Newsticker

Teil-Lockdown bis 10. Januar 2021 verlängert - Söder deutet Verschärfung an
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Fahrraddiebe werden immer dreister

Polizei Friedberg

06.02.2018

Fahrraddiebe werden immer dreister

So schnell kann es gehen: Mit einem Bolzenschneider, den er im Rucksack dabei hatte, knackt ein Dieb am helllichten Tag ein Fahrradschloss.

Die Zahl der Fälle steigt jedes Jahr um zehn Prozent. Besonders begehrt sind Mountainbikes. Warum die Polizei nur sehr wenige Taten aufklären kann.

Stehlen Fahrraddiebe auf Bestellung? Diese Vermutung hat die Polizei Friedberg. Denn sie beobachtet, dass vor allem Mountainbikes namhafter Firmen wie Cube, Ghost, Bulls oder KTM verschwinden. Auch teure E-Bikes sind bei Langfingern begehrt. Fahrraddiebstahl gilt als Massendelikt, wie Peter Zimmermann, stellvertretender Leiter der Polizei Friedberg, sagt. Deswegen hat die Dienststelle mit Naciye Buchberger eine Sachbearbeiterin, bei der die Fälle zusammenlaufen.

Schwerpunkt sind Bahnhöfe

Ihr zufolge gab es 2016 im Dienststellenbereich 108 Fälle – zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. Es entstand Schaden von 75000 Euro. Der Trend wird sich für das Jahr 2017 wohl fortsetzen, die Zahlen sind allerdings noch nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Schwerpunkte sind die Bahnhöfe in Mering, Friedberg und Kissing, gestohlen wird alles vom Kinderrad bis zur schrottreifen Kiste.

 Je abgelegener der Platz, desto mehr kommt weg. Deshalb steht Kissing laut Buchberger an der Spitze mit 19 Fällen. Weitere Schwerpunkte sind der Park-and-Ride-Platz Friedberg-West sowie Freibäder. Und vor einem Freibad spielte sich auch eine Tat ab, die die Polizei zumindest teilweise aufklären konnte.

An einem Sommertag beobachteten Badegäste in Mering laut Buchberger, wie vor dem Gelände ein Mann mit einem Radl unterwegs war, dass aussah wie eines von ihnen. Als sie nachsahen, wurde klar: Er hatte das Rad tatsächlich gestohlen. Die Besitzer meldeten das der Polizei – und recherchierten selber im Internet. Auf E-Bay entdeckten sie das Mädchenfahrrad wieder. Beim Scheinkauf in einer Flohmarkthalle stellten Zivilpolizisten außer diesem ein halbes Dutzend weitere Fahrräder sicher. Noch eines davon konnte seinem rechtmäßigen Besitzer zurück gegeben werden. Der Hehler weigerte sich jedoch, Angaben zu machen. Wer der Dieb ist, fand also bis heute niemand heraus. Eine Lehre könnte aber auch Ottonormalbürger aus der Geschichte ziehen: Wenn auf einem Flohmarkt jemand gleich mehrere Fahrräder anbietet, kann es laut Zimmermann gut sein, dass diese nicht aus legalen Quellen stammen.

Am helllichten Tag

Wie dreist die Diebe vorgehen, die oft am helllichten Tag zuschlagen, zeigt das Video der Überwachungskamera eines Fitnessstudios. Ein junger Mann in sportlicher Kleidung, mit Markenturnschuhen und Rucksack schlendert vorbei, schaut ein wenig hin und her – und packt einen Bolzenschneider aus, mit dem er in Sekundenschnelle das Kabelschloss eines Mountainbikes knackt. Dann schwingt er sich auf den Sattel und verschwindet.

Trotz der Fotos konnte die Polizei ihn nicht identifizieren; insgesamt ist die Aufklärungsquote von Fahrraddiebstählen mit sechs Prozent verschwindend gering. Die Polizei geht davon aus, dass viele Räder nach Südosteuropa verschoben werden. Ab und an finden Schleierfahnder bei Kontrollen einen Lieferwagen voller Fahrräder, teils in Einzelteile zerlegt und als „Ersatzteile“ deklariert. Zimmermann vermutet, dass viele Opfer den Diebstahl gar nicht erst melden. In einer Garage sammelt die Friedberger Dienststelle Fundräder: 20 Stück stehen hier, vom Kinderroller bis zum hochwertigen Mountainbike.

So schützen Sie sich

Schloss

 In das Schloss ein Zehntel dessen investieren, was das Rad gekostet hat. Am schwersten zu knacken sind Bügelschlösser.

Zusammenketten

Das Rad mit dem Schloss an einem festen Gegenstand anketten, zum Beispiel dem Radständer, einem Zaun oder einer Laterne. Bei mehreren Rädern diese aneinander ketten.

Standort

Das Rad abstellen, wo schon andere stehen, nicht abseits.

Registrieren

Nach dem Kauf die Radgestellnummer online oder telefonisch registrieren, Rechnung und ein Foto vom Rad aufbewahren.

Bahnhofsradl Für die Fahrt zum Bahnhof ein billiges Fahrrad nutzen, dann ist wenigstens der Verlust nicht so groß.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren