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Friedberg
25.02.2021

Schwere Vorwürfe gegen Friedberger Klinik: Bürgermeister "total geschockt"

Das Friedberger Krankenhaus kommt nicht zur Ruhe. Laut eines Zwischenberichts einer Task Force sollen die Verantwortlichen auf einen Corona-Ausbruch zu spät reagiert haben.
Foto: Sebastian Richly

Der Zwischenbericht der Taskforce wirft Krankenhaus und Gesundheitsamt beim Corona-Ausbruch schwere Versäumnisse vor. Aus der Politik gibt es teils deutliche Kritik.

Der Corona-Ausbruch im Friedberger Krankenhaus wurde mittlerweile für beendet erklärt: Unterdessen erhebt die eingeschaltete Taskforce schwere Vorwürfe gegen Klinik-Leitung und Gesundheitsamt. Das geht laut unserer Redaktion vorliegenden Informationen aus einem internen Zwischenbericht hervor. Die Taskforce Infektiologie des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), die seit einiger Zeit die Geschehnisse am Friedberger Krankenhaus prüft, wirft darin den Verantwortlichen schwere Versäumnisse vor. Warum eine Angehörige sich bestätigt sieht und was heimische Politiker nun fordern.

Die Vorwürfe, die in dem Zwischenbericht von der Task Force ans LGL erhoben werden, sind schwer. Der Corona-Ausbruch sei zu spät erkannt worden und Schutzmaßnahmen seien nicht rechtzeitig erfolgt. So seien Mitarbeiter bis zum Eingreifen der Taskforce beispielsweise nicht häufig genug getestet worden und daher bei einer Infektion mit symptomlosem Verlauf nicht aufgefallen.

In einem Zwischenbericht der Taskforce werden schwere Vorwürfe gegen das Friedberger Krankenhaus erhoben.
Foto: Sebastian Richly

Auch von Mängeln bei Hygiene und Schutzmaßnahmen spricht die Taskforce in ihrem Zwischenbericht: So hätten Klinikmitarbeiter vor allem zu Beginn des Ausbruchs in den Pausen keine Masken getragen, Übergaben zum Schichtwechsel in zu großen Gruppen stattgefunden. Dadurch seien Infektionen möglicherweise befördert worden.

Politiker reagieren auf Vorwürfe gegen Friedberger Krankenhaus

Für den Landtagsabgeordneten Peter Tomaschko (CSU) kommen die Vorwürfe überraschend: "Das ist sehr merkwürdig. Dieser sogenannte Zwischenbericht liegt weder mir noch der Klinik oder dem Landratsamt vor", so der Merchinger. Die Grünen in Aichach-Friedberg hatten bereits am Mittwoch harsche Kritik an Klinikleitung und Gesundheitsamt geübt. Christina Haubrich, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, etwa sagte: "Es kann nicht sein, dass es gerade in Zeiten der Pandemie zu solch eklatanten Versäumnissen in der Umsetzung von Hygienevorschriften kommt." Peter Tomaschko erwidert: "Wir sind alle an einer möglichst schnellen Aufklärung interessiert, aber dafür gibt es den Abschlussbericht. Vorverurteilungen sind fehl am Platz und unseriös."

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Foto: Sebastian Richly

Ähnlich sieht das auch Friedbergs Bürgermeister Roland Eichmann (SPD): "Vorzeitige Schuldzuweisungen sind aktuell das falsche Mittel. Wir brauchen jetzt Antworten, um die Geschehnisse aufzuklären. Es stehen heftige Vorwürfe im Raum." Eichmann ist "total geschockt" gewesen von den Anschuldigungen im Zwischenbericht. Am Montag findet eine nicht öffentliche Sitzung des Werkausschusses des Landkreises statt. Eichmann, der Mitglied des Ausschusses ist, erhofft sich dann Antworten seitens der Verantwortlichen.

Corona-Ausbruch am Krankenhaus Friedberg: Grüne üben Kritik

Vorverurteilungen lehnt auch die Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr (SPD) ab: "Wichtig ist es, die Geschehnisse transparent zu machen. Vor diesem Hintergrund macht es nur Sinn, dass auch der Zwischenbericht an die Öffentlichkeit kommt." Gerade für die Patienten sei das wichtig: "In dem Zwischenbericht werden schwere Vorwürfe erhoben. Es muss festgestellt werden, wann und aus welchen Gründen die Dinge so gelaufen sind." Dafür brauche es aber möglichst schnell Ergebnisse.

Auch Kreisrat Mathias Stößlein (UWG) fordert eine umfassende Aufklärung der Ereignisse: "Erst wenn der Abschlussbericht, soweit dieser unabhängig erstellt wird, da ist, kann man Konsequenzen ziehen. Dann geht es aber in erster Linie darum, wie man an solche Ausnahmesituationen künftig herangeht und wie die Informationspolitik aussehen muss - nicht um personelle Entscheidungen." Stößlein sieht auch die Politik in der Pflicht: "Ich will niemanden in Schutz nehmen, aber auf die Landratsämter prasselt in der Pandemie viel ein, da müsste von oben mehr Unterstützung kommen."

Angehörige erstattet Anzeige und fühlt sich bestätigt

Schwere Vorwürfe gegen das Friedberger Krankenhaus erhebt auch eine Angehörige. Nach dem Tod ihres 89-jährigen Vaters erstattete die Frau, die anonym bleiben möchte, Anzeige gegen die Klinik. Nach seinem Aufenthalt in Friedberg wurde ihr 89-jähriger Vater positiv auf das Coronavirus getestet. Wenig später starb er auf der Intensivstation im Aichacher Krankenhaus.

Am Krankenhaus Friedberg gibt es Corona-Fälle unter Mitarbeitern und Patienten. Eine Angehörige erstattet Anzeige.
Foto: Ute Krogull

Die Frau sieht sich in ihrem Handeln durch die jüngsten Vorfälle bestätigt. "Auf jeden Fall. Ich wusste, dass es kein Einzelfall war und es mehr Fälle gibt, als kommuniziert wurden. Dennoch macht mich das immer wieder fassungslos." Ihr Vater wurde kurz vor Weihnachten aus der Friedberger Klinik entlassen, Anfang Januar verstarb er. "Durch die Anzeige wollte ich einen Prozess in Gang bringen. Ich hoffe, dass es eine umfangreiche Aufklärung gibt, damit die künftigen Patienten besser geschützt werden", so die Frau.

Wovor die Patienten eines Dasinger Arztes Angst haben

Für Allgemeinmediziner Josef Glas aus Dasing darf man die Geschehnisse nicht überbewerten. Seine Patienten überweist Glas nach wie vor ins Friedberger Krankenhaus: "Ich habe da keine Bedenken. Die Mitarbeiter werden hoffentlich alles tun, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren." Dennoch gingen nicht alle seiner Patienten ohne Bedenken in die Klinik: "Das liegt weniger an der Gefahr, sich mit Corona zu infizieren. Es geht um die Angst, dort alleine zu sein. Die Besuchsverbote sind für viele ältere Patienten schwierig", so Glas, der seine Praxis in Taiting hat.

Einen Vertrauensverlust in das Gesundheitssystem durch die Corona-Pandemie sieht Glas übrigens nicht, dennoch hätte man seiner Ansicht nach besser darauf vorbereitet sein können: "Es gab in Friedberg und auch anderen Krankenhäusern anfangs keine Möglichkeit, neue Patienten einzeln zu isolieren. In anderen Ländern ist es Standard, dass Neuankömmlinge erst einmal ein bis zwei Tage isoliert werden." Einen Vorwurf macht er dem Friedberger Krankenhaus aber nicht: "Wenn man auf solche Situationen nicht vorbereitet ist, ist das kaum machbar. Der Aufwand ist sehr hoch."

Das Landratsamt wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Auf Nachfrage heißt es: "Der Zwischenbericht liegt weder dem Landrat noch dem Geschäftsführer der Kliniken an der Paar vor. Zur aktuellen Situation in den Kliniken, insbesondere zur Corona-Situation im Krankenhaus Friedberg erarbeiten Geschäftsführung, Chefärzte und Pflegedirektion der Kliniken an der Paar eine Stellungnahme an den Landrat, die noch vor dem Wochenende auch den Mitgliedern des Kreistages zugehen wird." Wann der Abschlussbericht der Task Force mit endgültigen, belastbaren Erkenntnissen - die vom Zwischenbericht auch abweichen können - vorgestellt wird, ist bislang laut Landratsamt offen. Möglicherweise dauert das noch einige Wochen. (mit nsi)

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