mesners aus.

Im Gebetsraum steht die Figur des heiligen Michael

Warum dieser Raum als einziger im ganzen Gebäudekomplex mit einem Kreuzgewölbe ausgestattet ist, gebe nach wie vor Rätsel auf, sagt Erhard. Auch ihn selbst zieht es immer wieder in den Gebetsraum mit der Figur des heiligen Michael. „Wenn ich hier in der Nähe zu tun habe, trete ich immer gerne für ein paar Minuten Stille ein. Hier kann ich meine Gedanken sammeln. Das hilft mir auch, wenn ein wichtiges Gespräch ansteht.“

Wie Leonhard Erhard geht es wohl vielen in Mering und mit Wohlwollen sieht er, wie über den ganzen Tag verteilt Leute kommen und gehen und wie gut das Angebot der Stille genutzt wird. „Unser Pfarrer hat sich für die Einrichtung der Kapelle starkgemacht. Als Kirchengemeinde ist es unsere Aufgabe, uns nicht nur um Kulturgüter und den Gottesdienst zu kümmern, sondern auch um Möglichkeiten für ein ganz persönliches Gebet.“

Wer noch mehr entspannen will: Schwitzen ohne Schnickschnack im Stadtbad und Ein Stück Italien am Friedberger Marienplatz

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