Fast zwei Drittel der Friedberger Unternehmerinnen und Unternehmer sind mit der städtischen Wirtschaftsförderung und dem Citymanagement unzufrieden. Das geht aus einer - nicht repräsentativen - Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) hervor. "Die Kommunikation mit der Stadt ist verbesserungsfähig", stellt IHK-Regionalgeschäftsführer Jens Walter fest. Vor allem ein Thema sorgt bei den Firmen für Ärger und Unverständnis.
Anlass für die Umfrage ist die Dauerbaustelle in der nördlichen Bahnhofstraße. Seit im Februar dieses Jahres die Umgestaltung des 200 Meter langen Abschnitts zwischen Kriegerdenkmal und Ludwigstraße begonnen hat, gibt es immer wieder Klagen von Anwohnern und Geschäftsleuten. Teilweise waren Häuser und Geschäfte kaum erreichbar, dann wieder gab es keinen sichtbaren Baufortschritt. Verbesserungen, wie etwa den Einbau der Fußgängerstege, gab es nur auf Druck der Anlieger. Voraussichtlich bis Mai 2022 sollen die Arbeiten noch dauern (wir berichteten).
Angesichts dieser Beeinträchtigungen wollten die Friedberger Unternehmer Christian Kniess (Eisenwaren Kniess), Hannes Proeller (Rosen-Apotheke), Dieter Weidner (Weidner Holding) und Willi Weißgerber (Altstadtcafé), die sich im Vorstand der IHK-Regionalversammlung engagieren, mit der Umfrage ein Stimmungsbild zu den aktuellen Themen der Innenstadt einholen. Im Fokus stand dabei unter anderem eben die Bahnhofstraße. Für die Online-Befragung wurden 135 Firmen angeschrieben, von denen 22 geantwortet haben. Dies entspricht einem Rücklauf von 16 Prozent. Knapp die Hälfte von ihnen ist in der Innenstadt ansässig.
Negative Kommentare für die Friedberger Stadtpolitik
Demnach sind nur 36 Prozent mit Wirtschaftsförderung und Citymanagement in Friedberg zufrieden, 64 Prozent nicht. Umfassend informiert von Wirtschaftsförderung und Citymanagement fühlen sich sogar nur 23 Prozent. In den Kommentaren hagelt es überwiegend negative Bemerkungen.
Für Kritik sorgen immer wieder die schleppenden Arbeiten in der Bahnhofstraße, aber auch die schlechte Parksituation, der langsame Breitbandausbau und die überbordende Bürokratie, etwa beim Brandschutz. "Außer jede Menge Papier beschrieben ist noch nicht viel passiert", heißt es dort. Oder: Werbung für eine Baumaßnahme, über deren unbeschreiblich lange Bauzeit schon die halbe Stadt lacht, ist meiner Meinung nach verschwendetes Steuergeld.
Ähnlich kritisch äußern sich die Befragten über ihre Kontakte mit dem Citymanagement. "Geredet wurde viel. Null Verbindlichkeit, null Entgegenkommen und null Einsatz, um Dinge zu ändern", schreibt ein Unternehmer zum Thema Bahnhofstraße. Die Mitarbeiter seien freundlich, aber wenn man irgendetwas wünsche, das nicht der Planung entspreche, sei die Antwort, dass es entweder nicht gehe oder nun zu spät sei. "Besonders ärgerlich, weil es nie einen Zeitpunkt gab, an dem die Anliegerinnen und Anlieger diese Möglichkeit gehabt hätten", lautet das Resümee.
Lob für den Friedberger Aktiv-Ring
Lob gibt es hingegen für den Aktiv-Ring. Christian Kniess erinnert an die von ehrenamtlichem Engagement getragenen Initiativen der Werbegemeinschaft wie den City-Scheck, die digitale Infoschau im vergangenen Herbst oder das neue Konzept der Marktsonntage, das beim Publikum gut ankommt.
Der größte Wunsch der Geschäftsleute ist ein besserer Informationsaustausch. "Die Kommunikation der Stadt ist verbesserungswürdig", liest IHK-Regionalgeschäftsführer Jens Walter aus den Äußerungen der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer heraus. Für IHK-Vizepräsident Dieter Weidner steht fest, dass es eine engere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Politik braucht.
"Das Citymanagement ist halt da", stellt Willi Weißgerber fest. Dort werde nur verwaltet, die Leistungen gingen aber am Bedarf vorbei, die Arbeitskräfte würden falsch eingesetzt. Für Hannes Proeller ist eine stärkere Präsenz des Citymanagements notwendig. "Wir bieten den Dialog an", betont er und räumt selbstkritisch ein: "Wir haben den Fehler gemacht, uns nicht stärker darum zu kümmern."
Friedberger Unternehmer reichen die Hand
Jens Weidner berichtet von einem Treffen mit Bürgermeister Roland Eichmann und der neuen Citymanagerin Bianca Roß nach deren Amtsantritt im vergangenen Jahr. Darüber hinaus habe es aber keinen persönlichen Kontakt mehr gegeben. Nötig sei eine Plattform, über die man miteinander ins Gespräch komme und auch Kritik aufnehme. "Wir würden gerne die Hand reichen", versichert Willi Weißgerber.