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Prozess

13.05.2019

Frau entflieht Zwangsehe und wirft Vater Kindesentführung vor

Vor ihrem Mann floh eine Syrerin, die in Dasing lebte, in ein Frauenhaus. Nun steht er in Augsburg vor Gericht.
Bild: Peter Steffen, dpa

Plus Nach Gewalt in der Ehe verlässt eine Syrerin ihren Mann. Er setzt sich mit drei Kindern nach Griechenland ab. Vor Gericht stellt er sich als unschuldig dar.

Es ist die Geschichte einer Ehe, die in einem fremden Kulturkreis geschlossen wurde. Eine Ehe, bei der Mann und Frau unter Regeln leben, die unseren gesellschaftlichen Vorstellungen widersprechen, bei der der Ehemann bestimmt, was die Frau zu tun hat. Was in einem arabischen Land möglicherweise toleriert wird, kann in Deutschland jedoch strafrechtlich verfolgt werden.

Auf der Anklagebank vor einem Schöffengericht in Augsburg unter Vorsitz von Thomas Müller-Froelich sitzt ein 46-jähriger Syrer, dem Staatsanwältin Birgit Milzarek zahlreiche Straftaten vorwirft, von der seine Ehefrau, 32, und seine drei Kinder im Alter von acht, zehn und zwölf Jahren betroffen sind.

So soll er sich mit den Kindern ohne Wissen der Frau nach Griechenland abgesetzt haben – ein Vorwurf der Entziehung Minderjähriger. Und er soll zuvor seine Frau mehrfach geschlagen, sie bedroht, genötigt und in einem Fall auch vergewaltigt haben. Der Syrer (Verteidiger: Felix Dimpfl) sitzt seit Ende November in Untersuchungshaft.

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Die syrische Familie wohnte zeitweise in Dasing

Die Geschichte der unheilvollen Beziehung beginnt in Syrien. Wie die Frau im Februar vor dem Ermittlungsrichter aussagt, sei sie in ihrem Heimatland zwangsverheiratet worden. Schon nach kurzer Zeit habe sie sich scheiden lassen wollen. Ihren Goldschmuck, den sie zur Hochzeit geschenkt bekam, habe sie verkauft, um sich einen Anwalt nehmen zu können. Die Dorfgemeinschaft habe sie aber gedrängt, ihre Pläne fallen zu lassen. Später flüchtete der Angeklagte mit drei kleinen Kindern über den Libanon nach Deutschland, die Frau kam später nach. Dort wohnte die Familie unter anderem in Dasing.

Aus zwei Gründen, so erzählte die Frau dem Ermittlungsrichter, habe es häufig Streit gegeben: Einmal, weil ihr Ehemann vermutet habe, sie unterhalte eine Beziehung zu einem 16-jährigen Nachbarsjungen, zum anderen sei er nicht einverstanden gewesen, dass sie Deutschunterricht nimmt.

Etwa ab Sommer 2016 sei es zu Gewalttätigkeiten gekommen. Ihr Mann habe sie geschlagen, sie mit dem Tod bedroht, wenn sie ihn verlässt. Und einmal habe er nach einem Streit Sex von ihr gefordert. Sie habe sich entgegen ihrem Willen weinend den Regeln unterworfen, dass man dem Mann zu Willen sein müsse, ihr Mann habe den Geschlechtsverkehr vollzogen.

Die Syrerin und ihre müssen sich nun verstecken

Im September 2018 flüchtete sich die Syrerin ohne ihre Kinder in ein Frauenhaus, ging im Oktober zur Polizei und erstattete Anzeige gegen ihren Mann, beantragte beim Familiengericht Aichach das alleinige Umgangsrecht mit den Kindern. Vier Tage, nachdem das Gericht ihn am 8. November 2018 schriftlich über den Antrag informiert hatte, verließ der 46-Jährige mit den Kindern die Wohnung.

Mit dem Auto fuhr er nach Griechenland, wo er am 23. November in einem Hafen von der Polizei aufgegriffen und mit den Kindern per Flugzeug nach Deutschland zurückgeschickt wurde. Kurz darauf wurde er verhaftet. Frau und Kinder leben nun an einem geheim gehaltenen Ort.

Über einen Dolmetscher gibt der Syrer seine Version der Geschehnisse zu Protokoll. Die Vorwürfe seien "frei erfunden". Es habe keine großen Probleme in der Ehe gegeben, ab und zu Streitereien. "Ich habe sie vielleicht mal beleidigt, aber nie geschlagen und auch nie bedroht. Und der Sex war freiwillig", beteuert er. Er sage die Wahrheit, weil Ramadan sei und in dieser Zeit dürfe ein Muslim nicht lügen.

Die Fahrt nach Griechenland sei eine Urlaubsfahrt gewesen. "Meine Frau war weg im Frauenhaus, ich war mit den Kindern allein und ich wollte mir bei Verwandten Hilfe holen", erklärt er. Als er von der Polizei aufgegriffen wurde, sei er auf dem Rückweg nach Deutschland gewesen. "Ich hatte schon für 300 Euro die Tickets für die Fähre nach Italien gekauft."

Niemals habe er, wie die Staatsanwaltschaft vermutet, mit den Kindern in die Türkei reisen wollen. Im Lauf seiner Aussage rückt der Angeklagte mit der Erklärung heraus, es habe doch "ein Problem" mit seiner Frau gegeben. Aber das könne er nur dem Richter unter vier Augen sagen. Ein Gespräch "von Mann zu Mann" in einem Prozess kennt das deutsche Strafrecht allerdings nicht.

Der Prozess am Gericht in Augsburg wird fortgesetzt

In Begleitung ihrer Anwältin Marion Zech betritt die offenbar psychisch angeschlagene Ehefrau den Gerichtssaal. Angesichts des Angeklagten will sie nicht aussagen, was ihr nach der Strafprozessordnung zusteht. Deshalb hört das Gericht an ihrer Stelle den Ermittlungsrichter Tobias Witzigmann, der ausführlich über die Vernehmung berichtet. Seine Angaben kann das Gericht in der Beweiswürdigung verwerten.

Anwalt Felix Dimpfl beantragt schließlich, den Haftbefehl gegen seinen Mandanten aufzuheben, da seiner Ansicht nach weder der Tatbestand der Vergewaltigung noch der Kindsentziehung nachgewiesen sei. Das Gericht lehnt ab.

Der Prozess am Amtsgericht in Augsburg wird am 31. Mai um 9 Uhr fortgesetzt.

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